Anlage-Notstand an der Börse
Zu Jahresbeginn haben wir prognostiziert, dass es eine Entkopplung der Börsen geben wird und vor allem europäische Börsen ein hohes Nachhol-Potenzial haben. Jetzt ist der DAX im Rallye-Modus unterwegs, hat locker die Marke von 22.000 Punkten überwunden und strebt auf 23.000 Zähler zu. Wird das so weitergehen und wo liegen jetzt noch Chancen für Anleger?
Die prognostizierte Entkopplung der Börsen zugunsten der europäischen Märkte ist eingetreten und nimmt derzeit Fahrt auf. Während sich die US-Börsen etwas schwer tun, weiter zu steigen und einen leichten Inflations- und Zoll-Blues "schieben", kennt der DAX kein Halten mehr.
DAX auf dem Weg zur 23.000
Der DAX-Index ist erstmals über 22.000 Punkte geklettert. Getrieben wird die deutsche Börse von diversen Faktoren. Wichtigster Treiber sind die Aussichten auf weiter sinkende EZB-Zinsen. Aber auch die Hoffnungen auf einen politischen Wechsel in Berlin, der dann in absehbarer Zeit in besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mündet, beflügeln etwas die Phantasie der Anleger. Diese politischen Hoffnungen würden wir allerdings nicht zu hoch schrauben.
Mit Blick auf die deutsche Börse fällt zudem auf, dass der Kursaufschwung nur von wenigen Unternehmen getragen wird. Wie zuletzt bei den Tech-Werten in den USA (Stichwort magnificent 7) sind es im DAX vor allem Dt. Telekom, Siemens und SAP, die den Index hochziehen. Die Marktbreite des Aufschwungs ist noch nicht groß. Genau darin liegt aber auch eine Chance für den Index. Er hat weiter viel Nachholpotenzial.
USA: Zoll-Unsicherheit und Inflations-Blues
In Übersee bremsen derweil die höheren Inflationsraten die Hochstimmung aus. Der Preisanstieg in den USA hat sich zuletzt wieder beschleunigt. Die Inflationsrate stieg im Januar auf 3% (zuvor 2,9%). Auch die Kerninflation legte zu. Beides deutet - wie hier mehrfach prognostiziert - darauf hin, dass die Fed keinen Handlungsspielraum nach unten hat. Das hat Fed-Chef Jerome Powell dieser Tage auch nochmal bekräftigt. Die steigenden US-Renditen spiegeln das Bild.
Die Aussicht auf dauerhaft höhere Zinsen wirkt sich auch auf den Bitcoin-Kurs aus. Der ist von seinem jüngsten Hoch zurückgekommen und pendelt sich derzeit um 95.000 US-Dollar ein. Der aktuelle Boden der jüngsten Seitwärtsphase verläuft bei etwa 87.000 US-Dollar. Fällt BTC darunter, könnte der Kurs im Rahmen einer Korrektur durchaus bis in den Bereich um 70.000 US-Dollar abrutschen. Strukturell bleibt das Umfeld für die Kryptowährung aber gut. Insbesondere in den USA verbessert es sich sogar weiter. Neue Impulse sehen wir auch in Japan (ausführlich dazu morgen die FUCHS-Devisen).
Gold und Silber streben hoch
Unterdessen ist der Goldpreis in Richtung eines neuen Tausenders unterwegs. Die Marke von 3.000 US-Dollar ist in greifbare Nähe gerückt. Auch der Silberpreis steigt wieder. Angesichts der US-Zinsperspektive ist das ein wenig erstaunlich. Auf der anderen Seite passt es zur Entwicklung der Realzinsen und den hohen US-Kursen.
Fazit: In den USA verlieren die Börsen Schwung, es droht eine Top-Bildung. Der DAX hat Rückenwind, der auch noch anhalten dürfte. Wir sehen weiter selektive Chancen, auch bei einzelnen europäischen Börsen. Wir sehen weiter einen gewissen Anlagenotstand, in dem Aktien alternativlos sind. Anleger sollten Chancen in Nachläufern und an unterschiedlichen Länderbörsen suchen.