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Druck durch Energiepolitik und Arbeitsmarkt

Tschechien: Standortvorteile schwinden

Für mittelständische Unternehmen stellt sich deshalb die Frage, ob das Land seine Attraktivität als Produktions- und Investitionsstandort langfristig behaupten kann. Das signalisiert, dass der frühere Wettbewerbsvorteil über niedrige Arbeitskosten weiter schwindet.
Tschechien verliert allmählich seine großen Standort-Vorteile gegenüber Deutschland. Sie wissen: Tschechien galt lange als einer der attraktivsten Industriestandorte in Mittel- und Osteuropa. Das Land überzeugt mit gut ausgebildeten Fachkräften, vergleichsweise niedrigen Lohnkosten, einer engen Anbindung an deutsche Wertschöpfungsketten und einer stabilen Wirtschaftspolitik. 

Standortvorteile unter Druck

Die Standortvorteile des Landes geraten zunehmend und strukturell unter Druck.Die jüngste Zinserhöhung der Tschechischen Nationalbank auf 3,75% unterstreicht den wachsenden Inflationsdruck. Steigende Löhne, eine expansive Fiskalpolitik und höhere Energiepreise erhöhen den Kostendruck für Unternehmen. Allein im ersten Quartal legten die Löhne um rund 8% zu. Das ist der stärkste Anstieg seit drei Jahren. 

Die Verschlechterung der Standortbedingungen dürfte dauerhaft sein. Denn die Ursachen sind strukturell. Ein wesentlicher Treiber ist - wie in Deutschland - die Energiepolitik. Tschechien setzt zwar langfristig auf den Ausbau der Kernenergie. Doch gleichzeitig soll die Kohleverstromung schon bis 2033 vollständig beendet werden. Bislang ist das Land noch Stromexporteur. Mit dem Kohleausstieg dürfte Tschechien zum Stromimporteur werden. Da auch Öl und Gas nahezu vollständig importiert werden müssen, wird die Abhängigkeit von internationalen Energiepreisen stark wachsen. 

Gegenwind auf dem Arbeitsmarkt

Auch der Arbeitsmarkt bekommt strukturellen Gegenwind. Die Erwerbsbevölkerung in Tschechien schrumpft aufgrund der demografischen Entwicklung. Gleichzeitig herrscht bereits heute eine niedrige Arbeitslosigkeit. Der zunehmende Einsatz ausländischer Arbeitskräfte – inzwischen stellen sie nahezu ein Fünftel aller Beschäftigten – mildert den Fachkräftemangel zwar ab. Diese Entwicklung dürfte den Lohnauftrieb aber nur begrenzt bremsen. 

Einige Branchen sind von diesen Entwicklungen besonders betroffen. Insbesondere für energieintensive Branchen wie den Maschinenbau, die Metallverarbeitung oder die Automobilzulieferindustrie steigt perspektivisch das Risiko dauerhaft höherer Produktionskosten. Unternehmen müssen sich zudem auf dauerhaft steigende Personalkosten und einen intensiveren Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter einrichten.

Enge Vernetzung mit deutscher Wirtschaft

Besonders relevant ist die starke Verflechtung mit Deutschland. Rund ein Drittel der tschechischen Exporte geht auf den deutschen Markt. Gleichzeitig entfallen knapp die Hälfte aller Ausfuhren auf die Schlüsselbranchen Automobil, Maschinenbau und Elektronik. Genau jene Industrien stehen auch schon in Deutschland unter hohem Transformationsdruck. 
Fazit: Tschechien bleibt für deutsche Mittelständler ein wichtiger Produktions- und Beschaffungsstandort. Die hohen Kostenvorteile werden aber schwinden. Strukturell steigende Lohn- und Energiekosten und eine höhere Energieabhängigkeit sollten einkalkuliert werden. Wer vor Ort produziert, sollte seine Energieversorgung, Automatisierungsstrategie und Personalplanung frühzeitig anpassen.
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