Börse: Fed hat Angst vor der Bruchlandung
Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende nach unten eingeläutet. Dabei ist sie gleich einen großen Schritt gegangen. Der Offenmarktausschuss (FOMC) senkte die Tagesgeldsätze um 50 Basispunkte auf den neuen Zinskorridor von 4,75 bis 5,00%. Darüber hinaus wurde in der Zusammenfassung der Wirtschaftsprognosen der prognostizierte Median-Leitzins der Fed deutlich nach unten korrigiert – von 5,1% auf 4,4% bis zum Jahresende. Dies lässt auf zusätzliche Zinssenkungen um 50 Basispunkte noch in diesem und um weitere 100 Basispunkte im kommenden Jahr schließen (FD vom 13.9.).
Das Signal der Fed ist klar. Fed-Chef Jerome Powell warnte die Märkte zwar, die Senkung nicht als „neues Tempo“ der geldpolitischen Lockerung zu interpretieren. Seine Botschaft an die Märkte war: Wir kümmern uns um die Konjunktur. Die Eindämmung der weiterhin zu hohen Inflation bleibt zwar wichtig, ist allerdings zweitrangig. Dazu passt auch, dass das FOMC zwar seine Prognosen für die Kerninflation leicht nach unten korrigiert hat. Aber die Kerninflation soll das Fed-Ziel von 2,0% erst im Jahr 2026 erreichen.
Fed hat Angst vor der Bruchlandung
Die Fed setzt alles daran, eine Bruchlandung der US-Konjunktur zu verhindern. Damit gibt die Fed den Märkten genau das, was sie wollen: billiges Geld, das über günstige Kredite (Konsum und Investitionen) seinen Weg in die Wirtschaft findet und die Dauerhausse am Aktienmarkt am Leben erhält.
Darüber hinaus beruhigt sie die Nerven der Anleger und Investoren. Denn laut der jüngsten Umfrage der Bank of America unter den globalen Vermögensverwaltern und Fondsmanagern wird eine US-Rezession als größtes Risiko für den Aktienmarkt gesehen (40%). Im Gegensatz dazu schafft es das Risiko, dass sich die Inflation wieder beschleunigt mit 18% nur auf den dritten Platz. Die nächste Zinssitzung der Fed steht am 7. November an. Bis dahin dürfte die Fed die Wirtschaftsdaten, vor allem die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die Kerninflation, genau beobachten.
Inflations-Impulse nach der US-Wahl
Im Zusammenhang mit den US-Wahlen muss die Fed eine gewisse Unsicherheit aushalten. Der Wahlausgang könnte für den geldpolitischen Kurs der Fed noch eine Bürde werden. Die Fed hat vor allem das Problem, dass beide Kandidaten unterschiedliche Arten protektionistischer Maßnahmen anstreben, vor allem in Bezug auf den Handel mit China. Protektionismus wirkt aber in der Regel inflationär. Zudem tritt keiner der Präsidentschaftsanwärter für eine straffe Haushaltskonsolidierung ein. Somit könnten Erwartungen von Steuersenkungen sowie Ausgabensteigerungen ebenfalls inflationär wirken. Spätestens dann muss die Fed wieder reagieren, wenn sie die Teuerung nicht aus dem Ruder laufen lassen will.
Der Blick auf die Markttechnik zeigt: Powell könnte mit dem großen Zinsschritt den Startschuss für eine Jahresend-Rally geliefert haben. Bereits kurz nach Bekanntgabe des Zinsentscheids markierten Dow Jones und S&P 500 neue Allzeithochs, hielten diese jedoch nicht bis zum Handelsende durch. Gelingt dem S&P nun der nachhaltige Anstieg über die Marke von 5.700 Punkten, wären aus technischer Sicht sämtliche Hürden vom Tisch. Wer jetzt noch nicht „im Markt ist“, gerät dann unter Zugzwang. Dies betrifft vor allem professionelle Marktteilnehmer wie Investmentfonds und Vermögensverwalter, die ansonsten am Ende des Jahres gegenüber ihren Kunden in Erklärungsnot geraten.