Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
2249
Anleihezuflüsse verlagern sich weg von China

Schwellenländer: Anleger kehren zurück

Nach den massiven Abflüssen im März drehen die Kapitalströme in Emerging Markets zuletzt wieder ins Plus. Die Erholung kommt fast vollständig aus Anleihen, nicht aus Aktien. Ex-China zieht Kapital an, China bleibt im Anleihekanal seit Jahresbeginn negativ. Was das für Fakturierung und Fremdwährungsanlagen bedeutet, erläutern FUCHS-DEVISEN.

Nach dem März-Schock fließt wieder Geld in Schwellenländer. Im März zogen internationale Anleger netto rund 66,2 Milliarden US-Dollar aus Aktien und Anleihen der Emerging Markets ab. Der Auslöser war ein abrupter Stimmungswechsel nach der Eskalation des Iran-Krieges, der Ölpreise nach oben trieb und Risikoanlagen unter Druck setzte.

März-Schock: Aktien traf es, Anleihen hielten besser

Die März-Abflüsse waren vor allem ein Schock für die betroffenen Aktienmärkte. Aus EM-Aktien flossen 65,5 Milliarden US-Dollar ab. Anleihen standen ebenfalls unter Druck. Das Institute for International Finance (IIF), das die kapitalströme regelmäßig misst, beziffert die Bond-Abflüsse für März auf 68,2 Milliarden US-Dollar.

Das IIF hatte die März-Abflüsse in einer früheren Auswertung noch höher ausgewiesen – mit 70,3 Milliarden US-Dollar. In dieser März-Phase entfiel der größte Teil der Aktienabflüsse auf Emerging Asia. Das IIF verweist dabei auf die Kombination aus Ölpreisschock und Umschichtungen in technologiegetriebenen Aktienmärkten.

April-Rebound: Anleihen tragen, Aktien folgen nur zögerlich

Im April drehte der Markt. Netto flossen 58,3 Milliarden US-Dollar in EM-Portfolios zurück. Der Rebound kam fast vollständig aus dem Rentenmarkt: 51,9 Milliarden US-Dollar gingen in EM-Anleihen, während Aktien nur 6,4 Milliarden US-Dollar anzogen.

Das Institut warnt, dass die Rückkehr der Zuflüsse nicht bedeutet, der Schock sei verarbeitet. Die Belastung liege weiter bei Energieimporteuren, Unternehmen und Zentralbanken, solange geopolitische Risiken und Energiepreise Unsicherheit erzeugen.

Was das für Devisen bedeutet: Cashflows und Portfolios werden selektiver

Für Unternehmer, die in Fremdwährung fakturieren, ist das Signal zweigeteilt. Erstens stabilisieren Anleihezuflüsse oft die jeweilige Landeswährung, weil Kapital in lokal oder in Hartwährung begebene Papiere fließt und Absicherungsbedarf auslöst. Zweitens bleiben Aktienströme der schnelle Risikoindikator, der bei neuen Schocks wieder abdrehen kann.

Für Anleger zählt der Mechanismus hinter den IIF-Daten: „Portfolioflüsse“ sind Netto-Käufe minus Verkäufe internationaler Investoren. „Spreads“ sind Risikoaufschläge von Staatsanleihen gegenüber US-Staatsanleihen, also die Prämie, die Anleger für Risiko verlangen.

Ex-China dominiert die Bond-Zuflüsse

Die IIF-Daten zeigen eine klare regionale Spreizung. Viel der April-Erholung lief außerhalb Chinas, vor allem im Anleihemarkt. Ex-China lagen die Anleihezuflüsse im April bei nahe 50 Milliarden US-Dollar, nach 13,8 Milliarden US-Dollar im März.

