Politische Börsen haben kurze Beine
Die Aktienmärkte feiern den Wahlsieg von Donald Trump in den USA und die absehbar nächste Zinssenkung. In Deutschland freut sich der kleine Dow-Bruder DAX offensichtlich über das Aus der Ampel-Koalition. Die Jahresendrallye läuft damit ungebremst und neue Rekorde sind greifbar. Die Frage ist, wie wie die "kurzen Beine" tragen.
Wir sehen gerade höchst politische Börsen. In den USA bewegt der Sieg von Donald Trump die Aktienkurse kräftig nach oben. In Deutschland zieht die Börse der Bewegung hinterher. Zugleich signalisieren die steigenden Kurse am Donnerstag eine gewisse Erleichterung über das Aus der Ampel-Koalition in Berlin.
In den USA war die Aufwärtsdynamik besonders hoch. Der Dow Jones hat an einem Tag 1.500 Punkte zugelegt. Das war der höchste Tagesgewinn in den vergangenen zwei Jahren. Der Aufwärtsschub könnte heute (Donnerstag) noch verstärkt werden. Denn die US-Notenbank trifft ihre nächste Zinsentscheidung. Die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte.
Fed kommt in raue See
Die Fed kommt aber in schwierige Fahrwasser. Denn der Inflationsrückgang ist langsamer als erwartet. Möglicherweise kommt er sogar zum Stillstand und die Raten beginnen wieder zu steigen. Das könnte vor allem dann der Fall sein, wenn der neue Präsident Donald Trump die angekündigte Zoll-Karte zieht. Wir sehen darum das Risiko, dass die Fed im nächsten Jahr ihren Zinssenkungskurs nur zögerlich beschreiten und unter Umständen sogar verlassen wird.
Auffällig ist vor diesem Hintergrund die Bewegung der Anleihe-Renditen in den USA. Die sind parallel zum Wahlsieg von Donald Trump ziemlich steil gestiegen. Im Renditeanstieg lesen wir das Marktsignal, dass Anleihekäufer und Gläubiger der USA eine weitere starke Schuldenzunahme erwarten und für die Übernahme der Risiken höhere Renditen fordern.
Großer Renditeanstieg in den USA
Zugleich geht der Renditeanstieg einher mit der leicht höheren Inflationsrate in den USA. Die signalisiert aber auch, dass die Konjunktur offenbar nicht einknickt. Auf der anderen Seite haben US-Unternehmen im vorigen Monat erneut 0,5% weniger Aufträge erhalten. Vermutlich wird sich das nach den US-Wahlen wieder verändern, weil nun klare Sicht auf den politischen Kurs der USA herrscht.
Für Anleger ist das durchaus schon wieder interessant. Denn die jüngste US-Inflationsrate lag bei 2,4%. In den USA gibt es also auch bei Anleihen schon wieder eine ordentliche Realrendite. Die wird noch durch eine Aufwertungsperspektive des US-Dollar versüßt, der ebenfalls schon einen Freudensprung nach dem Trump-Sieg gemacht hat. Apropos Währungen: Auch die Kryptowährungen sind - wie in FUCHS-Devisen prognostiziert - kräftig angesprungen. Der Bitcoin hat sogar ein neues Allzeithoch erreicht.
Fazit: Die US-Wahl ist erwartungsgemäß verlaufen. Bis Trump ins Amt kommt, wird noch einige Zeit vergehen. Erst dann wird es reale Politikveränderungen. Derweil beschreitet die Fed ihren Weg. Darum mahnen wir zur Vorsicht vor überschäumender Euphorie. Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine. Der Jahres- und Wachwechsel im Weißen Haus könnten Drehpunkte für die Börse werden. Engagiert bleiben, Gewinne (ab)sichern.