Vermögen stärker diversifizieren
Die Börsen starten 2026 mit Rekorden, doch Anleger sollten im ersten Quartal vorsichtig sein. In den USA bleibt das Momentum stark, während in Europa Value-Aktien attraktive Chancen bieten. Rohstoffe wie Silber könnten kurzfristige Rücksetzer erleben. Hohe Liquidität treibt US-Aktien, während geopolitische Entwicklungen den Ölpreis beeinflussen. Ungewissheiten erfordern mehr Diversifikation und Umschichtungen im Portfolio.
Die Börsen starten mit neuen Rekorden ins Jahr 2026. Das war nicht schwer, denn sie haben das Jahr 2025 schon mit Rekordnotierungen beendet. So gut gelaunt und geradlinig nach oben wird es im ersten Quartal aber nicht weitergehen. Auch wenn das Gesamtumfeld gut bleibt und die Börsen eine gute Perspektive für 2026 haben, sollten Anleger im ersten Quartal Vorsicht walten lassen.
Marktlage im Überblick
Die Marktlage in den Industrieländern bleibt ambivalent. In den USA gibt es unterschiedliche Signale von den wirtschaftlichen Eckdaten. Daraus ergibt sich kein klares Bild. Vor allem das Job-Wachstum ist schwach. Die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen ist hoch. In Europa bleibt die Konjunktur noch müde. Das dürfte sich erst im zweiten Quartal ändern. Von der Zinsseite her sind keine weiteren Impulse zu erwarten.
Der Dow strebt auf die Marke von 50.000 Punkten zu. Bemerkenswert beim Blick auf die US-Börse ist, dass die Kurssteigerungen wieder auf einer großen Marktbreite beruhen. Das ist ein gutes Zeichen und war im vorigen Jahr lange nicht der Fall. Die US-Börsen sind vergleichsweise hoch bewertet. Aber das Momentum und die Zinsperspektive sprechen für sie.
Momentum in den USA, Value in Europa
Der DAX hat die Marke von 25.000 Zählern überwunden. Der Index ist weiterhin ein Nachzügler und viele Aktien in Europa sind im Vergleich zu US-Titeln deutlich günstiger und fairer bewertet. Zwar hängen die europäischen Börsen eng an der Entwicklung in den USA. Die geringe Bewertung bietet Anlegern aber einen ordentlichen Sicherheitsabschlag. Wer auf der Suche nach Value ist, dürfte daher in Europa bessere Möglichkeiten finden als in den USA.
Die Rohstoffmärkte stehen weiter im Fokus. Der Goldpreis schleicht sich weiter nach oben. Der Silber-Preis hat sich über den Jahreswechsel sogar auf fast 85 US-Dollar je Feinunze nach oben geschossen. Die Gegenbewegungen bei 85 US-Dollar sind recht kräftig und es könnte gut sein, dass der Silberpreis kurzfristig kräftige Rücksetzer macht. Taktiker sollten daher Silber und Silber-Aktien reduzieren. Bei einem Rücksetzer ist Silber wieder ein Kauf. Denn die strukturellen Kurstreiber bleiben bestehen.
Hohe Liquidität wird Aktien antreiben
Ein Kurstreiber - insbesondere in den USA - dürfte die Liquiditätsversorgung sein. In den USA drosselt die Notenbank die Liquidität nicht mehr. Hinzu dürften, mindestens mittelfristig, erhebliche Impulse aus dem absehbaren "Venezuela-Engagement" zu erwarten sein. Davon werden in erster Linie die Ölunternehmen (voran Chevron) profitieren.
Der Ölpreis könnte allerdings unter Druck kommen, sollten die USA die Förderung in Venezuela stark ausbauen und mit dem Öl den Weltmarkt fluten. Folgeeffekte wären ein finanzieller Druck auf Russland, ein Push für die globale Konjunktur, sinkender Inflationsdruck.
Viele Unwägbarkeiten, mehr Diversifikation
Insgesamt sind die Unsicherheiten sehr hoch. Darum haben wir unser Aktivdepot um 5 Prozentpunkte heruntergefahren (gegenüber dem 3. Quartal). Unser Versicherungsdepot macht nun 30% des Gesamtvermögens aus, das Aktivdepot 70%. Im Aktivdepot haben wir bei Aktien leicht von den USA nach Europa umgeschichtet. Unser Engagement in Japan bauen wir weiter aus. Auch Kryptowährungen haben wir hochgefahren (vgl. Grafik).
Fazit: Wir halten das aktuelle Börsenparkett für sehr glatt. Anleger sollten gute Gewinne zum Teil realisieren und absichern und mehr diversifizieren. Es kann sich lohnen, große Verlustpositionen vorher zu räumen und die frischen Verlustvorträge direkt zur steuerfreien Realisierung hoher Gewinne zu nutzen. Neue Käufe bieten sich nur bei fair bewerteten Aktien oder Branchen an und bei Rücksetzern.