DAX: Ernüchterung am Wahl-Sonntag
Der DAX hat gerade politsche Beine, die zügig rennen. Die Hoffnungen auf einen politischen Wechsel in Berlin - und damit verbunden - einen Richtungswechsel in der Politik sind hoch. Das könnte nach dem Wahlabend zu einer Ernüchterungs-Korrektur führen. Die zweite Frage ist: Bricht jetzt der lange Aufwärtstrend?
Die US-Börse bleibt festgefahren auf einem hohen Plateau und der DAX bekommt gerade "politische Beine". Kurz nach Erreichen eines neuen Allzeithochs bei 23.001 Punkten drehte der DAX jedenfalls nach unten und korrigierte seine tagelange Hetzjagd nach oben.
Angersichts der DAX-Kursentwicklung ist das nur eine kleine technische Korrektur. Immerhin ist der deutsche Leitindex seit Jahresanfang um fast 15% gestiegen. Den Januar startete der DAX bei knapp über 20.000 Zählern. Gestern touchierte der Index die 23.000 Punkte.
Rüstungs-Rallye
Besonders steil - und ungesund - ist die Kursentwicklung von Rüstungs-Aktien. Beispiel Rheinmetall: Die Aktie des Rüstungs-Riesen, der gut von staatlichen Aufträgen lebt, hat allein in den vergangenen 4 Tagen um 40% zugelegt. Der Kurs schnellte von 723 auf 968 Euro nach oben.
Getrieben werden die Aktien von den Spekulationen über ein 700 Mrd. Euro schweres Rüstungspaket. Das will die EU angeblich schnüren, den Beschluss vom Pariser Krisentreffen aber erst nach der Bundestagswahl bekannt geben. Wird das Paket beschlossen, winken den Rüstungsunternehmen satte Aufträge in den nächsten Jahren. Allerdings steckt in den seit Jahren steil gestiegenen Kursen der Waffenschmieden nun auch schon viel zukünftiges Geschäft drin. Wir halten die Luft für weitere Kursgewinne für überschaubar.
Neue Nebenhaushalte für Rüstungs-Schulden
Apropos Rüstungs-Paket. Die EU will die Ausgaben für die Aufrüstung trickreich umsetzen. Das Geld soll neben den üblichen Haushalten mobilisiert werden. Das hat EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) schon durchblicken lassen. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat das indirekt bestätigt. Er sagte, dass die Ausgaben nicht durch Umschichtungen im Haushalt zu finanzieren seien.
Die EU hat sich damit - wie von uns prognostiziert - eine neue Sondersituation geschaffen. Die wird als Rechtfertigung herangezogen, um die Schulden-Orgie fortzusetzen. Das wird den Euro mittelfristig erheblich unter Druck setzen. Profiteure dieser Entwicklung werden der US-Dollar, aber auch der Franken, die Norwegische Krone und der Austral-Dollar sein. Für strategische Anleger wird kluge Währungsdiversifikation in andere Rechtsräume darum wichtiger.
Aus dem Euro diversifizieren
Ausweich-Häfen, die Anleger anlaufen können, bleiben auch Gold und Silber. Diese Edelmetalle - voran Gold - wird auch weiterhin besonders stark durch die Notenbanken nachgefragt. Der Goldpreis hat unterdessen fast die Marke von 3.000 US-Dollar je Feinunze erreicht. Wer Vermögen diversifizieren will, sollte auch Kryptowährungen gezielter in den Fokus nehmen. Analysen und Empfehlungen dazu lesen Sie jede Woche in FUCHS-Devisen.
Fazit: Der DAX wird die Bundestagswahl abwarten, viele Vorschusslorbeeren auf einen Politikwechsel sind bereits eingepreist. Wir halten das Risiko für eine Ernüchterungskorrektur am Montag für recht hoch. Einen Trendbruch sehen wir aber nicht.