Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
1022
Notleidende Anleihen

Wie das BMF Verluste wegzaubert

Anleiheverluste sind keine, meint das BMF - Steuern sparen können Sie so also nicht. © picture alliance/chromorange
Bei Verlusten aus Nominalwertherabsetzungen von Anleihen erleiden Sie faktisch Verluste. Das BMF schafft es zu begründen, dass diese Verluste gar keine sind. Das hat Folgen für Anleger und Märkte.
Auf Verlusten aus Anleihenverkäufen bleiben Sie sitzen. Dies hat das Bundesfinanzministerium gemeinsam mit den obersten Finanzbehörden der Länder verfügt (Az. IV C 1 - S 2252/15/10020 :007 DOK 2017/0352354). Das BMF liefert dazu die Begründung. Reduzierungen von Nominalwerten einer Anleihe führen laut BMF zu einem entsprechend niedrigeren Anschaffungspreis. Beispiel: Sie kaufen eine Anleihe im Nominalwert von 100 Euro. Dann wird deren Nominalwert auf 30 Euro herabgesetzt. Diese 30 Euro gelten laut BMF nun als Anschaffungspreis. Sie machen also bei Endfälligkeit und Rückzahlung des neuen Nominalwertes keinen mit eventuellen Anleihegewinnen zu verrechnenden Verlust, argumentiert das Ministerium. Ein Forderungsausfall ist „einkommensteuerrechtlich ohne Bedeutung“.

Verkaufen ist besser

Bei notleidenden Anleihen werden oft der Nennwert und die Rückzahlungssumme reduziert. Ein Beispiel des BMF: Sie kaufen eine Anleihe zum Nominalwert von 100 Euro. Im Zuge einer Restrukturierung wird der Nennwert auf 30 Euro reduziert. Gleichzeitig werden 20 Euro zurückgezahlt. Diese 20 Euro sind ein Veräußerungsgewinn, der mit den anteiligen Anschaffungskosten von 20 Euro verrechnet wird. Der Nominalwert von jetzt 30 Euro gilt als neuer Anschaffungspreis – die 70 Euro Differenz zum Ausgabepreis von 100 Euro fallen unter den Tisch. Anders sieht es beim Verkauf aus. Zeichnet es sich ab, dass eine Anleihe nicht zum vollen Nominalwert zurückgezahlt wird, sollten Sie sie auch unter pari verkaufen. Den dadurch entstehenden Verlust – die Differenz zwischen Verkaufspreis und Nominalwert – können Sie geltend machen.

Kursturbo à la BMF

Damit hat das BMF einen Kursturbo nach unten geschaffen. Denn zeichnet sich ein Schnitt bei der Rückzahlung ab, werden immer mehr Anleger verkaufen. Das drückt zusätzlich die Kurse. Keine Stellung nimmt das Bundesfinanzministerium zu Währungsumstellungen. Bekanntlich können nach den neuen, für Eurostaatsanleihen geltenden Anleihebedingungen jederzeit der Rückzahlungswert, die Währung oder auch der Zinssatz geändert werden. Nach der Logik des BMF müssten Sie auf Verlusten bei einer angenommenen Umwandlung von Euro in neue (abgewertete) Griechische Drachmen sitzen bleiben. Zeichnet sich also eine Währungsumstellung bspw. durch Ausscheiden eines Landes aus dem Euro ab, wird es einen zusätzlichen Verkaufsdruck und Kursverluste geben.

Fazit: Neu begebene Euro-Staatsanleihen sind wie die privater Emittenten nicht mehr sicher! Und auf Ihren Verlusten bleiben Sie auch noch steuerlich sitzen, weil es laut BMF gar keine sind…

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Zu viele Unwägbarkeiten

Die Mär vom vorzeitigen Kanzlerwechsel

Ein Thronwechsel im Kanzleramt ist derzeit nicht zu erwarten. Copyright: Pixabay
Deutschland diskutiert über einen vorzeitigen Kanzlerwechsel. Merkel wirke müde, Impulse seien von ihr nicht mehr zu erwarten. Die designierte Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer stehe kurz vor Halbzeit in den Startlöchern. Was sich plausibel liest, ist es beim Blick hinter die Kulissen noch lange nicht. FUCHSBRIEFE berichten, was in Berlin hinter den Kulissen dazu zu hören ist .
  • Fuchs plus
  • Im Fokus: Aktien aus Australien

Viel zu entdecken in Down Under

Im Fokus: Aktien aus Australien Copyright: Pixabay
Nachdem wir vor wenigen Wochen Titel aus Neuseeland vorgestellt haben, fokussieren wir uns in dieser Woche auf den großen Bruder: Australien. Durch die räumliche Distanz kommen europäische Anleger nur selten mit australischen Titeln in Kontakt. Ein Manko, das es angesichts der soliden Wirtschaft und lukrativer Unternehmen auszuräumen gilt.
  • Fuchs plus
  • Im Fokus: Wasserstoff und Brennstoffzellen

Suche nach Diesel-Alternativen treibt an

Wasserstoff-Atom Copyright: Pixabay
Saubere, ökologische und nachhaltige Antriebsmöglichkeiten sind derzeit gefragt. Dass man Wasserstoff als Energieträger nutzen kann, lernt man bereits im Chemie-Unterricht in der Schule. Auch heute schon, kann man mit einem Wasserstoff-Motor nicht unerhebliche Reichweiten erreichen. Durch die Diesel-Diskussion werden diese Motoren stärker gefragt. Findige Konzerne werden auf ebenso innovative Zulieferer aus der Branche angewiesen sein. Wir stellen einige der potenziellen Profiteure vor.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Bank für Sozialwirtschaft, Stiftungsmanagement 2019: Qualifikation

Keinerlei Enthusiasmus

Die Bank für Sozialwirtschaft hat es nicht in die Endauswahl geschafft.
So geht es nicht. Die Bank für Sozialwirtschaft kommt mit einem 08-15 Angebot daher. Die vorgegebenen Kundenwünsche werden unter den Tisch gekehrt. Wichtige Angaben zu den Kompetenzen des Hauses werden nicht gegeben. Damit macht es sich die Bank viel zu einfach und stellt sich mit diesem Angebot im Wettbewerberumfeld selbst ins Abseits.
  • Fuchs plus
  • HSBC, Stiftungsmanagement 2019: Qualifikation

Viel heiße Luft

Die HSBC hat es nicht in die Endauswahl geschafft.
HSBC hat nach eigenen Angaben alle notwendigen Qualifikationen im Stiftungsmanagement und kann auf eine lange Tradition zurückbleiben. Im spezifischen Fall kocht die HSBC allerdings nur mit Wasser. Intelligente Überraschungsmomente sucht man vergebens. Einige Kundenwünsche werden sogar kurzerhand negiert. Mit dieser Haltung kann die HSBC nicht an vorderster Front mitspielen.
  • Uni-Leitungen ohne Rückgrat

Professoren-Pranger und Repression

An den Unis grassiert ein Klima der geistigen Repression. Studenten führen sich auf wie Jakobiner, Universitätsleitungen geben klein bei. Die Tempel der geistigen Freiheit verkümmern zu Höhlen des eingeschränkten Diskurses mit einem virtuellen Pranger im Zentrum. Fuchsbriefe-Chefredakteur Ralf Vielhaber über eine traurige Entwicklung, die an der US-Elite-Uni Harvard gerade wieder „Schule" macht.
Zum Seitenanfang