Vom zivilen Produkt zum militärischen Auftrag
Unternehmen, die in Rüstungsgeschäften ein neues Geschäftsfeld sehen, sollten den Aufwand und die Hürden nicht unterschätzen. Das zeigt eine Recherche von FUCHSBRIEFE. Einerseits ist der wirtschaftliche Druck für viele Unternehmen hoch. Deshalb ist auch die Verlockung groß, Chancen in den staatlich forcierten Ausgabenprogrammen zu suchen. Denn der Staat will über viele Jahre etliche Millarden Euro in den Rüstungsbereich stecken.
Viele Unternehmen, die bislang nichts mit dem Verteidigungssektor zu tun haben, prüfen derzeit, ob sie einsteigen können. Continental prüft, Sensorik- und Softwarelösungen für militärische Fahrzeuge anzubieten. Heidelberger Druckmaschinen zieht in Betracht, Fertigungstechnologien für Präzisionskomponenten zu liefern. Auch mittelständische Zulieferer aus der Metall- und Elektronikindustrie wittern nun Chancen, sei es bei Gehäusen, Kabelsystemen oder Ersatzteilen.
Hohe Hürden vor Einstieg ins Rüstungsgeschäft
Für Unternehmen ist es aber nicht trivial, sich als Geschäftspartner in diesem Sektor zu profilieren. Der Weg vom zivilen Produkt zum militärischen Auftrag ist lang und steinig. Wer im Rüstungsbereich tätig sein will, muss sich durch ein engmaschiges Netz von Vorschriften arbeiten. Zulieferer benötigen spezielle Sicherheitsfreigaben, Produktionsstätten müssen zertifiziert und Lieferketten überprüft werden.
Selbst einfache Bauteile werden oft nur nach langen Prüfverfahren zugelassen. Viele Unternehmer berichten, dass Anfragen beim Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) versanden. Hinzu kommt: Die Nachfrage aus der Bundeswehr wird zwar groß angekündigt, die konkrete Vergabe bleibt aber oft zögerlich. Von der „Zeitenwende“ im Beschaffungswesen ist in der Industrie bislang wenig zu spüren.
Hoher Aufwand, viel Zeit und Reputationsrisiken
Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bedeutet das hohe Anfangsinvestitionen, lange Vorläufe und unklare Erfolgsaussichten. In Betracht gezogen werden solle auch das Reputationsrisiko. Zwar hat sich das Image von Rüstungsunternehmen und -zulieferern gewandelt. Aber nicht alle Kunden, Geschäftspartner, Aktionäre oder auch Mitarbeiter tragen solche Entscheidungen mit. Zudem entsteht auch schnell eine Abhängigkeit von staatlichen Aufträgen. Das Risiko politischer Richtungswechsel oder der Verschiebung finanzieller Prioritäten darf nicht unterschätzt werden.