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USA erteilen Venezuela Absolution

Venezuelas Ölvorräte werden im Eiltempo angezapft

Vor Venezuelas Küste und auch im Land selbst liegen reiche Erdölvorkommen. © nielubieklonu / Getty Images / iStock
Das südamerikanische Venezuela wurde aufgrund eklatanter Menschenrechtsverletzungen weitgehend aus der Staatengemeinschaft ausgeschlossen und stark sanktioniert. Das ändert sich derzeit - die Gründe für diesen Gesinnungswandel haben mit Menschenrechten aber nur wenig zu tun.
Das ölreiche und mit Embargos belegte Venezuela wird plötzlich massiv von westlichen Handelspartnern hofiert. Federführend sind die USA. Die haben angesichts der steigenden Ölpreise das sehr günstige schwarze Gold des Karibikstaates im Visier. Dass ideologisch zwischen den westlichen USA und dem diktatorisch-sozialistischen Venezuela Welten liegen und Caracas darüber hinaus ein Verbündeter Moskaus ist, wird jetzt geflissentlich ausgeblendet. Venezuela sitzt mit geschätzten 300 Mrd. Barrel Rohöl (ca. 25% des weltweiten Vorkommens) schließlich auf den größten Ölreserven der Welt.

Im Eiltempo zurück in die Gemeinschaft

Der Katalysator für die Neubewertung ist der vom Ukraine-Krieg ausgelöste Ölpreisanstieg. Darum kommen die Verhandlungen über eine Rückkehr Venezuelas in die Weltgemeinschaft nun im Eiltempo voran. FUCHSBRIEFE hatten Sie bereits frühzeitig auf die positiven Vorzeichen der 2021 wieder aufgenommenen Verhandlungen hingewiesen (vgl. FB vom 23.08.2021). Diese Gespräche werden nun forciert. Die Anzeichen:

  • Im März traf sich Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro mit einer US-Delegation des Außenministeriums, um über Energie-Fragen zu sprechen. Der Besuch stellt eine de-facto Anerkennung des Maduro-Regimes durch Washington dar. Der von den USA 2018 offiziell anerkannte Gegenpräsident Juan Guaidó gerät damit ins Hintertreffen.
  • Die venezolanische Ölproduktion steigt trotz der nach wie vor bestehenden Sanktionen stetig an. Caracas hat sich das Ziel gesetzt, bis Ende 2022 etwa 2 Mio. Barrel pro Tag (bpd) zu produzieren. Die staatliche Ölgesellschaft PDVSA meldete für März 2022 eine Produktion von 728.000 bpd.
  • Der US-Ölkonzern Chevron bemüht sich intensiv um eine Wiederaufnahme seiner Öl-Aktivitäten in Venezuela. Chevron will Öl direkt von Venezuela in die USA liefern, im Gegenzug sollen die Schulden Caracas abgebaut werden. Ähnliche Pläne verfolgen die spanische Repsol, die italienische Eni und die indische ONGC Videsh.

Venezuela hat seine wirtschaftliche Talsohle erreicht

Für Venezuela bedeutet das die wirtschaftliche Trendwende. Eine weitere Sanktionierung des Landes erscheint unwahrscheinlich. Die wirtschaftlichen Rahmendaten haben sich ohnehin deutlich verbessert. Trotz noch bestehender Embargos liegt Venezuelas Inflationsrate mit 1,4% im März (Februar 2,9%) auf einem 20-Jahrestief. Zur Erinnerung. 2020 lag die Inflatoin noch bei 130.000%. 

Die Credit Suisse prognostiziert für 2022 ein BIP-Wachstum von 20%. Zudem kehrt sich der Flüchtlings-Exodus um. Im November gab es landesweite Regionalwahlen, bei denen nach Angaben der EU "grundlegende Wahlstandards" eingehalten und auch Anfechtungen gegen die Ergebnisse in einigen Bezirken zugelassen und anerkannt wurden.

Fazit: Venezuela profitiert vom Rohstoff-Pragmatismus der USA und ihrer geo- und energiepolitischen America-First-Politik. Die jahrelangen scharfen Blockaden dürften jetzt binnen weniger Monate abgebaut werden. Dann wird das Land wieder als relevanter Öl-Förderer aktiv. Das wird den Energiepreisanstieg insgesamt bremsen und vor allem in den USA die Inflation zügeln.

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