US-Zölle wirken als Effizienz-Peitsche
Die ersten groben Kalkulationen zeigen uns, wie stark und breit die US-Zölle auf deutsche Unternehmen wirken. Fast jedes zweite deutsche Industrie-Unternehmen (62%) geht von negativen Auswirkungen durch die Zölle aus. Unter den Maschinenbauern erwarten sogar 87% negative Auswirkungen, in der Metallerzeugung sind es 68%. Das zeigt eine Befragung durch das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo. Auch unter den Unternehmen, die bereits in den USA produzieren, klagen mehr als 80% über spürbare Nachteile (z. B. durch Zölle auf Vorprodukte).
Unternehmen fokussieren auf Ausweichmärkte
Die Unternehmen haben bereits Pläne, wie sie umsteuern. Viele wollen ihr US-Geschäft zumindest teilweise zurückfahren. Jedes dritte Unternehmen rechnet damit, dass die USA an Bedeutung verlieren werden. Das passt zu den gestutzten Investitionsplänen. Knapp 30% der Unternehmen, die Investitionspläne für die USA hatten, haben diese vorerst verschoben. Weitere 15% haben sie aber schon ganz aufgegeben. Ein Großteil der Unternehmen fokussiert nun auf andere Regionen. Die Unternehmen streben an, die US-Rückgänge in anderen Märkten (z. B. Indien) auffangen zu können.
Etliche Unternehmen hoffen zugleich darauf, dass die US-Zölle den globalen Wettbewerb nur geringfügig verschieben. Denn auch andere Länder, die in die USA exportieren, müssen Zölle zahlen. Die chinesische Konkurrenz wird derzeit noch mit Zöllen von 30% weitgehend vom US-Markt abgehalten und relativ benachteiligt. Japan, das in vielen Branchen ein starker Wettbewerber für deutsche Unternehmen ist, wurde ebenfalls mit einem Zoll von 15% belegt.
Relativer Nachteil im globalen Wettbewerb gering
Ein weiterer Hoffnungswert für deutsche Exporteure ist die Qualität ihrer Produkte. Bei vielen Produkten können US-Kunden kaum auf andere Anbieter ausweichen. Das bestätigt Oliver Richtberg, Leiter des Bereichs Außenwirtschaft beim Maschinenbauverband VDMA. Er erklärt, dass viele der exportierten Maschinen in den USA nicht hergestellt werden. Daher dürften die US-Exporte der Maschinenbauer (32 Mrd. Euro im Jahr 2024, 13% aller Maschinenbauexporte) trotz der Zölle nicht sehr stark zurückgehen. Auch die Chemieindustrie exportiert in hohem Maß Spezialchemikalien, die nicht einfach ersetzt werden können (US-Exporte im Wert von 10 Mrd. Euro im Jahr 2024).
Die Pharma- und Automobilbranche wird stärker betroffen sein. Die Pharmaindustrie muss mit Exportrückgängen vor allem bei Generika rechnen. Die US-Exporte in Höhe von 27 Mrd. Euro im Jahr 2024 könnten durch die Zölle um etwa 4 Mrd. Euro zurückgehen, so das Beratungsunternehmen Deloitte. Bei den Autoherstellern (Exportwert von Autos und Autoteilen in die USA 34 Mrd. Euro 2024, 14% der gesamten Autoexporte) sind BMW und Mercedes weniger stark betroffen, Audi, Porsche und VW stärker. Autozulieferer werden stärker unter Druck kommen. Die Autohersteller werden den Kostendruck aus den Zöllen in großen Teilen weiterreichen.
Fazit: Die US-Zölle wirken sich auf verschiedene Exportbranchen unterschiedlich aus. Im internationalen Wettbewerb werden die relativen Nachteile nicht groß sein, die Kosten in den USA dennoch erheblich steigen. Das könnte mittelfristig zu einer deutlichen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen führen, weil die Zölle wie eine "Effizienzpeitsche" wirken.