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Enttäuschungswelle an der Börse voraus

Börse: Übertriebene Zoll-Erleichterung

© phongphan5922 / stock.adobe.com
Die Börsen atmen auf nach einem Zoll-Deal zwischen den USA und Europa, doch der Teufel steckt im Detail. Die vereinbarten Zölle sind höher als zuvor und belasten europäische Exporteure. Unternehmen kalkulieren bereits die Folgen, was zu einer Enttäuschungswelle an der Börse führen könnte.
Die Börsen sind erleichtert über den Zoll-Deal zwischen den USA und Europa. Der DAX zieht weiter nach oben, allerdings mit angezogener Handbremse. Die US-Börsen steigen zum Teil kräftig weiter, voran der Nasdaq-Index. 

Übertriebene Zollerleichterung

Die Börse lebt gerade offenbar nach dem Motto "alles halb so wild". Dabei fällt sie auf den ältesten Verkäufertrick herein. Dealmaker Donald Trump hat als Ankerpreis einen Zoll von 30% ausgerufen. Darum sind die Anleger jetzt erleichtert, dass es nur 15% geworden sind. Diese 15% sind aber dennoch 50% mehr als der zwischenzeitliche gültige Zoll von 10%. Und es sind viel mehr als die durchschnittlich 3,4%, bevor es zur Eskalation des Handelsstreits mit den USA kam. Wir meinen daher: "Der Deal ist halb so wild, wird aber dennoch doppelt so teuer."

Hinzu kommt, dass der Zoll-Deal absolut unsymmetrisch ist. Europa kauft teure (und schmutzige) fossile Energie in den USA, dazu kommen Waffen. Europäische Unternehmen zahlen beim Export 15% Zoll, US-Unternehmen kaum welchen beim Export nach Europa. Die "Investitionszusasgen" von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen (CDU) schweben obendrein in der Luft. Denn die können nicht aus Brüssel, sondern nur von Unternehmen kommen. Angesichts der Zölle ist es allerdings höchst wahrscheinlich, dass europäische Unternehmen mehr in den USA investieren.  

Unternehmen in Europa kalkulieren die Zoll-Folgen

In Europa und den europäischen Unternehmen wird nun gerechnet. Wie gravierend werden die Folgen sein? Damit weicht die Ungewissheit nun der klaren Sicht auf die Zahlen. Wie groß die Effekte seine werden und welche Rückkopplungseffekte in den Lieferketten (Zulieferer) entstehen, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Wir erwarten, dass viele Unternehmen jetzt Abschläge in ihren Prognosen werden einplanen müssen - schon aus Compliance-Gründen. Das könnte zu einer kleinen Enttäuschungsserie werden. 

In den Fokus rückt nun Asien, voran China. Abzuwarten bleibt einerseits, wie die Zollverhandlungen zwischen den USA und China ausgehen. Auf der anderen Seite stehen neue indirekte Sanktions-Drohungen von Donald Trump im Raum. Die richten sich gegen jene Länder, die noch weiter Handel mit Russland treiben. Die Drohung richtet sich vorrangig an China (und Indien), die beide noch große Mengen russischen Öls kaufen - und zum Teil auch weiter in die EU exportieren. Der Ölpreis hat darauf schon kräftig reagiert und ist wieder deutlich gestiegen.
Fazit: Wir bleiben verhalten optimistisch, stellen uns aber auf Korrekturen ein. Denn wir sehen weiter Potenzial für Enttäuschungen, insbesondere in den Aussichten für exportorientierte Unternehmen. Das betrifft auch die USA, wo die Zölle sich nach und nach in der Inflationsrate zeigen werden. Wir sehen keine guten Argumente dafür, nun in die Sommerpause hinein zu investieren. 
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