Börsen im TACO-Modus
Die Aktienmärkte sind im Aufwind, doch der Dow Jones kämpft mit einem Widerstand. Die Börsen fahren weiter im TACO-Modus: Ankündigungen ohne Umsetzung heben die Kurse an. Die EZB senkt die Zinsen weiter, doch die Inflationserwartungen steigen. Wie lange kann die EZB noch handeln, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren?
Die Aktienmärkte ziehen weiter nach oben. Sowohl der Dow Jones als auch die Nasdaq steigen wieder. Der Dow hängt aber weiter vor dem Widerstand bei 42.700 Punkten fest. Erst wenn der überwunden ist, hat der Index die Chance, das Allzeithoch erneut anzulaufen.
Börsen im TACO-Modus
Die Stärke der Börsen geht auf mehrere Faktoren zurück. Obwohl Donald Trump den Zoll-Konflikt weiter anheizt, erschreckt das die Börse nicht mehr so stark. Trotz neuer Zollankündigungen aus den USA bleibt die Marktreaktion verhalten. Die Anleger setzen zunehmend auf den TACO-Modus. Damit ist die Erwartung gemeint, dass Trump permanent Maßnahmen ankündigt, diese Maßnahmen aber nicht oder nicht vollständig umsetzt (Trump Always Chickens Out, TACO).
Trump wird sich nun mit dem Berufungsgericht auseinandersetzen müssen. Das hatte die einstweilige Verfügung des Bundesgerichts gegen die reziproken Zölle pausiert. Zwischen dem 12. und 15. Juni ist dann ein Urteil zu erwarten. "Die Hoffnung ist, dass die US-Regierung vor dem Berufungsgericht keinen Erfolg haben wird und die reziproken Zölle nicht zurückkommen. Das wäre der Optimalfall für den Aktienmarkt", so die Einschätzung von Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst CMC Markets.
Stagflations-Risiken und Zinsenkungen
Auch die Aussicht auf eine stützende Geldpolitik hebt die Aktienkurse weiter an. Heute (Donnerstag) hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erneut gesenkt. Sie schleuste den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,00% herab, die aktuelle Inflationsrate liegt bei 1,9% (Eurozone).
Allerdings zeigt sich auch, dass die Lage für die Geldhüter diffiziler wird (FK vom 28.05.) Denn auch wenn die Inflation zuletzt gesunken ist, die Inflationserwartung der Verbraucher steigt. Dahinter stehen die teilweise kräftigen Preisanstiege bei Nahrungsmitteln. Laut Eurostat liegt die Inflation in diesem Bereich bei über 3%, bei Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch sogar bei 4%. Auf der anderen Seite sinken die Energiepreise, die Verlagerung asiatischer Exporte in die Eurozone (FB vom 11.05.) könnte die Preise weiter drücken, ein stärkerer Euro wirkt ebenfalls inflationshemmend.
Wie weit kann die EZB noch gehen?
Die "Geldhüter" haben darum nicht mehr viele Möglichkeiten, die Zinsen weiter nach unten zu schleusen - ohne ihre Glaubwürdigkeit zu riskieren. Daraus folgt aber, dass es künftig weniger geldpolitische Impulse von der EZB geben wird. Das könnte noch ein Problem werden, angesichts der Auswirkungen der US-Zollpolitik. Die bremst die Konjunktur und drückt auf die Margen. Der fortgesetzte Kursanstieg des Euro spiegelt diese Zinserwartung. Die Gemeinschaftswährung läuft wieder auf 1,15 EUR|USD zu.
Fazit: Die Märkte haben weiter Rückenwind und könnten von den Notenbank-Entscheidungen weiter getrieben werden. Geopolitische Risiken und der Handelsstreit bleiben präsent und könnten in Abhängigkeit von der Nachrichtenlage kurzfristige Irritationen hervorrufen. Käufe bieten sich derzeit in vernachlässigten Märkten an. Daneben gilt: Die Rallye weiter mitfahren, im Zweifel Stopp-Kurse anheben.