Baukrise wegen staatlicher Auflagen
Die stagnierenden Bauanträge und -genehmigungen für Eigenheime bringt den Markt in ein Ungleichgewicht. Eigenheime sind bei 30- bis 45-jährigen nach wie vor beliebt., aber die Angebote begrenzt. Besonders in den großen Städten ist das zu spüren. Große Nachfrage, wenig Angebot, steigende Mieten. Für Vermieter sind die Marktentwicklungen aussichtsreich, für Bauunternehmen weniger.
Staatliche Auflagen hemmen Baubranche
In den staatlichen Auflagen liegt der Primärgrund für den Rückgang von Bauanträgen, weiß Reiner Braun, Volkswirt bei empirica. Diese hemmen Bauunternehmen in Eigenheime zu investieren, da durch diverse Vorschriften, wie die der DIN, die Baukosten ansteigen. Die investierten Kosten sind beim Verkauf kaum zu decken. Im Vergleich zu anderen Ländern, sei dieses Problem in Deutschland besonders groß, meint Braun im Gespräch.
Zusätzlich spielen die erhöhten Baukosten wegen dem Mangel an Bauland und hohen Rohstoffpreisen sowie der Fachkräftemangel eine Rolle. Weiter kommen die Klimaschutz- und Umweltregulierungen hinzu, die neue Anforderungen an die Baubranche stellen. Darauf achten sich auch verschiedene Städte bei der Vergabe von Baugenehmigungen. Denn eigene Häuser sind umweltschädlicher (Energie und Ressourcen) als aneinander liegende Wohnungen.
Hohe Nachfrage in Großstädten
Ballungsräume sind bei Anwohnern beliebt, weil da die soziale Infrastruktur und die Lebensqualität besser ausgeprägt sind, betont Braun. Trotz der hohen Nachfrage entscheiden sich die Leute aufgrund der hohen Preise zunehmend für kleine Wohnungen in der Stadt oder ziehen in die Vororte der Metropolen um.
Die Zinspolitik war in den vergangenen Jahren höher als die jetzigen 4 Prozent und trotzdem wurde mehr gebaut, berichtet Braun. Die Zinspolitik sei nur ein sekundärer Grund, dass keine Eigenheime mehr gebaut werden. Die zuletzt „niedrige Zinspolitik, hat bisher kaschiert, dass Bauen mit den neuen Auflagen teurer geworden ist“, sagt Braun.
Lösungsansätze
Abhilfe schafft kurzfristig nur Subvention und langfristig das Baurecht zu vereinfachen, meint der Volkswirt Braun. Für ein energetisch wertvolleres Wirtschaften sei das ebenfalls sinnvoll. Ein Lichtblick biete der Gebäudetyp E, der in den nächsten Monaten erarbeitet werden soll. Dieser soll vertraglich festhalten bewusst auf einige der Vorgaben zu verzichten, ohne das Risiko von Klagen einzugehen.
In den 1970er wurden in Deutschland jährlich 150.000 neue Eigenheime fertiggestellt, 2022 waren es nur noch 110.000. Die Zahlen in den Jahren 2003, 2013 und 2023 zeigen, dass die Wohnungsbaugenehmigungen für Einfamilienhäuser zwar schrittweise, aber stark zurückgehen. Die Deutsche Bank Research geht davon aus, dass die Anzahl jährlich fertiggestellter Eigenheime hierzulande sich mittelfristig auf 40.000 belaufen wird. Europaweit ist in DACH-Ländern die Wohneigentumsquote niedrig, während sie in Osteuropa höher ist. Die Marktknappheit in Deutschland wird durch Abriss und Rückbau verschärft werden.
Fazit: Durch die Angebot-Nachfrage-Diskrepanz ist davon auszugehen, dass die Preise für Eigenheime noch stärker als für Wohnungen steigen werden. Für Vermieter, insbesondere in Metropolen, ist das eine gute Aussicht. Für Bauunternehmen ist der Gebäudetyp E zukünftig interessant.