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Insolvenzzahlen steigen: So schützen Anleger ihr Unternehmensanleihen-Depot

Insolvenzrisiken wandern in die Kapitalmärkte

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Deutschlands Insolvenzkurve zeigt weiter nach oben. Was das für Unternehmensanleihen bedeutet, wo Dominoeffekte drohen – und warum auch solide Emittenten plötzlich ins Schlingern geraten können, erläutern FUCHS DEVISEN mit Blick auf frische Daten.

Für Anleger in Unternehmensanleihen steigen die Risiken. Die nächste Pleitewelle rollt an. 2026 wird für Bond-Anleger zum Prüfstein. Nach vorläufigen Destatis-Daten nahmen beantragte Regelinsolvenzen Ende 2025 weiter zu. Im Dezember lag der Zuwachs bei 15,2 Prozent gegenüber Vorjahr, im Oktober 2025 stiegen Unternehmensinsolvenzen um 4,8 Prozent. Das bestätigt die Fortsetzung eines erhöhten Niveaus.

Deutschland: Druck bleibt hoch – mit regionalen und sektoralen Mustern

Die Wirtschaftsauskunftei Dun and Bradstreet zählt für 2025 in Deutschland 17.175 Insolvenzen bei eingetragenen Unternehmen, das ist ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen: Autogewerbe, Maschinenbau, Gastgewerbe. Regional stechen u. a. Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen mit überdurchschnittlichen Zuwächsen heraus.

Auch Creditreform bestätigt den Trend mit höherer Fallzahl über alle Größenklassen: 2025 kletterten Firmenpleiten auf 23.900 Fälle, ein Zehnjahreshoch. Kleinstunternehmen dominieren, doch die Schadenssummen bleiben hoch – rund 57 Mrd. Euro.

Brücke zu Bonds: Finanzierungskosten, Refinanzierungswände, Ausfälle

Das Problem für Unternehmen wie Geldgeber: In einem schwachen Konjunktur umfeld steigen die Ausfallraten. Creditreform Rating erwartet für 2025 eine Ausfallrate deutscher Unternehmen von rund 2,04 Prozent – das ist der höchste Stand seit der Finanzkrise. Für kleine Firmen ist die Quote deutlich höher.

Zudem verengt ein härteres Finanzierungsumfeld die Spielräume. BaFin und Bundesbank verweisen auf erhöhte Kreditrisiken durch schwache Wirtschaft, höhere Energiekosten und Branchenumbau – mit der Konsequenz, dass Kredite und Refinanzierung teurer und selektiver werden.

Marktpreise: Spreads sind (noch) gelassen – das birgt Fallhöhe

Euro-High-Yield-Spreads handelten zuletzt nahe 2,6 bis 2,8 Prozent – historisch eher niedrig. Hier gibt es also wenig Puffer für Enttäuschungen. Bereits 2025 fielen die Spreads zeitweise auf Jahrestiefs, ehe sie wieder schwankten. Die Folge: Jede negative Überraschung kann sich überproportional auspreisen.

Der EZB-Finanzstabilitätsbericht mahnt: Starke Bewertungsniveaus und dünne Liquidität im Nichtbankensektor machen Märkte anfällig für abrupte Korrekturen. Bei Stress drohen erzwungene Verkäufe von Unternehmensanleihen.

Dominoeffekte: Wenn eine Pleite viele trifft

Der heikle Punkt für Bond-Anleger: Dominoeffekte entlang der Lieferketten sind möglich. Kreditversicherer und Datenanbieter dokumentieren, dass Großinsolvenzen Zulieferer und Dienstleister mitreißen können – auch solche, die operativ solide wirken, aber mit hohen Außenständen oder Single-Supplier-Abhängigkeiten leben.

Makrodaten stützen die Ansteckungsthese: Mehr Großinsolvenzen erhöhen die Gefahr von Zahlungsausfällen in vorgelagerten Ketten, besonders in Bau, Handel und industrienahen Services. Studien zu Lieferketten zeigen die Verwundbarkeit eng gekoppelter Netzwerke; Risiken materialisieren sich plötzlich.

Sektorenblick: Zykliker, energieintensive Sparten, Bau und Konsum

Insolvenzschwerpunkte korrespondieren mit erhöhten Bonitätsrisiken bei Anleiheemittenten aus Auto, Maschinenbau, Bau und Konsum. Die Wirtschaftsauskunftei Dun and Bradstreet meldet aktuell überdurchschnittliche Zuwächse in Autogewerbe, Maschinenbau, Gastgewerbe; Creditreform Rating sieht die höchsten Ausfallraten in Verkehr und Logistik sowie Bau. Für Bond-Portfolios bedeutet das: genauer hinschauen bei Subsektoren mit hoher Fixkostenlast und schwacher Preissetzungsmacht.

Die Aufseher stützen mit ihren Stellungnahmen das Bild. Der Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank und die BaFin-Fokusrisiken heben die erhöhten Ausfallrisiken im Unternehmenskreditbuch hervor – ein Frühindikator für steigende Distress-Signale bei Anleihen im gleichen Exposure.

Was heißt das für Anleger? Drei Hebel gegen das Kettenrisiko

  1. Kettenanalyse vor Renditeversprechen. Prüfen Sie bei High Yield und BB-Segment die Lieferanten- und Kundenkonzentration, Zahlungsziele, Working-Capital-Dynamik und den Anteil unbesicherter Forderungen. Emittenten mit Klumpenrisiken in der Lieferkette bzw. bei Auftraggebern meiden oder nur mit Sicherheiten/Strukturvorrang ins Portfolio aufnehmen/belassen.
  2. Refinanzierungsjahrgänge staffeln. Achten Sie auf Fälligkeiten 2026 bis 2028. Rating-Studien sehen den Druck bei Emittenten mit schwacher Zinsdeckung. Vermeiden Sie Klumpenrisiken bei Emittenten, die in genau diesen Jahren an die Märkte müssen.
  3. Spread-Puffer einfordern. Die Spreads sind niedrig, die Risiken relativ hoch. Setzen Sie selektiv auf höher besicherte Strukturen, kürzere Laufzeiten, stärkere Covenants und Emittenten mit Preissetzungsmacht. Die EZB warnt vor illiquiden Bond-Fonds – Liquiditätslinien im Portfolio sind Pflicht.
Fazit: Steigende Insolvenzen und belastete Lieferketten erhöhen das Ausfallrisiko von Unternehmensanleihen. Prüfen Sie Kettenabhängigkeiten, wählen Sie solide Emittenten mit klarer Refinanzierungsperspektive und fordern Sie höhere Spreads. Qualität, kurze Laufzeiten und Liquidität sind entscheidend.
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