Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
538
Vermögensverwaltung | Private Banking

Eine Frage der Unabhängigkeit

Banken und freie Vermögensverwalter denken intensiv darüber nach, ob sie sich als abhängig oder unabhängig deklarieren sollen. Eine wichtige Frage, auch für Kunden.
Abhängig oder unabhängig – das ist derzeit die Frage in den Vorstandsetagen der Banken. Es geht darum, wie sie sich mit Inkrafttreten der Finanzmarkt-Regulierungsrichtlinie MiFid II in der Vermögensverwaltung positionieren. Noch knapp eineinhalb Jahre sind Zeit, darüber nachzudenken. Die Richtlinie tritt ab dem 3. Januar 2017 in Kraft. Bei der abhängigen Beratung darf eine Bank weiterhin Provisionen von Dritten kassieren. Sie kann zudem vertraglich regeln, dass sie diese einbehalten darf. Allerdings müssen diese Zuwendungen dem Kunden komplett individuell offengelegt werden. Dritte, das sind Kapitalanlagegesellschaften, die Finanzprodukte wie bspw. Fonds herstellen und diese über die Banken als Vertriebsapparat verkaufen. Dafür bezahlen sie den Banken und auch freien Vermögensverwaltern Geld. Das führt zu falschen Anreizen. Denn je mehr eine Bank von einem Produkt abnimmt und in Kundendepots legt, desto interessanter die Provision. Am Ende steckt der Berater bei der Portfoliogestaltung im Zwiespalt: Nimmt er das aus seiner Sicht beste Produkt für den Kunden oder lieber doch das drittbeste, das aber dafür einen höheren Provisionsertrag bringt? Haarig wird die Sache dann, wenn die Bank dem Berater auch noch entsprechende finanzielle Anreize durch eine wie auch immer ausgestaltete Provisionsbeteiligung verspricht. Klassifiziert sich eine Bank als unabhängig, darf sie künftig im Prinzip keine Provisionen und Zuwendungen von Dritten mehr annehmen. Nur in bestimmten Fällen ist ihr das noch erlaubt. Doch muss sie diese dann an den Kunden vollständig auskehren. Einfach ausprobieren, was beim Kunden besser ankommt, ist keine Strategie. Das Problem aus Bankensicht: Es ist noch nicht heraus, ob, wann und wie oft man den Status wechseln darf. Und: Am Ende geht es um geschickte Vermarktung und pfiffigen Verkauf. Deshalb fragen sich die Anbieter: Stellt die unabhängige Beratung tatsächlich aus Kundensicht einen ausreichenden Mehrwert dar, so dass man am Ende neue Kunden damit anlockt? Wie viele verliert man an die unabhängige Konkurrenz? Verzichtet man bewusst auf den einen oder anderen, hat dafür aber den Provisionsertrag? Der Markt ist noch unentschlossen. Die UBS Deutschland will sich voraussichtlich im Oktober entscheiden. Berenberg möchte sich dazu noch nicht äußern. Auch bei Commerzbank und Deutsche Asset & Wealth Management stehen die Entscheidungen noch aus. Überlegungen gehen auch dahin, Tochtergesellschaften mit unterschiedlichen Konzepten „laufen zu lassen“.

Fazit: MiFid II lässt Hintertürchen offen, um den Anleger weiterhin zweimal zur Kasse zu bitten: über die Gebühr für die Vermögensverwaltung und über Provisionen. Lassen Sie sich das Gebührenmodell genau erklären. Die Pflicht zur Offenlegung der Provisionen verschafft dafür den Ansatzpunkt.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • HypoVereinsbank, Vermögensmanagement TOPS 2019: Qualifikation

Mehr Großbank als Privatbank

Die Ampel der HypoVereinsbank steht auf Rot.
Die HypoVereinsbank gibt sich auf ihrer Internetseite sehr technisch, was das Private Banking angeht. Sie verspricht ihren Kunden, gut aufgestellte Portfolios zu entwerfen. Diese stellen „eine ausbalancierte Einheit von Anlageklassen weltweit" dar, „passend zur Risikotoleranz" des Kunden. Das aber muss dann auch gelingen.
  • Fuchs plus
  • Haushaltszahlen beruhen auf übertriebenen Wachstumsannahmen

Italiens Defizit liegt sogar nahe 3%

Italiens angepeilte Neuverschuldung von 2,4% vom BIP ist auch nur die halbe Wahrheit. Denn sie beruht auf übertriebenen Wachstumsannahmen. Krach mit Brüssel ist programmiert.
  • Fuchs plus
  • Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz), Vermögensmanagement TOPS 2019: Qualifikation

Beratung nach einem Drehbuch Franz Kafkas

Die Ampel der Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz) steht auf Rot.
„Eine Spur persönlicher" will die Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz) sein. Das gelingt im Beratungsgespräch nicht. Statt Beratung gibt es Fragen über Fragen an den Kunden, aber keinen Dialog. Trotzdem reicht die Zeit reicht nicht, alle für den Anlagevorschlag wichtigen Fragen unterzubringen. Insgesamt eine eher kafkaeske Erfahrung.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Es fehlt vor allem an Vertrauen

Das deutsche EZB-Dilemma

AUf die Ansagen aus der EZB müssen nun auch Taten folgen.
Kann die EZB machen, was sie will? Es scheint so. Der EuGH will ihr jedenfalls keine Grenzen setzen. Das stärkt die Institution EZB. Ihre Schwäche liegt woanders.
  • Fuchs plus
  • Öl (WTI) hat den Höhenflug gestoppt

Gegenwind aus den USA für den Ölpreis

Öl WTI hat einen Widerstand erreicht. Copyright: Picture Alliance
Seit Anfang Oktober ist Öl (US-Sorte West Texas Intermediate – WTI) wieder deutlich zurückgekommen. Vor allem die USA fördern wieder deutlich mehr vom Schwarzen Gold. Ist der Preisauftreibe damit beendet?
Zum Seitenanfang