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Vermögensanlage

Hausse im Endspiel

Die aktuelle Hausse währt bereits seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Das dürfte sich bald ändern. Auch wenn es vor dem nächsten Crash noch einmal satte Gewinnmitnahmen möglich sind, folgt auf himmelhochjauchzend zu Tode betrübt.
Die jetzt beinahe neun Jahre währende Börsenhausse läuft auf ihren Kulminationspunkt zu. Der entscheidende Antrieb kam (und kommt) von den Notenbanken. Sie druckten beinahe 10 Billionen Dollar frisches Geld, drückten die Zinsen auf null, übernahmen teilweise die Staatsfinanzierung und sorgten für eine starke Desensibilisierung von Investoren, Spekulanten und auch Unternehmern. Die wirtschaftliche Situation derzeit gleicht der bei Einführung des Euro – sie ist sogar ein wenig vorteilhafter. Denn die Arbeitsmärkte in der Eurozone waren damals in einem viel bedauernswerteren Zustand. Auch bei der Gründung der Eurozone lag der Preisanstieg unter 2%, die Inflationsrate konstant bei 1%. Der Leitzins aber betrug 2%. Nach einer zwischenzeitlichen kurzphasigen Zinssenkung hob die EZB 1999 den Zins sogar auf 3,75% an. Ein ähnlicher Vergleich kann für die USA gemacht werden. Heute hält die Fed den Leitzins um 350 Basispunkte niedriger als damals.

Noch steigen die Kurse, doch einiges deutet auf das Platzen der Preisblasen hin

Die Hausse ist also wesentlich von den Notenbanken gemacht. Sie hat zu Preisblasen in beinahe allen Vermögenswerten geführt. Besonders ausgeprägt bei US-amerikanischen Aktien. Der S&P 500 hat ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (nach Shiller) von etwa 30. Zum Zeitpunkt des Crashs 2008 lag es bei 27. Nur während der Technologie-Bubble war es viel höher (rund 45). Solange keine Störfaktoren hinzukommen, kann der Kursanstieg noch eine Weile weiter laufen. Und die Kurse in noch viel luftigere Höhen klettern. Wir rechnen mit diesem Fahnenstangeneffekt in den kommenden Monaten, einem steilen, spitzen Kursanstieg. Eine genaue Terminierung ist natürlich ein Rätselraten. Zu viele Faktoren beeinflussen die Börsen. Aber es gibt durchaus markante Punkte. Die EZB wird 2018 ihr Anleihenkaufprogramm beenden. Dann kommt zunächst kein neues Geld mehr an die Börsen. Die Fed hat dies bereits getan und begonnen, die Zinsen anzuheben.

Die Energiepreise sind noch weit unter dem Level von 2008

Am Ende dieser Haussephase sind deutlich geringere Zinsanhebungen nötig, um die Märkte zu schocken als sonst. Diese Auffassung ist Konsens in Fachkreisen. Wo genau die Schwelle liegt, ist unbekannt. Daher glauben die Märkte auch, dass die Notenbanken schon aus reiner Vorsicht die Zinsen unten halten werden und dafür schon Argumente finden werden. Der Knackpunkt ist die Inflation. Sie ist bereits auf einem steigenden Pfad. Zwar immer noch unterm Ziel der EZB von unter, aber nahe bei 2%. Doch wir rechnen mit einem Marktgeschehen, das die Inflation beeinflussen und die Notenbanken (und Märkte) überraschen wird. Die Rohstoffpreise sind das letzte Anlagensegment, das noch relativ geringe Bewertungen aufweist. Vor allem Energie (Öl) ist noch weit unter den Höchstständen von 2008 bei 145 Dollar das Fass der Sorte Brent. Damals gingen Prognosen um, die den Preis bald bei nahe 300 Dollar erwarteten. Aktuell sind wir unter 50.

Die Notenbanken müssen sich auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen

Ob Öl noch gebraucht wird, ob es ausreichend verfügbar ist, diese fundamentalen Fragen werden in den Hintergrund treten. Die Börsen finden immer (zeitweise) Gründe, Spekulation anzuheizen. Die rund laufende Weltwirtschaft beispielsweise. Und steigende Kurse ziehen Käufe nach sich. Computerprogramme steigen ein. Dann geht schnell die Post ab. Steigt der Preis für Energie, ziehen auch die Inflationsraten an. Und dann wird es für die EZB unangenehm. Schon jetzt meinen Experten wie Daniel Gros vom Centre for European Policy Studies, dass sich die Notenbanken von ihrem eigentlichen geldpolitischen Auftrag entfernt haben.

Fazit: So knifflig es auch ist, einen Börsenverlauf nicht nur im Trend, sondern über einige Monate treffsicher vorherzusagen, wagen wir doch zu sagen: Himmelhochjauchzend kommt in Kürze, zu Tode betrübt bald danach. Vielleicht haben wir in 12 Monaten schon beides erlebt.

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