Staatliche Eingriffe in Spaniens Immobilienmarkt
In Spanien greift der Staat jetzt tiefer in den angespannten Wohnungsmarkt ein. Das berichtet unsere Korrespondentin aus Madrid. Die staatliche Immobilienagentur Casa 47 soll jetzt das Verfassungsrecht auf erschwinglichen Wohnraum umsetzen. Die Agentur, die mit einer digitalen Plattform wie ein Makler fungiert, wurde nach dem Artikel 47 benannt. Der sichert den Bürgern das Recht auf eine angemessene Bleibe zu.
Spaniens Regierung will den Immobilienmarkt abkühlen
Mit der neuen staatlichen Initiative soll Haushalten der unteren Mittelschicht geholfen werden. Deren Problem: Sie verdienen zu viel für die Sozialprogramme und zu wenig, um sich die stark gestiegenen Mieten oder gar Kaufpreise leisten zu können. Der monatliche Brutto-Durchschnittslohn liegt in Spanien bei 2.000 Euro. Der Index für wiederkehrende Immobilienverkäufe (IPVVR) sieht den durchschnittlichen Immobilienpreis bei 2.303 Euro/m².
Der Schlüssel zum Erfolg sollen sehr langfristige Mietverträge sein. Casa 47 bietet als Vermieter Verträge mit mindestens 14-jähriger Laufzeit an. Zudem gibt es die Möglichkeit, diese Verträge jeweils um 7 Jahre zu verlängern. Das ist komplett neu auf dem Markt. Zugleich definiert Casa 47 eine staatliche Höchstmiete. Die soll weniger als ein Drittel des Durchschnittseinkommens der jeweiligen Region betragen. Damit will Casa 47 vor allem Familien Planungssicherheit geben. Parallel dazu sollen schnelle Neuvermietungen ausgebremst werden. In Spanien täuschen viele Vermieter Eigenbedarf vor, kündigen den Wohnraum und vermieten ihn dann mit enormen Preissteigerungen weiter.
Markteinfluss durch staatliche Vermietungs-Agentur
Der Markteinfluss könnte groß sein. Casa 47 hat in der Finanzkrise einen großen Immobilienbestand übernommen. Die Initiative startet mit immerhin 40.000 Betandswohnungen und fast 3.000 Quadratmetern Baufläche. Die ersten neu gebauten Viertel sollen in Sevilla, auf Ibiza und in Valencia entstehen. Auch Madrid steht im Fokus. Allerdings: Humphrey White, CEO von Knight Frank, glaubt, dass in Spanien derzeit gut 600.000 Wohnungen fehlen.