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Deutsche Industrie verliert Preiswettbewerb

Wechselkurs schlägt Zölle

picture alliance / Zoonar | Oleksandr Latkun
Der Juni bringt eine klare Erkenntnis: Der starke Euro belastet die Exportindustrie stärker als angekündigte US-Zölle. Der Einbruch bei Auslandsaufträgen zeigt, wie verletzlich der Standort geworden ist. Für Anleger heißt das: Jetzt auf robuste Geschäftsmodelle und internationale Streuung achten.

Im Juni 2025 kam es zu einer ökonomisch bemerkenswerten Konstellation: Obwohl ab August neue US-Zölle von bis zu 15 Prozent auf europäische Industrieexporte angekündigt waren, blieb der erwartete Vorzieheffekt aus. Stattdessen sanken die Auftragseingänge aus Drittstaaten gegenüber dem Vormonat deutlich – um 7,8 Prozent, so das Statistische Bundesamt. Auch der Maschinenbau meldete ein Minus von 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ein wesentlicher Grund: Der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar deutlich auf – von durchschnittlich 1,128 USD im Mai auf 1,152 USD im Juni. Das entspricht einem Anstieg von 2,1 Prozent binnen eines Monats. Für Kunden außerhalb der Eurozone bedeutete das: Deutsche Waren verteuerten sich über Nacht um denselben Prozentsatz – unabhängig von ihrer tatsächlichen Preissetzung.

Wechselkursschock stärker als 2018

Welchen Einfluss der Wechselkurs auf die Exportnachfrage hat, zeigt auch ein Blick zurück ins Jahr 2018. Damals stieg der Euro zeitweise auf 1,25 US-Dollar – ein Zwischenhoch, das deutsche Exportgüter in Drittstaaten spürbar verteuerte. Trotzdem wuchsen die Auftragseingänge im Jahresvergleich noch leicht um +0,3 %.

Ganz anders 2025: Obwohl der Euro nur auf 1,15 US-Dollar stieg, brachen die Auftragseingänge aus Drittstaaten im Juni um 7,8 % gegenüber dem Vormonat ein. Eine multivariate Regressionsanalyse zeigt: Der Wechselkurs hatte einen rund zehnmal so starken Effekt wie der drohende Zoll. Damit ist klar: Die deutsche Industrie ist heute deutlich empfindlicher – wegen hoher Energiepreise, geringerer Preisflexibilität und verschärfter internationaler Konkurrenz.

Verteuerung schlägt Qualität

Das Resultat: Die für deutsche Investitionsgüter lange geltende Preisresistenz scheint zu bröckeln. Selbst im Angesicht drohender Strafzölle wurde nicht mehr vorbestellt – zu teuer war die Ware in Dollar gerechnet. Dass ausgerechnet die USA, Deutschlands wichtigster Handelspartner außerhalb Europas, betroffen sind, verleiht dem Vorgang besonderes Gewicht.

Diese Entwicklung legt offen: Die internationale Nachfrage reagiert zunehmend preissensibel – selbst bei „Made in Germany“. Die Preiselastizität deutscher Exportgüter ist gestiegen. Unternehmen können gestiegene Kosten nicht mehr ohne weiteres an ihre Kunden weitergeben.

Kostenstruktur wird zur Achillesferse

Was daraus folgt, ist klar: Unternehmen müssen effizienter werden. Das heißt: Produktionsprozesse optimieren, Automatisierung vorantreiben, Innovation beschleunigen. Zugleich aber wird ein anderer Kostenfaktor zur existenziellen Bedrohung – staatlich administrierte Preise, allen voran bei Energie und CO₂.

So lagen die Industriestrompreise in Deutschland im ersten Halbjahr 2025 rund 45 Prozent über dem EU-Durchschnitt, die Gaspreise etwa 38 Prozent darüber. Wer im globalen Wettbewerb bestehen will, kann sich solche strukturellen Standortnachteile auf Dauer nicht leisten. Und: Je preissensibler die Kunden, desto ruinöser werden die Effekte.

Der Juni war ein Warnsignal

Der Juni 2025 markiert damit mehr als nur einen kurzfristigen Dämpfer. Er zeigt, wie anfällig der industrielle Exportstandort Deutschland geworden ist – für Währungsschwankungen, für Zollbarrieren, aber vor allem für hausgemachte Kosten. Wer jetzt nicht reagiert, verliert.

Fazit: Der starke Euro trifft eine zunehmend kostenanfällige Industrie. Für Anleger heißt das: Deutsche Exportwerte bleiben anfällig. Wer investiert, sollte auf Unternehmen mit hoher Innovationskraft und geringer Energiekostenquote setzen – oder international breiter streuen.
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