Wirtschaft fordert Brüssel zum Verhandeln auf
US-Präsident Donald Trump macht im Handelsstreit mit der EU ein neues Fass auf. Er kündigte die Erhöhung der Einfuhrzölle für europäische Pkw und Lastwagen auf 25% an. Während SPD-Wirtschaftspolitiker Sebastian Roloff und DIW-Präsident Marcel Fratzscher die EU jetzt zu scharfen Gegenreaktionen auffordern, mahnen führende Wirtschaftsvertreter zur Besonnenheit, um einen größeren Schaden abzuwehren.
Suche nach dem richtigen Kurs gegenüber den USA
„Europa muss kooperationsbereit bleiben. Wir wollen auch weiter mit den USA verlässlich handeln können." Das sagt der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) Dirk Jandura den FUCHSBRIEFEN. Automobilverbandschefin (VDA) Hildegard Müller ruft Brüssel und Washington „dringend zur Deeskalation und zu zügigen Gesprächen“ auf. Sie fordert aber auch: "Die EU muss ihre Interessen konsequent verteidigen.“
Laut DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier ist die deutsche Wirtschaft auf verlässliche und stabile Rahmenbedingungen im transatlantischen Handel angewiesen. „Neue Zölle wären ein weiterer Schlag ins Kontor unserer Exporteure - und das, nachdem unsere Ausfuhren in die USA 2025 bereits um fast 10% zurückgegangen sind“, so der Ökonom.
Neue Ankündigungen untergraben Vertrauen
Jandura sagte, dass die neuen Zolldrohungen das Vertrauen in das gemeinsame Zollabkommen zwischen den USA und der EU untergrabe und wieder einmal den transatlantischen Handel belaste. „Normalerweise gehören dazu durchsetzbare Schutzklauseln, die Verlässlichkeit schaffen und schnelles Handeln ermöglichen. Aber es stellt sich bei diesem Präsidenten die Frage der Sinnhaftigkeit solcher Vereinbarungen“, so der BGA-Präsident weiter.
Der Leipziger Volkswirtschaftsprofessor und US-Experte Ullrich Heilemann bremst die Sorgen etwas. Er verwies gegenüber den FUCHSBRIEFEN darauf, dass das Supreme-Court-Urteil gezeigt habe, dass US-Präsident Donald Trump gegen den US-Kongress nicht einfach aus eigenem Ermessen die Zölle festsetzen können. „Trump hat de facto die Macht des ersten Schusses. Jetzt kommt es darauf an, dass die EU sehr überlegt in Gespräche eintritt, damit die Märkte in der ohnehin schon schwierigen Zeit nicht noch weiter verunsichert werden.“
Umstrittene Tech-Steuer
Die Einführung einer Tech-Steuer als europäische Strafmaßnahme sieht Heilemann skeptisch, wenn gleich tendenziell richtig. „Bis die Maßnahmen greifen, würde es Jahre dauern. Gerichtsverfahren werden die Folge sein. Wenn aber die Zinsen für die Staatsanleihen anziehen, versteht das selbst Donald Trump“, sagt Heilemann. Europäische Investoren halten schätzungsweise Anteile an US-Staatsanleihen bis zu 8 Billionen US-Dollar. Dies könnte als potenzielles geopolitisches Druckmittel gegen die USA eingesetzt werden. Ein Sell-off würde die US-Finanzmärkte stark belasten. Auch das ist ein Trumpf, den Brüssel spielen könnte.
Die deutschen Autoexporte in die USA sind 2025 und Anfang des laufenden Jahres bereits durch die US-Zölle um rd. 15% eingebrochen. 2024 wurden noch Fahrzeuge im Wert von ca. 34 Milliarden Euro in die USA exportiert. Von Januar bis November 2025 sanken die gesamten deutschen Exporte in die USA um 9,4%. Die deutschen Automobilhersteller Daimler, Daimler Truck, BMW und VW zählten heute zum Handelsauftakt nach Trumps Ankündigung zu den größten Verlierern im Dax.