Börse: Zeit zum Wiedereinstieg
US-Präsident Donald Trump jazzt die Finanzmärkte mit Friedens-Botschaften wieder hoch. Eigentlich tickt die Uhr bis zum Ablauf des US-Ultimatums am Dienstagmorgen um 0.44 Uhr. Jetzt gibt es Entspannungssignale aus Washington, dass es gute Gespräche mit dem Iran gebe.
Die Märkte feiern prompt die Hoffnung auf ein Ende des Iran-Krieges. Am Montagvormittag waren die Märkte noch im Sinkflug. Der DAX fiel um 2% und durchbrach die psychologisch wichtige Schwelle von 22.000 Punkten. Damit liegt der deutsche Leitindex rund 3.500 Punkte seit seinem Redkordhoch von 25.508 Punkten (13. Januar). Der Euro gab um 0,6% auf 1,1493 EUR/USD nach und der Goldpreis purzelte allein am Montag um 5,5% auf 4.261 US-Dollar. Ende Januar hatte Gold noch ein Rekordhoch bei 5.416 Dollar erreicht.
Verkaufen, Halten, Kaufen?
Die Hoffnungen auf ein Ende des heißen Iran-Krieges drehten die Märkte am Montag Mittag kräftig ins Plus. Börsenzyniker sagen: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern.“ Da ist wieder einmal etwas dran, zumindest selektiv und gestaffelt.
Die Zeit der Unsicherheit dürfte noch nicht vorbei sein. So schnell wie Trump von einer Entspannung spricht, so schnell kann es auch wieder zu einer neuen Eskalation kommen. Wahrscheinlich ist auch, dass der Iran-Krieg die gesamte Region destabilisiert, das Vertrauen erschüttert hat. Die Märkte werden darum hypersensibel auf weitere Nachrichten reagieren. Wir erwarten, dass Donald Trump versuchen wird, den Iran-Krieg langsam herunterzukühlen. Denn er wird auch für ihn zu einer innenpolitischen Bedrohung vor den US-Zwischenwahlen.
Strategie und Taktik
Aktiv verkaufen würden wir daher nicht mehr. Riskant bleiben aber Aktien aus energieintensiven Branchen (z. B. der Chemieindustrie). Kriegsgewinner sind Öl- und Rohstoffaktien von Unternehmen, die vor alle in der westlichen Hemisphäre aktiv sind (z. B. Exxon Mobile). Auch Anlagen in den klassischen Rohstoffwährungen Kanadischer Dollar und Norwegische Krone sowie in der Krisenwährung Schweizer Franken werden attraktiver. Auch Investments in Gold und Silber halten wir nach dem tiefen Fall wieder für aussichtsreich. Wir vermuten: Es wird bald viele Anleger geben, die sich an die Funktion der Edelmetalle als Krisenwährung erinnern.
Eine fundamentale Erholung der Aktienmärkte setzt voraus, dass die Blockade der Straße von Hormus bald endet. Zudem müssen die kriegsbedingten Schäden an den Förder- und Verschiffungsanlagen für Öl- und Flüssiggas überschaubar bleiben. Falls die Anlagen für Jahre ausfallen, sind hohe Öl- und Gaspreise über lange Zeit garantiert.