Venezuela: Potenziale für deutsche Unternehmen
Venezuela könnte zu einem lukrativen Zukunftsmarkt werden - auch für deutsche Unternehmen. Denn jetzt scheint sich Venezuela zu öffnen.
Das südamerikanische Land war viele Jahre eine No-Go-Area für ausländische Investoren. Hyper-Inflation, marktfeindliche Gesetze und dazu staatliche Repression: Unter Ex-Machthaber Nicolas Maduro war Venezuela für privatwirtschaftliche orientierte Unternehmen ein riskantes Pflaster und oft ein Fass ohne Boden.
Neue Ausgangslage für Venezuela
Die Verhaftung von Maduro durch eine US-Militäroperation war völkerrechtswidrig, ändert für Venezuela die Ausgangslage aber. Unternehmer sollten die Entwicklung beobachten und sich bereithalten, so die Einschätzung unseres Südamerika-Korrespondenten.
Die Interims-Regierung von Delcy Rodriguez akzeptiert die politischen Forderungen aus Washington und hofft auf eine Wiederbelebung des Ölgeschäfts. Nach Aussagen aus Washington wäre in absehbarer Zeit eine Wiederbelebung der venezolanischen Ölexporte von bis zu zehn Milliarden US Dollar im Jahr möglich. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 beliefen sich die alle US-Importe aus Venezuela auf insgesamt 6,32 Milliarden US-Dollar.
Öl-Industrie geht voran, Immobilienmarkt springt an
Die Öl-Industrie hat die Chance bereits erkannt. Der spanische Konzern Repsol spricht von einem Potential einer Verdreifachung der Ölförderung. Damit würde das zentrale Kerngeschäft Venezuelas wieder Fahrt aufnehmen. Wichtigste Veränderung für die Branche ist ein Anfang Februar verabschiedetes Gesetz, dass das bisherige Monopol des staatlichen Ölkonzerns PDVSA aufhebt.
Erste Auswirkungen sind bereits auf dem Immobilienmarkt zu spüren. In den vergangenen zehn Jahren haben rund acht Millionen Menschen (25% der Bevölkerung) wegen der katastrophalen Versorgungslage und der staatlichen Gewalt das linksextrem regierte Land verlassen. Nun erwägen viele Exil-Venezolaner den Kauf einer Wohnung. Das hat die in den Keller gefallenen Preise binnen Woche um 50% angehoben.
Tourismus könnte ein Wachstumsmarkt werden
Auch im Tourismussektor ist eine neue Dynamik zu erwarten. Bis April wollen mehr als ein Dutzend internationale Fluglinien ihren Verbindungen nach Venezuela wieder aufnehmen.
Die Entwicklung in Venezuela ist spannend, aber auch noch unberechenbar. Innerhalb des politischen Führungszirkels gibt es nach wie vor Kräfte, die den USA und privatwirtschaftlichen Kräften feindlich gegenüberstehen und auch über Zugang zu Waffen verfügen. Der aktuellen Interims-Regierung, die im Wesentlichen aus dem alten Machtzirkel ohne Maduro besteht, fehlt die demokratische Legitimation.
Neuwahlen wären ein wichtiges Fundament
Für eine verlässliche Perspektive in Venezuela wären deshalb Neuwahlen, mit einer demokratisch legitimierten Regierung notwendig. Deren Zeitpunkt ist aber noch nicht absehbar, der Urnengang könnte aber innerhalb von 18 Monaten stattfinden.
Umfragen sagen derzeit einen klaren Wahlsieg von Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado voraus. Die gilt als Anhängerin einer freien privatwirtschaftlichen Ordnung mit Anbindung an den Westen und Europa. Dann könnte auch die Suspendierung Venezuelas aus dem Mercosur-Staatenbündnis aufgehoben werden, die wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen in der Vergangenheit erfolgte. Venezuela wäre dann auch in das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen eingebunden.