Vorsichtige Stabilisierung an den Börsen
Der Börsen-Schock der vergangen Woche (Nikkei-Crash, Zinswende Japan, schlechte US-Wirtschaftsdaten) ist verdaut. Anleger und Investoren an den weltweiten Finanzmärkten sind schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen. Schnäppchenjäger nutzen die kräftig gefallenen Kurse zum Einstieg in die Märkte. Der DAX hat sich inzwischen wieder über die 200-Tage-Linie berappelt. Der marktbreite S&P 500 Index hat knapp oberhalb diesen wichtigen langfristigen Trendindikators wieder nach oben gedreht.
Bessere Stimmung mit Blick auf Zinssenkungen
Die wieder bessere Anlegerstimmung wird maßgeblich von der Erwartung auf fallende US-Zinsen gestützt. Die zur Wochenmitte gemeldeten US-Inflationsdaten unterfüttern diese Erwartungshaltung. Denn das Anstiegstempo der Verbraucherpreise in den USA hat sich im Juli weiter abgeschwächt. So ist der Verbraucherpreisindex in den USA im Juli um 2,9% gestiegen und damit weniger stark als erwartet (+3,0%).
Marktbeobachter gehen nun fest von einer US-Leitzinssenkung im September aus. Laut Daten des CME FedWatch-Tools ist ein kleiner Zinsschritt (-25 Basispunkte) mit einer Wahrscheinlichkeit von 62,5% an den Börsen eingepreist. Die Wahrscheinlichkeit für einen großen Zinsschritt (-50 BP) im September wird mit rund 37,5% veranschlagt.
Wackelige Erholung in China
Neue Konjunkturdaten aus China deuten dagegen weiterhin auf eine uneinheitliche konjunkturelle Entwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hin. Im Reich der Mitte sind die Verbraucher beim Konsum nach wie vor zurückhaltend, die Arbeitslosigkeit in den Städten nimmt zu und die Krise im Immobilienmarkt ist weiterhin nicht ausgestanden.
In dieser Gemengelage halten wir es noch für zu früh, bereits an die nächste Hausse zu glauben. Die Frage dürfte eher lauten: Wie weit läuft die Gegenbewegung? So trifft der DAX auf dem Weg nach oben im Bereich zwischen 18.000 und 18.200 Punkten auf technische Widerstände, die unseres Erachtens nicht im ersten Anlauf geknackt werden dürften. Am Rande: In Japan kündigte Premier Fumio Kishida überraschend seinen Rücktritt an. Damit wächst im Land der aufgehenden Sonne die politische Verunsicherung. Dies dürfte ebenfalls nicht ohne Auswirkung auf die Börse bleiben.
Besondere Chancen bei Industriewerten
Ulrich Stephan, CIO für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, sieht aber Chancen bei Industrie-Aktien. Der Stoxx-600-Subindex der Industrietitel verzeichnete in den vergangenen zwölf Monaten einen Anstieg von rund 16% und hat den breiten Markt damit um etwa 3,5 Prozentpunkte geschlagen, so der Experte. Zugleich sei die Industrieproduktion in der Eurozone im selben Zeitraum fast durchweg rückläufig gewesen. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie in der Eurozone lag im Juli bei 45,8 Punkten und damit weiterhin unterhalb der Expansionsschwelle von 50. Den Tiefstand von 42,7 Punkten im Juli vergangenen Jahres hat der Index jedoch inzwischen weit hinter sich gelassen.
Erhole sich die Industrieproduktion in Europa weiter, dürfte dies dem Branchenindex, Rückenwind geben. Für deren Unternehmen werden in den kommenden zwei Jahren prozentual zweistellige Gewinnzuwächse erwartet, so der Experte.