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Börseneinschätzung vom 27. Juni 2019

Warnsignal vom Ölmarkt

In Osaka treffen sich am Wochenende die Regierungschefs der G20. Dem Vernehmen nach, soll es wohl diesmal ein harmonischer Gipfel werden. Das hat Strahlkraft. An den Märkten regiert derzeit zumindest das Prinzip Hoffnung. Konjunkturdaten werden dabei außer acht gelassen.

Alle Augen sind derzeit auf das am Wochenende stattfindende G20-Treffen in Osaka (Japan) gerichtet. Wie prognostiziert werden die Teilnehmer „positive Botschaften" in die Welt senden (FK vom 13.6.). Das zeigt sich nun schon kurz vor dem Termin.

Der seit Monaten hochgekochte Zollstreit wird wieder einmal entschärft. So sei ein guter Deal zu 95% sicher, vermeldet der US-Finanzminister Steven Mnuchin schon vorab. Natürlich freuen sich die Aktienmärkte kurzfristig über solche Aussagen. Einen fundamentalen Stellenwert haben sie aber kaum. Denn erstens ist das die x-te Meldung, dass es bei der Kompromisssuche vorwärts geht. Und zweitens – und das ist entscheidend – liegt noch keine Einigung auf dem Tisch, die von China und den USA in die Praxis umgesetzt wird. Nur das hätte aber mittel- und langfristig Bedeutung.

Marktteilnehmer unterschätzen das Ächzen der Wirtschaft

Die Märkte setzen nahe ihrer Jahreshochs voll auf das Prinzip Hoffnung. Damit laufen sie derzeit aber gegen den konjunkturellen Trend. Erst heute (Donnerstag) lief die Meldung über die Ticker, dass die Unternehmensstimmung in der Eurozone auf ein 3-Jahrestief gefallen ist. Auch der aktuelle ifo-Index war ernüchternd. Im Juni ist das Geschäftsklima auf den niedrigsten Wert seit November 2014 gefallen.

Auch vom Ölmarkt gibt es konjunkturelle Warnsignale. Die Internationale Energie Agentur (IEA) hat gerade darauf hingewiesen, dass am Ölmarkt derzeit geopolitische Angstpreise (Stichwort Iran) bezahlt werden.

Der relativ hohe Ölpreis sei nicht auf konjunkturelle Fundamentaldaten zurückzuführen. Das Ölangebot ist weiter gut (und dürfte perspektivisch sogar ausgeweitet werden). Die Nachfrage allerdings ist verhalten und wird sich im Zuge der weltweiten Konjunkturabkühlung sogar noch reduzieren. In ihrem monatlichen Ölmarktbericht senkte die Institution ihre Prognose für die globale Ölnachfrage den zweiten Monat in Folge von 1,3 Mio. Barrel pro Tag auf jetzt 1,2 Mio Barrel pro Tag.

Der Ölpreis wird nachgeben

Mittelfristig ist damit zur rechnen, dass die Ölpreise nachgeben. Einerseits rechnen wir damit, dass es nicht zu einem Iran-Krieg kommt. Andererseits ist der potenzielle Konflikt zu einem guten Teil eingepreist. Die Angstprämie dürfte also wieder abgebaut werden. Als im Oktober die ersten konjunkturellen Sorgen aufkamen, war der Ölpreis steil von seinem Hoch bei 85 US-Dollar je Fass auf unter 55 US-Dollar je Fass gefallen. Ein Rutsch des Ölpreises in Richtung 50 US-Dollar ist wahrscheinlich.

Für die Konjunktur bedeutet das allerdings auch wieder Rückenwind. Ein sinkender Ölpreis verbilligt etliche Vorprodukte. Außerdem nimmt der Inflationsdruck ab. Verbraucher haben mehr Geld für Konsum in der Tasche. Die sinkenden Ölpreise werden somit die ohnehin niedrige Inflationsrate wieder nachgeben lassen. Da die großen Notenbanken ohnehin weitere monetäre Lockerungen in Aussicht gestellt haben, wird die Konjunktur in Richtung Herbst kräftige Impulse bekommen.

Fazit: Die Märkte sind nahe der Jahreshochs in Warteposition. Kurzfristig könnte es heftige Ausschläge geben. Erst wenn die Jahres-Tops überschritten werden, gibt es mehr Luft nach oben. Abwarten.

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