Vom Unternehmer zum Business Angel
Für Unternehmer werden angesichts der gefallenen Zinsen und der Turbulenzen an den Finanzmärkten alternative Anlagen wieder relevanter. Ein Engagement als Business Angel ist eine interessante Möglichkeit, als Risikokapitalgeber aktiv zu werden. Einerseits ist Venture Capital gefragt, andererseits verspricht es höhere Renditen.
Viele gestandene Unternehmer übersehen die Möglichkeit, als Business Angel aktiv zu werden. Oder sie wissen nicht, wie sie als Business Angel aktiv werden können. FUCHSBRIEFE haben mit jemandem gesprochen, der es wissen muss. Tobias Wittich ist Business Angel des Jahres 2025.
Wie wird man Business Angel?
Bei Business Angels handelt es sich meist um ehemalige Unternehmer, die direkt in Start-ups investieren. Der Clou dabei: Ein Business Angel besitzt „zwei Flügel“. Der eine ist die Risikokapitalspritze, der andere besteht im Knowhow und den Kontakten, die der Senior dem Start-up zur Verfügung stellen kann.
Wie wird man Engel? Wittich empfiehlt, an Pitch-Days teilzunehmen. Dabei handelt es sich um Veranstaltungen, in denen Gründer kurz ihre Start-up-Ideen präsentieren. Dort erhalte man nicht nur Einblicke in neue Geschäftsideen, sondern treffe auch erfahrene Business Angels und andere Größen der Start-up-Szene.
Mitgliedschaft in Netzwerken
Hilfreich sei die Mitgliedschaft in einem der Business Angels Netzwerke. Dazu zählen z. B. „Business Angels Deutschland“ als Dachverband, aber auch regionale Initiativen wie der „Business Angels Club Berlin-Brandenburg.“
Als Einstieg sollten Unternehmer ein kleines Start-up-Investment wagen. Dies kann ab 25.000 Euro betragen. Vor zu hohen Beträgen rät Wittich ab. Mancher Neuling begehe den Fehler, sich zu sehr mit „seinem“ Start-up zu identifizieren und vorschnell hohe Summen zu investieren. Üblicherweise streben Business Angels an, im Laufe der Zeit ein Portfolio von etwa zehn Start-up-Investments aufzubauen. Das hilft, um das Risiko zu diversifizieren.
Der Trick mit der S-Kurve
In der Kalkulation eines Start-up-Investments folgt Wittich einem Muster. Die Start-up-Ökonomie entwickele sich in Zyklen. Es gebe ständig neue Trends (z. B. Lieferdienste, Health-Care oder Künstliche Intelligenz). Ein sukzessiver Aufbau eines Portfolios helfe, Investments über diese Zyklen hinweg zu platzieren.
Idealtypisch entwickle sich ein Start-up wie eine S-Kurve. Auf eine anfängliche Durststrecke folgt ein starkes Wachstum, das sich anschließend wieder abschwächt. Entsprechend wichtig sei das richtige Timing eines Investments. Perfekt ist der Einstieg vor der Hauptwachstumsphase. „Man will als Angel den steilsten Teil der Kurve mitnehmen“, sagt Wittich.
Vom Start-up zum Mittelständler
Das höchste Ziel der Start-up-Szene besteht in der Schaffung eines „Einhorns“. Darunter versteht die Szene ein Start-up, das eine Bewertung von über 1 Mrd. Euro erreicht. Das gelang z. B. dem Software-as-a-service-Unternehmen Personio. Doch Einhörner sind bekanntlich eine rare Spezies. Aus diesem Grund hält Wittich von der „Jagd nach den Einhörnern“ wenig. Er strebt vielmehr die Schaffung eines guten Mittelständlers an.