Commerzbank: Übernahmeangebot sorgt für Kopfschütteln
Meint Andrea Orcel das ernst? Am Montag legte der Unicredit-Chef ein Übernahmeangebot für Commerzbank-Aktien in Höhe von 30,80 Euro vor. Da die Aktie vergangene Woche bei 29,66 Euro geschlossen hat, bemisst sich der Aufschlag auf bescheidene 3,8%. Dagegen sehen Analysten die Aktie bei 37 Euro und tatsächlich hatte die Commerzbank im vergangenen August schon 37,68 Euro gekostet.
Orcel muss wohl noch kräftig drauflegen
Auch Details für die Übernahme legte Orcel nicht vor. Kein Wunder, dass ihm eine Einheitsfront von Commerzbank-Vorstand, Betriebsrat und Bundesregierung entgegentrat. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hält das Angebot für viel zu niedrig, der Betriebsratsvorsitzende Sascha Uebel fürchtet den Abbau von über 10.000 Arbeitsplätzen und die Bundesregierung sorgt sich um die Versorgung mittelständischer Unternehmen mit Krediten und sonstigen Bankdienstleistungen. Da der Bund noch rund 12% der Aktien hält, kommt seiner Stimme einiges Gewicht zu.
Am Donnerstagvormittag notierte die Aktie mit 31,77 Euro spürbar über dem Übernahmeangebot. Die Zustimmuhng zu Orcels Angebot von Seiten der Aktionäre dürfte also gering ausfallen. Womöglich wollte Orcel mit dem Angebot nur einen Versuchsballon starten. Angesichts des heftigen Widerstands gegen die Übernahme muss die italienische Großbank sicher noch deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Iran macht nervös
Mit Blick auf die Marktlage verändert sich die Zinsperspektive. Noch vor dem Angriff auf den Iran standen die Vorzeichen auf Zinssenkungen. Diese sind nun passé. Am Mittwoch und Donnerstag haben Fed, EZB und die Bank of Japan die Leitzinsen bei 3,5% bis 3,75%, 2% und 0,75% belassen.
Diese Entscheidungen haben die Aktienmärkte nicht gut verkraftet. So purzelten DAX und MDAX unter die psychologisch wichtigen Schwellen von 23.000 bzw. 29.000 Punkten. Und auch der S&P 500 schloss am Mittwoch leichter bei 6.625 Punkten. Trotz der Abschläge kann von Panik aber keine Rede sein. Denn der DAX notiert lediglich etwa 10% unter seinem Allzeithoch vom 18. Januar bei 25.421 Punkten.
Gold stürzt ab
Gegen eine Panikstimmung spricht auch die Entwicklung des Goldpreises. Der wird oft als ein Krisenbarometer betrachtet. Der Preis für die Feinunze Gold purzelte gestern unter die psychologisch wichtige Marke von 5.000 US-Dollar und notierte Donnerstagvormittag bereits unter 4.700 US-Dollar. Zuletzt hatte Gold Anfang Februar unter dieser Marke notiert.
Dagegen liegen die Nerven angesichts der Schließung der Straße von Hormus und den verschärften Angriffen auf Öl- und Gas-Anlagen beim Ölpreis weiter blank. Am Donnerstagvormittag notierte das Barrel der Nordseesorte Brent bei stolzen 118,66 Dollar – rund 18% mehr als eine Woche zuvor.