Spekulation auf Zoll-Deals
Die Börsen erholen sich, stehen aber vor neuen Herausforderungen. Spekulationen über mögliche US-Zollkompromisse, insbesondere bei Autozöllen, sorgen für Hoffnung. Dennoch bleibt abzuwarten, ob der Dow über die kritische Marke von 40.700 Punkten steigt. In den USA bleibt das Marktumfeld solide, während der stärkere Euro und sinkende Ölpreise der EZB Spielraum für Zinssenkungen geben.
Die Börsen haben sich berappelt, stehen aber schon vor der nächsten Hürden. Momentan werden die Märkte von Spekulationen getrieben, dass die USA ihre Zölle doch deutlich abschwächen oder mit "Deals" regeln werden. Dabei stehen vor allem die vielfach gefürchteten Autozölle im Mittelpunkt. Dem Vernehmen nach plant US-Präsident Donald Trump Gutschriften für in den USA gefertigte Fahrzeuge. Diese Gutschriften könnten dann verrechnet werden. Zudem sollen keine Zölle für Autos anfallen, die zu mindestens 85% "made in USA" sind.
Hoffnung auf Zoll-Deals treibt die Aktien
An den Börsen sorgt diese Aussicht auf Zoll-Kompromisse für Erleichterung. Die Märkte folgen damit dem von uns skizzierten Muster. Nach dem Zoll-Schock reift die Erkenntnis (auch bei Trump), welche Folgen die Zölle haben werden und es wird nach Einigungen gesucht. Die werden deutlich weniger scharf sein als die ursprünglichen Ankündigungen und die Korrektur wird als "übertrieben" erscheinen.
Der jüngste Rücksetzer an den Aktienmärkten war kurzfristig somit eine gute Kaufgelegenheit. Allerdings ist die aktuelle Aufwärtsbewegung noch kein Befreiungsschlag für die US-Börsen. Die notieren gerade genau am ersten charttechnischen Wegpunkt, der darüber entscheidet, ob es sich nur um eine Bärenmarkt-Rallye handelt. Bei 40.700 Punkten hatte sich der Dow vor der Korrektur einmal gefangen, war dann nach dem Rutsch darunter und den tiefen Fall aber auch schon einmal an dieser Marke gescheitert.
Noch ist es eine Bärenmarkt-Rallye
Nun bleibt abzuwarten, ob es der Dow über die Hürde bei 40.700 Punkten schafft. Der nächste Haltepunkt läge dann bei 42.000 Zählern. Erst wenn diese Hürde überwunden ist, kann die Bärenmarktrallye als beendet betrachtet werden. Genauso gut ist ein neuer Rutsch des Dow möglich, bei dem die jüngsten Tiefpunkte auf Tragfähigkeit getestet werden.
Fundamental sieht das Börsenumfeld in den USA weiter solide aus. Die Berichtssaison hat begonnen, die meisten aktuellen Zahlen sind gut. Etwas Unsicherheit entsteht, weil viele US-Unternehmen aufgrund der Zoll-Politik mit ihren Ausblicken sehr vorsichtig sind. Hier sehen wir aber eher positives Überraschungspotenzial, da wir mit Zoll-Einigungen und somit geringeren negativen Folgen rechnen. Die US-Notenbank wird die Märkte weiter stützen, auch wenn die US-Geldhüter die Zinsen in der nächsten Woche nicht senken werden.
Euro hilft der EZB
Der Euro dürfte aufgrund seines Kursanstiegs zu einer Stütze für die Europäische Zentralbank (EZB) werden. Denn im Verbund mit dem deutlich gefallenen Ölpreis sorgt er für einen spürbaren disinflationären Druck. Der ist für jeden an der Tankstelle sichtbar. Ein Liter Diesel kostete gestern nur noch 1,45 Euro. Noch vor kurzem lag der Preis bei 1,80 Euro je Liter.
Diese Entwicklung nimmt einen Teil des inflationären Drucks und wird der EZB weitere Luft für Zinssenkungen verschaffen. Das dürfte mittelfristig die Konjunktur kräftig stützen. Im Verbund mit den europaweiten milliardenschweren Ausgabenprogrammen dürfte das zu einem Konjunkturtreiber werden. Darum halten wir die europäischen Börsen in Teilen für aussichtsreicher als die US-Märkte.
Fazit: Noch ist die jüngste Aufwärtsbewegung eine Bärenmarktkorrektur. Das kaufen in die fallenden Kurse hinein war richtig, jetzt gilt es aber abzwarten, ob die Aktien direkt weiter nach oben durchstarten. Dazu muss es der Dow über 42.000 Punkte schaffen. Taktiker können schnelle Gewinne absichern. Strategen warten ab und greifen bei einem Test der jüngsten Tiefs erneut zu.
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