Aktienmärkte in Schockstarre
Die Märkte sind von Ratlosigkeit geprägt. Nach der Achterbahnfahrt an den Börsen am Montag, innerhalb kürzester Zeit schoss der DAX von minus 2% auf plus 2,5%, hangelt sich der deutsche Leitindex orientierungslos an der 23.000-Punkte-Marke entlang. Ähnlich sieht es beim S&P 500 aus, der oberhalb der Marke von 6500 Punkten seitwärts tendiert.
Die Anleger warten offenbar ab, wie sich der Iran-Krieg weiterentwickelt. Falls sich die USA und der Iran zu einem Waffenstillstand und einer Öffnung der Straße von Hormus durchringen, dürften die Märkte deutlich zulegen. Selbst wenn die realwirtschaftlichen Auswirkungen die Wirtschaft noch über Monate belasten, denn bei Aktien handelt es sich bekanntlich um einen vorlaufenden Indikator.
Ruhe vor dem Sturm?
Für dieses Szenario spricht, dass die Trump-Regierung einen 15-Punkte-Plan für einen Waffenstillstand vorgelegt hat. Bislang hat der Iran aber wenig Interesse an solchen Verhandlungen signalisiert.
Sollten die Verhandlungen scheitern und die USA die iranischen Kraftwerke bombardieren, werden die Märkte nach unten ausbrechen. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass sich die Hängepartie noch einige Zeit fortsetzt und die Märkte weiter orientierungslos bleiben.
Ölpreis trübt auch das Konsumklima ein
Dagegen sind die Trends and den Rohstoffmärkten ungebrochen. Zwar ist das Barrel der Nordseesorte Brent nach dem starken Anstieg vom Montag auf die Marke von gut 100 US-Dollar zurückgefallen, dennoch befindet sich Öl seit dem Angriff auf den Iran in einem klaren Aufwärtstrend. Wenn der Ölmangel nicht nur die Preise treibt, sondern auch physisch in asiatischen Ländern versiegt, dürften die Preise noch einmal kräftig steigen.
Ölpreise trüben Konsumklima
Die Nachteile des voraussichtlich länger hohen Ölpreises auf die Wirtschaft in Deutschland und weltweit sind ausgesprochen negativ. Die Konjunktur gelangt nicht aus der Rezession und stagniert im besten Fall. Inzwischen treibt der Ölpreis die Inflation kräftig an.
Die prekäre Situation schlägt bereits auf die Stimmung der Verbraucher durch. Der heute vorgelegte GFK Konsumklima-Index brach um 11,2 auf -6,9 Punkte ein. Zuletzt hatte der Index im Dezember 2022 mit -10,3 Punkte noch niedriger gelegen.
Stagflation wahrscheinlich
Eine Stagflation ist momentan das wahrscheinlichste Szenario. Die EZB muss also in ihrer Geldpolitik zwischen Skylla und Charybdis manövrieren: Mögliche Zinserhöhungen um 25 oder gar 50 Basispunkte dämpfen zwar die Inflation, würgen die Konjunktur aber weiter ab. Vor diesem Hintergrund erscheinen Zinssenkungen als ferner Wunschtraum.
Unterdessen geht es beim Goldpreis bergab; Die Feinunze notierte heute deutlich unter 4500 US-Dollar. Da Gold als DIE Krisenwährung gilt, ist der Absturz mehr als erstaunlich. Denn an Kriegen und globalen Krisen herrscht derzeit wahrlich kein Mangel.