Einkünfte aus Umkehrhypotheken
Das Eigenheim ist ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Mietfrei wohnen macht Sinn, denn es schafft Unabhängigkeit von Mietsteigerungen. Natürlich sollte die eigene Immobilie zum Beginn des Ruhestands es nicht mehr als Geldquelle in Anspruch nehmen. Diese Regel gilt heute jedoch nicht mehr, denn immer mehr Anbieter offerieren die so genannte Umkehrhypothek.
Friedrich Boner ist 70 Jahre alt, seit über fünf Jahren Witwer und kinderlos. Schon als seine Frau noch lebte, waren sie sich einig, dass sie kein Vermögen anhäufen müssten. Alles, was die Boners sich erwirtschaftet haben, können sie bis zum Lebensende aufbrauchen.
Was, wenn ungeplante Ereignisse das Vermögen schmälern?
Die Alterseinkünfte des Unternehmers speisen sich aus der gesetzlichen Rente sowie Zahlungen aus Leibrentenversicherungen. Bisher war er sich sicher, einen finanziell komfortablen Ruhestand zu erleben. Doch dann wurden die prognostizierten Renten gekürzt. Gut 15% weniger als versprochen leben, doch die Rentenerhöhungen gleichen die steigen-den Preise nicht mehr aus. Er stellt sich die Frage, ob sein Einkommen auch in 20, 30 Jahren noch reicht oder ob er irgendwann seinen Lebensstandard reduzieren muss.
Da erzählt ihm ein befreundeter Unternehmer von einer Umkehrhypothek. Das Prinzip ist einfach. Eine Bank oder ein anderer Anbieter gewährt dem Immobilieneigentümer ein Darlehen. Zins und Tilgung werden nicht fällig, solange dieser im Haus wohnt. Nach dessen Tod geht die belastete Immobilie an die Erben über, soweit welche da sind. Diese müssen dann den Kredit samt Zinsen bezahlen. Zieht der Eigentümer vorzeitig aus, etwa weil er ins Pflegeheim muss, wird das Darlehen ebenfalls fällig und durch den Verkauf des Hauses abgelöst.
Vom eigentlichen Wert bekommt man nicht viel
Herr Boner spricht das Modell an und holt sich ein Angebot von einem Anbieter ein. Den Wert seines Hauses schätzt ein Gutachter auf 700.000 €. Ernüchtert stellt er beim Gespräch mit dem Berater fest, dass er dafür nur eine Auszahlung von 150.000 € erhält. Er hat mit mehr gerechnet. Doch die Argumentation des Anbieters ist nachvollziehbar. Die Zinsen summieren sich, hinzu kommt ein Zinseszinseffekt. Das Geschäft muss sich für den Darlehensgeber auch dann rechnen, wenn Herr Boner sehr alt wird. Wäre er fünf Jahre älter, würde er wegen der geringeren Lebenserwartung 210.000 Euro erhalten.
Der Unternehmer überlegt: Wenn er die 150.000 € anlegt und bis zum Lebensende verbraucht, kann er sich eine Zusatzrente finanzieren. Bis zum 100. Lebensjahr könnte er sich über monatlich 423 € zusätzlich freuen. Rechnet der Pensionär mit einer Lebenserwartung von 20 Jahren, erhöht sich die „Rente" auf 619 €. Verkürzt er den Zeitraum auf die nächsten 10 Jahre, kann er jeden Monat sogar 1.209 € mehr ausgeben. In allen Fällen erhält Boner einen Inflationsausgleich von 2,5% jährlich. Der Auszahlungsbetrag steigt also jedes Jahr. Um das zu erreichen, muss das angelegte Kapital 3,0% nach Steuern und Kosten erwirtschaften – eine erreichbare Rendite.
Überlegenswert für kinderlose Pensionäre
Für Pensionäre ohne Erben ist die Immobilienrente eine echte Alternative. Sie können ihr Vermögen verbrauchen, ohne ihr Eigenheim aufzugeben. Auch für Senioren deren Rentenplanung fehlgeschlagen ist, kann eine Umkehrhypothek attraktiv sein. Der Preis einer Umkehrhypothek kann jedoch sehr hoch sein. Vergleiche zeigen, dass der Verkauf eines Objekts und die Neuanlage des Geldes trotz Mietzahlungen meist eine höhere Netto-Rente erzielt.
Boners Entscheidung wird viel mit seinen Vorstellungen über den Ruhestand zu tun haben. Möchte er jetzt deutlich mehr ausgeben, oder reichen ihm seine laufenden Renten für einen guten Lebensabend? Macht es Sinn, noch ein paar Jahre zu warten, um dann einen Puffer zu haben, falls die Inflation anzieht? Die Fragen kann nur er beantworten. Aber eine finanzielle Option mehr für seine Altersplanung hat er.
Fazit: Umkehrhypotheken sind vor allem für Pensionäre ohne Kinder eine Möglichkeit, sich höhere laufende Einnahmen zu verschaffen. Da die Angebote auf dem Markt recht unterschiedlich sind, müssen sie aber auf jeden Fall genau geprüft werden.