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Ungleichheit bei den Einkommen stagniert

Steigende Realeinkommen – gefühlte Einkommensverluste

Trotz gegenläufiger Wahrnehmung nehmen die Unterschiede in Deutschland nicht zu. Das zeigt eine Studie des DIW, das Reallöhne und Einkommensunterschiede untersucht hat. Denn schon bald nach der hohen Inflation sind die Löhne im Durchschnitt wieder gestiegen.

Dem deutschen Durschschnittsverdiener geht es besser als er oft denkt. Denn trotz der hohen Inflation zwischen 2021 und 2024 sind die durchschnittlichen Realeinkommen in Deutschland zumindest nicht geschrumpft. Und auch von 2013 bis 2021 sind die Reallöhne in Deutschland kontinuierlich gestiegen. Das Realeinkommen ist dafür "verantwortlich", wie viele Waren und Dienstleistungen sich ein Haushalt oder Arbeitnehmer tatsächlich leisten kann, nachdem die Inflation berücksichtigt wurde.  

Zwar gingen mit der hohen Inflation ab Mitte 2021 die Reallöhne zunächst zurück. Aber schon im zweiten Quartal 2022 begann eine Trendumkehr. Seither wuchsen die Reallöhne wieder neun Quartale in Folge. 

Gefühlt dennoch weniger im Portemonnaie

Doch nun gießt das DIW Wasser in Wein. Noch immer ist der Reallohnindex 1,1 Prozentpunkte unter seinem Höchststand von 2019. Das bedeutet: Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer kann sich 2025 immer noch etwa 1 % weniger leisten als 2019, obwohl die Reallöhne seit 2022 kontinuierlich steigen. Anders ausgedrückt: Wer 2019 z. B. 100 Euro für einen Warenkorb brauchte, braucht heute für denselben Warenkorb rund 101 Euro. Das erklärt die breite Unzufriedenheit mit der Entwicklung. Zumal sich die Reallöhne in anderen Ländern – voran die USA – im gleichen Zeitraum deutlich vorteilhafter entwickelt haben. 

Der Lohnabstand zwischen den höchsten und den niedrigsten Einkommen erreicht wieder das relativ niedrige Niveau von Mitte der 90er Jahre. 2011 war der Unterschied am größten. Damals erhielten jene 10% der Bevölkerung mit dem höchsten Einkommen das vierfache der 10% mit dem niedrigsten. 2023 war es nur noch das 3,3-Fache der niedrigsten Einkommen.  

Der Niedriglohnsektor schrumpft, Ungleichheit bleibt konstant 

Zudem hat sich die Ungleichheit der Einkommen nicht erhöht. Die von Medienberichten unterstützte Wahrnehmung vieler Menschen, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen hat, ist demnach falsch. Auch der schrumpfende Niedriglohnsektor sorgt dafür, dass die Ungleichheit und das Armutsrisiko konstant bleibt. 2007 waren 23,5% der Beschäftigten im Niedriglohnsektor tätig. Seither ist der Anteil stetig gesunken auf 15,9% im Jahr 2024. Das sind in absoluten Zahlen 6,3 Mio. Beschäftigte. Die Unterschiede zwischen Ost und West wurden eingeebnet. 2007 waren knapp 37% der Ostdeutschen im Niedriglohnsektor beschäftigt, im Westen nur 20%. Beide Werte sind deutlich gesunken. Aktuell sind im Osten noch knapp 23% aller Beschäftigten im Niedriglohnsektor tätig, im Westen knapp 18%. Der Unterschied liegt heute also bei nur noch 5%.

Zahl der Niedrigeinkommen stagniert

Allerdings stagniert die Niedrig-Einkommensquote seit vier Jahren. Das sind Einkommen, die weniger als 60% des Medians der Haushalts-Nettoeinkommen betragen. Sie gelten als Armutsgefährdet, weil geringe Verringerungen der Einkommen sofort zu Einschränkungen führen. Ob diese, von Brüsseler Bürokraten erfundene Definition sinnvoll ist, sei einmal dahingestellt. 2022 lag die Schwelle bei 1.419 Euro Netto monatlich oder 17.000 Euro im Jahr. 

Der Anteil der Haushalte mit Niedrigeinkommen lag 1995 bei nur 11%. Bis 2019 stieg der Anteil auf 17,5%. Der Anstieg beruht vor allem auf Einwanderung. Da vor allem Flüchtlinge mit Sprachproblemen und der Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse kämpfen, sind viele zunächst arbeitslos. Viele von ihnen haben daher Einkommen im Bereich der Niedrigeinkommensquote. Das bessert sich mit den Jahren, die sie in Deutschland sind, etwas. Aber ein nenenswerter positiver Beitrag für die Sozialsysteme ist von hier nicht zu erwarten. Eine Schwäche der Statistik ist, dass sie breit über das gesamte Land berechnet wurde. Eine detaillierte regionale Betrachtung hätte eine stärkere Belastung niedriger Einkommen durch die stark gestiegenen Mieten in den größten Städten gezeigt.

Fazit: Für mittelständische Unternehmer ist es entscheidend, die Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklungen auf ihre Belegschaft zu verstehen. Trotz steigender Reallöhne bleibt die Kaufkraft unter dem Höchststand von 2019. Dies kann Unzufriedenheit fördern und erfordert gezielte Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung. Zudem bietet der Rückgang im Niedriglohnsektor Chancen, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen.
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