Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
1137
Notleidende Anleihen

Wie das BMF Verluste wegzaubert

Anleiheverluste sind keine, meint das BMF - Steuern sparen können Sie so also nicht. © picture alliance/chromorange
Bei Verlusten aus Nominalwertherabsetzungen von Anleihen erleiden Sie faktisch Verluste. Das BMF schafft es zu begründen, dass diese Verluste gar keine sind. Das hat Folgen für Anleger und Märkte.
Auf Verlusten aus Anleihenverkäufen bleiben Sie sitzen. Dies hat das Bundesfinanzministerium gemeinsam mit den obersten Finanzbehörden der Länder verfügt (Az. IV C 1 - S 2252/15/10020 :007 DOK 2017/0352354). Das BMF liefert dazu die Begründung. Reduzierungen von Nominalwerten einer Anleihe führen laut BMF zu einem entsprechend niedrigeren Anschaffungspreis. Beispiel: Sie kaufen eine Anleihe im Nominalwert von 100 Euro. Dann wird deren Nominalwert auf 30 Euro herabgesetzt. Diese 30 Euro gelten laut BMF nun als Anschaffungspreis. Sie machen also bei Endfälligkeit und Rückzahlung des neuen Nominalwertes keinen mit eventuellen Anleihegewinnen zu verrechnenden Verlust, argumentiert das Ministerium. Ein Forderungsausfall ist „einkommensteuerrechtlich ohne Bedeutung“.

Verkaufen ist besser

Bei notleidenden Anleihen werden oft der Nennwert und die Rückzahlungssumme reduziert. Ein Beispiel des BMF: Sie kaufen eine Anleihe zum Nominalwert von 100 Euro. Im Zuge einer Restrukturierung wird der Nennwert auf 30 Euro reduziert. Gleichzeitig werden 20 Euro zurückgezahlt. Diese 20 Euro sind ein Veräußerungsgewinn, der mit den anteiligen Anschaffungskosten von 20 Euro verrechnet wird. Der Nominalwert von jetzt 30 Euro gilt als neuer Anschaffungspreis – die 70 Euro Differenz zum Ausgabepreis von 100 Euro fallen unter den Tisch. Anders sieht es beim Verkauf aus. Zeichnet es sich ab, dass eine Anleihe nicht zum vollen Nominalwert zurückgezahlt wird, sollten Sie sie auch unter pari verkaufen. Den dadurch entstehenden Verlust – die Differenz zwischen Verkaufspreis und Nominalwert – können Sie geltend machen.

Kursturbo à la BMF

Damit hat das BMF einen Kursturbo nach unten geschaffen. Denn zeichnet sich ein Schnitt bei der Rückzahlung ab, werden immer mehr Anleger verkaufen. Das drückt zusätzlich die Kurse. Keine Stellung nimmt das Bundesfinanzministerium zu Währungsumstellungen. Bekanntlich können nach den neuen, für Eurostaatsanleihen geltenden Anleihebedingungen jederzeit der Rückzahlungswert, die Währung oder auch der Zinssatz geändert werden. Nach der Logik des BMF müssten Sie auf Verlusten bei einer angenommenen Umwandlung von Euro in neue (abgewertete) Griechische Drachmen sitzen bleiben. Zeichnet sich also eine Währungsumstellung bspw. durch Ausscheiden eines Landes aus dem Euro ab, wird es einen zusätzlichen Verkaufsdruck und Kursverluste geben.

Fazit: Neu begebene Euro-Staatsanleihen sind wie die privater Emittenten nicht mehr sicher! Und auf Ihren Verlusten bleiben Sie auch noch steuerlich sitzen, weil es laut BMF gar keine sind…

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Liechtensteinische Landesbank AG, TOPS 2020: Beratungsgespräch

Modern und flexibel

Die Liechtensteinische Landesbank konnte im Beratungsgespräch überzeugen. Copyright: Verlag FUCHSBRIEFE
Im konservativen Private Banking hat der Einsatz technischer Hilfsmittel noch immer Seltenheitswert. Bei der LLB treffen wir auf zwei junge, hochmotivierte Berater, die ihre Themen mithilfe von Powerpoint und Bildschirm gut zu veranschaulichen wissen. Auch ein digitales Tool zur Bestimmung des Anlegertyps zeigt, dass das Haus im digitalen Zeitalter angekommen ist. Im Beratungsprozess sehen wir kundenorientiertes und auf unsere Situation abgestimmtes Private Banking mit flexiblen Ideen zur Integration unserer verschiedenen Ziele. Hier würden wir unser Geld durchaus anlegen.
  • Fuchs plus
  • In aller Kürze

Eigentümerliste ohne Email

Verwalter von Wohnungsteigentümer-Gemeinschaften müssen auf Verlangen von Eigentümern bestimmte Daten herausgeben. Doch welche?
  • Fuchs plus
  • Windkraft - günstiger Abriss für Türme

Günstiger Abriss von Windkrafttürmen

Ein deutsches Unternehmen hat eine günstige Technik für den Abriss von Windkrafttürmen entwickelt. Die Arbeiten können dadurch von sechs bis acht Wochen auf wenige Tage verkürzt werden. Die Kosten sinken stark...
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Schweinpest in China bringt Marktverwerfungen weltweit

Hoffnung auf fette Gewinne mit magerem Schwein

In China wütet die Schweinepest. Copyright: Pixabay
China hat die Schweinpest. Und andere haben Schwein. Das können sie jetzt zu immer höheren Preisen nach China verkaufen. Denn die Nachfrage ist konstant hoch. Warum ein Einstieg jetzt günstig ist.
  • Fuchs plus
  • Vorgezogener Importstopp befürchtet

Der Nickelpreis ist vorerst ausgereizt

War das ein Tempo, mit dem der Preis für Nickel nach oben schoss. Doch jetzt stockt die Rally. Dabei droht aus Indonesien ein Ausfuhrstopp ....
  • Fuchs plus
  • Die Haltung der Bundestagsfraktionen zu Kryptogeld (2): Die Grünen

Kryptowährungen als inklusives Geld

Die Grünen haben ihr Image als Verbotspartei weg. Doch in Sachen Kryptowährung ist das Urteil fehl am Platz. Hier ist die Partei offen für Aaahs und Ooohs. Denn sie sehen einen besonderen Nutzen.
Zum Seitenanfang