Stromproduktion treibt Erdgas-Nachfrage
Der Erdgasverbrauch in Deutschland wird viel langsamer sinken als das Wirtschaftsministerium (BMWK) erwartet. Das zeigt eine Analyse des Unternehmensberaters McKinsey. Laut Vorhersage im Netzentwicklungsplan des BMWK soll der Verbrauch von aktuell 740 Twh auf 550 bis 650 Twh im Jahr 2030 sinken.
Gasverbrauch bleibt fast unverändert hoch
Die Nachfrage nach Gas steigt vor allem deshalb, weil immer mehr Gas für die Stromproduktion und Fernwärmeerzeugung genutzt wird. Diese Nachfrage wird durch die zunehmende Abschaltung von Kohlekraftwerken auch perspektivisch steigen. Hinzu kommt die irrige Annahme des BMWK, dass der Umstieg auf Wärmepumpen sehr schnell gehen wird.
Die Nachfrage nach Gas wird nach neuesten Prognosen im Jahr 2030 noch immer 690 bis 720 TWh betragen. Das sind immerhin 40 bis 170 TWh mehr als vorhergesagt. Die Beschaffung dieser Mengen wird zwar kein Problem sein. Die großen Erdgasimporteure Uniper und Sefe (ehemals Gazprom Deutschland) antworten auf Anfrage von FUCHSBRIEFE beide, dass die höheren Mengen gut zu beschaffen sein werden. Uniper nennt Katar und die USA als wichtige Länder, die zusätzliche Lieferkapazitäten bieten können. Beide bauen ihre LNG-Kapazitäten aus.
Erdgas wird viel teurer
Die höhere Nachfrage nach Erdgas wird die Energiekosten grundsätzlich kräftig anheben. Als Preistreiber kommt dann noch hinzu, dass LNG-Gas ist teurer als Pipeline-Gas. Für billigeres Pipelinegas sind aber kaum Lieferausweitungen realistisch. An eine Wiederinbetriebnahme von Nord Stream 2 denkt im politischen Berlin derzeit niemand. Norwegen, derzeit größter Lieferant für Pipelinegas, kann kaum mehr als aktuell an Deutschland liefern. Großbritannien hatte seinen Förderhöhepunkt schon um das Jahr 2000 erreicht.
Zu diesen Marktpreisen kommen dann noch die steil steigenden politischen Kosten (CO2-Steuer) hinzu (FB vom 12.12.24). Auch das Netzentgelt wird weiter steigen. Aufgrund der halbjährlichen Preisanpassung könnte es schon bald wieder zu einer Erhöhung kommen.