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Rohstoffhändler pumpt die Lager voll

Glencore hortet Billig-Öl

Der Rohstoffhändler Glencore nutzt den günstigen Ölpreis, um seine Lager zu füllen. Damit das Haus mit Sitz in der Schweiz bei einem künftig wieder höheren Ölpreis noch mehr Gewinn macht, chartet es jetzt sogar große Tanker, um noch mehr Öl einzulagern. Das hat Glencore schon einmal sehr erfolgreich so gemacht.

Für Glencore, den größten Rohstoffhändler der Welt, sind die drastisch sinkenden Rohstoffpreise Fluch und Segen zugleich. In den 1970er Jahren als reines Handelsunternehmen für Rohstoffe aller Art gegründet, ist Glencore über die Jahre zu einem der größten und bedeutendsten Produzenten und Vermarkter von Industrierohstoffen gewachsen. Heute umfassen die Aktivitäten des Konzerns rund 150 Bergbau- und Minenstandorte sowie diverse Offshore-Öl Produktionsanlagen.

Glencore agiert global über die gesamte Wertschöpfungskette im Rohstoffsegment hinweg. Das Unternehmen ist aktiv in der Produktion, Beschaffung, Bearbeitung, Veredelung, dem Transport, der Lagerung und dem Handel von Metallen und Mineralien, Energierohstoffen wie Öl, Gas oder Kohle und landwirtschaftlichen Produkten. Die schwache Nachfrage nach Rohstoffen und der damit einhergehende Preisverfall belastet die Geschäfte des Rohstoffgiganten merklich. Bereits 2019 hat Glencore einen Verlust verbucht, den ersten, seit vier Jahren. Eine schwache Nachfrage nach Kohle und milliardenschwere Abschreibungen unter anderem auf afrikanische Kupfer-Aktivitäten sorgten für einen Nettoverlust in Höhe von 404 Mio. Dollar. Verglichen mit einem Gewinn von 3,41 Mrd. Dollar ein Jahr zuvor ist das zu verkraften und zeigt, wie volatil das Rohstoffgeschäft ist. 

Volatiler Geschäftsverlauf

Trotz des Verlustes steht Glencore gut das. Denn ohne die Abschreibungen in Höhe von 2,8 Mrd. Dollar hätte es einen Gewinn von 2,4 Mrd. Dollar ausgewiesen. In diesem Jahr dürfte das Unternehmen erneut rote Zahlen schreiben. Einerseits stagniert die Rohstoffnachfrage wegen der Produktionsstilllegungen im Zuge der Corona-Pandemie. Andererseits hat Glencore selbst inzwischen einige Förderstätten geschlossen, um der Ausbreitung des neuartigen Virus entgegen zu wirken.

Den fast schon historisch günstigen Ölpreis kann das Unternehmen für sich nutzen. Der Rohstoffhändler greift dabei auf eine altbewährte Strategie zurück. Glencore lagert das billige Öl einfach ein - und wartet auf steigende Ölpreise. Da die Lager an Land mittlerweile gut gefüllt sind, werden jetzt kurzerhand Tankschiffe gechartert und das Öl offshore gelagert.. Agenturberichten zufolge hat Glencore dafür kürzlich den Rohölfrachter „Europe“ für mindestens sechs Monate gechartert. Das Schiff ist einer von zwei sogenannten Ultra Large Raw Carriern (ULCC) und zählt mit einer Lagerkapazität von 3 Mio. Barrel Öl zu den größten Tankern weltweit. Bereits während des vorigen Ölpreis-Crashs 2014/16 hat Glencore mit dieser Methode ordentlich Geld verdient.

Zweistellige Dividendenrendite

Der Preissturz bei Rohstoffen hat dem Aktienkurs von Glencore bereits heftig zugesetzt. Seit Mitte Februar hat sich der Börsenwert des Handelsriesen mehr als halbiert. Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2021 wird die Aktie derzeit mit einem KGV von rund 5 und auf Buchwertniveau gehandelt. Die Dividendenzahlung für 2019 will Glencore nicht antasten. Hier sollen unverändert 0,20 USD zur Ausschüttung kommen. Gemessen am aktuellen Aktienkurs errechnet sich eine Ausschüttungsrendite von mehr als 13%.

Fazit: Glencore nutzt den günstigen Ölpreis und füllt seine Lager um später teurer zu verkaufen. Langfristig orientierte Anleger tun es dem Händler gleich und kaufen jetzt die Glencore-Aktie. Der Titel ist sehr volatil, im Moment günstig und hat hohes Potential, sobald sich die Rohstoffpreise erholen.
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