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Banken mit dem Rücken an der Wand

Gebührenerhöhungen stehen vor der Tür

Den deutschen Banken sind in den letzten Jahren immer mehr Geschäftsmodelle weggebrochen. Sie erwirtschaften kaum noch ihre Eigenkapitalrendite, weil das Eigenkapital stetig erhöht werden musste und die Kosten nicht wie geplant gesenkt werden konnten. Jetzt greifen sie zum letzten Strohhalm.

Die Banken erhöhen auf breiter Front ihre Gebühren. Es ist sozusagen ihr letzter Strohhalm, Marge zu machen. Die Internetbanken wie die ING haben schon begonnen, unter bestimmten Bedingungen wieder Gebühren zu verlangen. In den ersten Monaten dieses Jahres haben bereits Hunderte Banken und Sparkassen ihre Gebühren für das Girokonto angehoben. Deutsche Bank und Postbank nehmen seit Mitte Mai "Verwahrentgelte" auf Giro- und Tagesgeld-Konten. Zunächst erst ab 100.000 Euro. Und kostete ein Online-Konto zu Jahresbeginn im Schnitt noch 3,42 Euro monatlich, sind es jetzt schon 3,83 Euro. Laut Plattform biallo kann das Bezahlen mit Giro- oder Kreditkarte je nach Bank jetzt bis zu 0,70 Euro je Vorgang kosten. Geplant sind diese Erhöhungen schon lange (FB berichteten schon 2016) – nur bisher hatten die Geldhäuser noch "Manschetten", das in die Tat umzusetzen.

Hintergrund: Deutschlands Banken leiden darunter, dass immer weniger Geschäftsmodelle Gewinn abwerfen. Schon mit der Finanzkrise fiel der Eigenhandel weg. Die Vermögensverwaltung leidet unter dem Vormarsch spezialisierter Privatbanken und den günstigen ETFs. Das Privatkundengeschäft wurde von Niedrigzinsen kanibalisiert. Seit letztem Jahr herrscht auch im Firmenkundengeschäft „Land unter“. Die Eigenkapitalrendite deckt nicht mehr die Eigenkapitalkosten. Gut geht es spezialisierten Banken, genauer den Auto- und Privatbanken. Auch die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen erwirtschaften noch Gewinne, aber diese werden immer geringer.

Steigende Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote deutscher Banken erreichte 2018 mit 6,7% einen Rekordwert. Das sind gut 3% mehr als in den 70er und 80er Jahren. Alleine 2018 stockten Deutschlands Banken ihr Eigenkapital um 20 Mrd. Euro auf. Das zeigt eine Studie des Unternehmensberaters Bain. Um trotz steigendem Eigenkapital die Eigenkapitalrendite stabil zu halten, müssen die Banken ihre Profitabilität jedes Jahr steigern.

Sinkende Renditen trotz Sparmaßnahmen

Trotz stetiger Sparmaßnahmen sinken die Renditen. Denn Digitalisierung und verschärfte Regulierung treiben die Verwaltungskosten hoch. Die Filialschließungen reichen zur Kostensenkung nicht aus, obwohl seit 2008 gut 100.000 Mitarbeiter entlassen und 10.600 Filialen geschlossen wurden. So verdiente 2018 nur jede siebte Bank ihre Eigenkapitalkosten. Zur Deckung der Eigenkapitalkosten wäre eine Ergebnissteigerung um 8% oder 23 Mrd. Euro nötig. Selbst bei nur leichter Eintrübung der Wirtschaft rutscht die Gesamtrendite über alle Banken in den negativen Bereich.

Gebühren als letzter verbleibender Hebel

Ein wesentlicher Hebel ist die Steigerung der Provisionsüberschüsse. Auf die stetig sinkende Zinsrendite haben die Banken schließlich kaum Einfluss. Die Provisionsüberschüsse stagnieren seit Jahren bei 30 Mrd. Euro p.a. Um sie zu steigern müssen die Gebühren für Privatkunden auf breiter Front wieder eingeführt werden und in anderen Sektoren angehoben werden. Die Aussichten für steigende Gebühren sind aus Sicht der Banken gut. Denn die aggressiven Smartphonebanken wie N26 sind bereit, mitzuziehen. Sie werden derzeit noch komplett von Investoren finanziert und machen hohe Verluste. Gebühren werden es ihnen erst ermöglichen, ein funktionierendes Geschäftsmodell aufzubauen.

Fazit: Banken haben keine Wahl. Ihre Verwaltungskosten werden von Regulierung und Digitalisierung hochgetrieben. Die harten Sparmaßnahmen verbessern die Ergebnisse kaum. Von der Zinsseite ist keine Erleichterung zu erwarten. Sie müssen die Gebühren erhöhen, um Gewinne zu erwirtschaften.
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