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Investmentfonds

Optische Täuschung

Um Anleger zu gewinnen, stellen Fondsgesellschaften gerne ihre Erfolge in der Vergangenheit in den Mittelpunkt.
Um Anleger zu gewinnen, stellen Fondsgesellschaften gerne ihre Erfolge in der Vergangenheit in den Mittelpunkt. Auch wenn niemand die Zukunft voraussagen kann, so spielt der Anlageerfolg oder -misserfolg für die Kaufentscheidung eine große Rolle. „Wir schaffen eine Outperformance“, „Wir sind besser als die Benchmark“ oder „Wir schaffen den Markt zu schlagen“, sind typische Werbebotschaften. Doch nicht selten werden bei der Anlegerakquise Tricks verwendet. Ein Fall aus der Praxis Mit einem ausgeklügelten Trendphasen-Modell ginge es sehr wohl, Vorhersagen über die künftige Entwicklung von Aktienmärkten zu treffen. Das liest Stefan Peters in einer Anlegerzeitschrift über einen seit 2007 bestehenden Dachfonds. Klare Regeln verhinderten, dass der Fondsmanager eine „Bauchentscheidung“ treffe. Stattdessen berechne der Computer die Trends. Er schaffe es, rechtzeitig aus dem Aktienmarkt zu gehen und bei boomenden Märkten wieder investiert zu sein. Zum „Beweis“ dienen die turbulenten Jahre der Finanzkrise als Hintergrund. 2007 und 2008 schaffte der Fonds ein Plus, während der MSCI World, der weltweite Aktienindex für Industrieländer, extrem eingebrochen war und hohe Verluste realisierte. Als Beleg nutzt die Zeitschrift den Kursverlauf (s. Grafik 1). Die obere (dickere) Linie zeigt den empfohlenen Fonds, die andere den Verlauf des MSCI World. Die Grafik sieht überzeugend aus. Wenn der Anleger von Beginn an investiert war, hatte er 2008 nur kurzzeitig kleinere Verluste, sonst lag er immer über der Null-Linie. Der Fonds hat 2008 tatsächlich ein herausragendes Jahr gehabt. Aber der Chart täuscht den potenziellen Anleger. Das sieht man, wenn die Betrachtungsweise geändert wird. Nimmt man das Jahr 2008 heraus und wird der Fonds ab Januar 2009 betrachtet, entsteht ein völlig anderes Bild (Grafik 2): Jetzt liegt der beworbene Fonds abgeschlagen hinter dem klar besseren MSCI-World-Indexfonds. 2011 erlitt das Trendfolge-Produkt über 14% Verlust, der simple Indexfonds verbuchte nur etwas mehr als 3% Minus. Ein Beweis, dass der aktiv gemanagte Fonds eine Kaufempfehlung ist, sieht anders aus. Dieses Beispiel reiht sich ein in eine Fülle von „Marketing-Tricks“, um die Erfolge eines Fonds besonders gut aussehen zu lassen. 1. die „passende“ Benchmark: Ein aktiv gemanagter Europa-Fonds konzentriert sich auf kleine europäische Unternehmen („Small-Caps“). Der Fonds soll herausragende Ergebnisse erwirtschaftet und den „Markt“ deutlich geschlagen haben. Als Beweis wird der Kursverlauf des Fonds seit 2011 gewählt. Aber: Den Fonds gibt es bereits seit 2009, doch die ersten beiden Jahre liefen schlecht. 2. der Vergleich von Nicht-Vergleichbarem: Die Gesellschaft vergleicht ihren Mid-Cap-Fonds mit dem Index MSCI Europe. Dabei kommt der Fonds gut weg. Doch es ist wissenschaftlich längst bewiesen, dass kleine Unternehmen auf lange Sicht eine höhere Rendite abwerfen als der Gesamtmarkt. Wäre dagegen korrekt der MSCI Europe Small Cap zum Vergleich herangezogen worden, wäre das Ergebnis ernüchternd: Der Fonds hat keinen Mehrertrag erwirtschaftet. Verdient haben nur Fondsgesellschaft, -manager und Vertrieb. 3. die Wahl von Kursindizes als Vergleichsmaßstab: Diese berücksichtigen die Dividendenzahlungen nicht – im Gegensatz zu Performanceindizes. Werden diese „Kursindizes“ (z. B. der MSCI World ohne Zusatz „TR“ für Total Return) gewählt, sehen nahezu alle anderen Fonds „kaufenswert“ aus, weil – je nach Indexwahl – 1 bis 3% jährliche Dividendenrendite unberücksichtigt bleiben.

Fazit: Aktive Fondsmanager bringen dem Anleger nur selten einen Mehrertrag gegenüber der simplen Anlage in Indexfonds.

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