Jahresendrallye gestartet
Die Börsen starten in die Jahresendrallye. Trotz politischer Spannungen und Inflationssorgen zeigt der Markt hohe Dynamik. Der US-Shutdown und die Dollarschwäche bergen Risiken, während traditionelle Fluchtwerte wie Gold und Bitcoin an Attraktivität gewinnen. Ist ein weiteres Rekord-Quartal in Sicht?
Die Börsen setzt dazu an, die Jahresendrallye zu starten. Damit hat sich das Marktbild kräftig gedreht. Noch zu Beginn des dritten Quartals stand die Zitter-Frage der Zölle im Raum und hat die Finanzmärkte beschäftigt und durcheinandergewirbelt. Von dieser Zoll-Unsicherheit ist nicht mehr viel übrig. Angesichts der Deals, die die USA mit zahlreichen Ländern gemacht haben, verliert das Thema zumindest kurzfristig an Bedrohungspotenzial.
Vor drei Monaten hatten wir einen US-Swing prognostiziert (FK vom 03.07.2025). Den haben wir auf den Märkten gesehen. Die US-Notenbank, die politisch erheblich unter Druck gesetzt wird, hat inzwischen die Zinswende eingeleitet. Damit gibt es einen neuen Zinszyklus, der die Märkte voran in den USA in den nächsten Monaten stützen wird. Wie erwartet antizipieren die Börsen das und klettern kräftig in die Höhe.
Hohe Dynamik an den Börsen
Die Dynamik ist hoch und dürfte das auch bleiben. Nicht einmal der Shutdown in den USA kann die Märkte derzeit bremsen. Dahinter steht die Spekulation, dass sich Republikaner und Demokraten auch im 21. Shutdown der Geschichte am Ende doch wieder einigen werden. Auf der anderen Seite hat US-Präsident Donald Trump bereits angedroht, dass er im Shutdown "Tabularasa" machen und auf die Kostenbremse treten könne. Angesichts der steigenden Staatsaugaben in den USA könnte der Marktdruck also in gewissen Bahnen "heilsam" sein.
Ein risikofreies viertes Quartal sehen wir aber nicht voraus. Denn es gibt nach wie vor einige Störfaktoren, die das Potenzial haben, auch für größere Unruhe auf den Finanzmärkten zu sorgen. Ein Problem bleibt die Inflationsentwicklung. In den USA geht die Inflation nur sehr zäh zurück, in der Eurozone ist sie zuletzt sogar schon wieder gestiegen. Das grenzt den Spielraum der Notenbanken ein, könnte mittelfristig zu einem Test ihrer Glaubwürdigkeit führen.
Andauernde Dollar-Schwäche
Die aktuelle Dollarschwäche könnte ein Vorbote dafür sein. Dazu passend werden klassische Fluchthäfen angelaufen, die vor einem schwachen Dollar schützen. Das sind vor allem Gold und Silber, aber auch zunehmend Bitcoin und Währungen wie Franken und Austral-Dollar (mehr dazu regelmäßig in FUCHS-Devisen).
Unruhe könnte es auch vom langen Ende des Anleihemarktes her geben. Ein fortgesetzer Renditeanstieg in den USA könnte sich zu einer Belastung entwickeln. In Europa sehen wir eine stärkere Spreizung. Hier steht Frankreich natürlich stark im Fokus.
Wieder ein Rekord-Quartal?
Freilich spricht auch die Saisaonalität für ein starkes Börsen-Quartal. Seit 1987 haben die Börsen im Schlussquartal fast jedes Jahr gut 7% gewonnen. Damit haben sie tendenziell die gesamte durchschnittliche Jahresperformance in den letzten drei Monaten eingefahren. Nur in vier von 35 Jahren haben die Börsen das letzte Quartal negativ abgeschlossen. Wenn sie aber gefallen sind, dann heftig.
Fazit: Wir erwarten ein gutes Abschlussquartal, das aber auch große Kursschwankungen bringen kann. Rücksetzer sind Kaufchancen und Anleger sollten die Rallye weiter mitfahren. Explodierte Werte, z. B. Silberaktien, sollten durch Gewinnmitnahmen leicht rebalanciert werden.
Hinweis: Unsere Gesamtvermögensallokation passen wir etwas an (Grafik). Wir erhöhen den Anteil des Sicherheitsportfolios, schichten in asiatische Aktien um und erhöhen den Anteil von Rohstoffen und Kryptowährungen. Mehr dazu lesen Sie im Buch "Anlagechancen 2026".