China ist kein pauschaler Verlierer, aber im Anleihekanal aktuell schwächer. Das IIF weist für China bei Anleihen seit Jahresbeginn minus 16,7 Milliarden US-Dollar aus, während EM-Anleihen außerhalb Chinas bei nahe 109 Milliarden US-Dollar Zufluss liegen. Gleichzeitig gab es selbst im März noch Lichtpunkte, etwa 2,5 Milliarden US-Dollar Zufluss in chinesische Anleihen. China-Anleihen in Renminbi kaufen vor allem ausländische Zentralbanken und Banken, dazu Asset Manager, Versicherer und Pensionsfonds. Der Einstieg läuft meist über Bond Connect; gekauft werden überwiegend Staatsanleihen und Politikbank-Anleihen. Politikbank-Anleihen sind Anleihen, die von Chinas staatlichen Förderbanken ausgegeben werden. Dazu zählen die China Development Bank, die Export-Import Bank of China oder die Agricultural Development Bank of China. Diese Institute finanzieren staatlich gewünschte Projekte, zum Beispiel Infrastruktur, Exportfinanzierung oder Agrarförderung.

Konsequenzen für Fakturierung und Anlageklassen

Für in Auslandswährung fakturierende Unternehmen folgt daraus eine operative Regel: Währungsrisiken steigen dort, wo der Kapitalfluss vom Aktienmarkt dominiert wird und Schocks schnell Verkäufe auslösen. Wo hingegen der Anleihemarkt Zuflüsse zieht, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Wechselkurse kurzfristig ruhiger laufen, weil das Kapital weniger sprunghaft ist.

Für Anleger ist die Reihenfolge klar: Wer in Fremdwährung anlegt, muss zuerst entscheiden, ob er den Anleiheimpuls spielen will oder die Aktienerholung. Die IIF-Daten nennen April als Bond-getriebene Bewegung, nicht als breit getragene Aktienhausse.

 

Gewinner und Verlierer nach IIF-Daten

Gewinner (Trend begünstigt)

  • Lateinamerika: April-Zuflüsse von 13 Milliarden US-Dollar; das stützt auch lokale Währungen in der Region über den Kapitalflusskanal.
  • EM-Anleihen ex-China: April-Zuflüsse nahe 50 Milliarden US-Dollar; seit Jahresbeginn nahe 109 Milliarden US-Dollar Zufluss.
  • Brasilien, Brasilianischer Real; Mexiko, Mexikanischer Peso; Südafrika, Südafrikanischer Rand: IIF nennt diese Märkte als wiederkehrende Ziele für Zuflüsse in „High-Carry“-Währungen, also Währungen mit hoher Zinsdifferenz.

Verlierer (Trend belastet)

  • China, Renminbi Yuan: China-Anleiheflüsse sind seit Jahresbeginn negativ mit minus 16,7 Milliarden US-Dollar, während ex-China deutlich positiv ist.
  • EM-Aktien Asien (Cluster, nicht einzelne Währung): Der März-Schock war laut IIF vor allem ein Asia-getriebener Aktienabverkauf. 
Fazit: Privatanleger setzen eher auf EM-Anleihen. Firmen sichern Fremdwährungsumsätze enger ab.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Automatische Verlängerung des Mietvertrags durch Weiterwohnen

Räumung nach einem Aufhebungsvertrag

Mieter bleiben nach Vertragsende einfach in der Wohnung und pochen auf eine Verlängerungsklausel aus dem BGB? Eine gute Formulierung kann diese automatische Verlängerung verhindern.
  • Fuchs plus
  • Vermieter können Mini-PV-Anlagen kaum verhindern

Balkonkraftwerk: Vermieter haben schlechte Karten

Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften hadern noch immer mit der letzten Novelle zum Gesetz zumWohnungseigentum aus dem Jahr 2024. Mieter benötigen zwar immer noch die Zustimmung des Vermieters für die Installation eines Balkonkraftwerks (BKW) oder Mini-PV-Anlage. Haftungsrisiken oder eine optische Verschandelung der Fassade reichen aber für die Verweigerung einer Zustimmung nicht aus, wie das Amtsgericht (AG) Hamburg-Wandsbek entschied.
Zum Seitenanfang