Sprit-Preise: Größte Kostenexplosion in Deutschland
Die Explosion der Benzin- und Dieselpreise in Europa verschärft akut die Standortnachteile Deutschlands und trifft Transportwirtschaft und Verbraucher. Denn die Benzin- und Dieselpreise sind in Deutschland im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn am stärksten gestiegen. Das haben FUCHSBRIEFE nachgerechnet.
Am 9. März kosteten 1.000 Liter Diesel-Kraftstoff in Deutschland durchschnittlich 2.163 Euro. Damit liegt Deutschland weit oberhalb des EU-Durchschnitts von 1.841,40 Euro. Unter den 27 Mitgliedsländern der EU mussten lediglich die Niederländer absolut mehr zahlen. In unserem Nachbarland kosteten 1.000 Liter Diesel 2.255,40 Euro. Das geht aus dem Weekly Oil Bulletin der EU-Kommission hervor. Den günstigsten Dieselpreis gibt es auf Malta (1.210 Euro je 1.000 Liter). Auch in Bulgarien (1306,30 Euro) und Slowenien (1462,20 Euro) tanken Dieselfahrer günstig.
Relativ höchster Preisanstieg in Deutschland
Auffällig sind die sehr unterschiedlich großen Preissteigerungen in der EU - und Deutschland ist Spitzenreiter. Hierzulande stiegen die Preise um satte 24,8%. Ähnliche Zuschläge mussten lediglich Österreich (+22,8%), Polen (+21,6%), Estland (+21,4%) und die Niederlande (+20,4%) verkraften. Dies zeigt unser Vergleich der Preise vom 22. Februar und 9. März (vor und nach dem Beginn des Iran-Kriegs).
Ausgerechnet die Länder mit den ohnehin schon höchsten Dieselkosten wie die Niederlande und Deutschland weisen auch die höchsten Preissteigerungen auf. Ganz anders dagegen im Tabellenkeller: Malta hat nicht nur die billigsten Dieselpreise, sondern mit 0% auch keinerlei Preissteigerung. Niedrige Anstiege verzeichneten auch Slowenien (0,2%), Irland (0,6%) und die Slowakei 1,1%. EU-weit belief sich die Steigerung auf 16,7%.
Speditionen wollen Preissteigerungen weitergeben
Die weit überdurchschnittlichen Preissteigerungen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden sind ein Indiz für ein Marktversagen. Sie lassen sich jedenfalls nicht vollständig mit der Hebelwirkung höherer Steuern erklären. Aus der Branche hören wir die Vermutung, dass die Ölkonzerne ihre Margen im Rahmen ihrer Möglichkeiten kräftig ausweiten. Dem dürfte auch in Deutschland etwas Einhalt durch die geplante Regelung geboten werden, dass Tankstellen nur noch einmal täglich die Preise anheben, aber öfter senken dürfen.
Der Spritpreis-Anstieg wird direkt und zeitnah auf die Verbraucher zurückfallen. Marcel Gessler, Geschäftsführer des Berliner Speditionsunternehmens Roadline Internationale Spedition GmbH, sagt zu FUCHSBRIEFE: „In der Branche ist es üblich, einen Diesel-Float abzuschließen, um die Risiken für die Unternehmen zu minimieren. Die steigenden Kosten werden kurzfristig an die Endverbraucher weitergegeben.“
Tankstellen verlieren Geschäft ans Ausland
Unterdessen ist die Stimmung bei den Tankstellenpächtern im Keller. Laut dem Tankstellenverband verlieren die Tankstellen bis zu 30% ihrer Kunden. „Die hohen Preise treiben die Kunden ins grenznahe Ausland." Die Käuferstimmung sei im Keller. Pächter müssten den Unmut der Kunden aushalten, obgleich sie lediglich 1 bis 2 Cent am Liter verdienen und keinerlei Mitschuld an den hohen Preisen trügen.