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Übertriebener Banken-Optimismus

Wird in Russland alles gut?

Bildquelle: Pixabay, bearbeitet mit Canva
Morgan Stanley setzt auf eine Rubel-Erholung im Zeichen der anziehenden Ölpreise und der Hoffnung auf eine Entspannung auf der politischen Ebene. Der längerfristige Ausblick ist aber bedenklich schwach.

Russlands Wirtschaft steht derzeit recht solide da. Die Strategen der Investmentbank Morgan Stanley setzen sogar auf eine Aufwertung des Rubel gegenüber Dollar und Euro. Ihre Argumente:

  1. die Erholung des Ölpreises und
  2. die Einschätzung, dass die im Raum stehende Drohung mit neuerlichen US-Sanktionen im Zusammenhang mit dem Fall Nawalny den gesamtwirtschaftlichen Ausblick für Russland kaum beeinträchtigen kann.

IWF-Bericht untermauert die Wachstumsschwäche

Der IWF sieht für 2021/22 eine ordentliche Erholung nach der Corona-Krise voraus: mit 3,0% und 3,9% Wachstum. Weitere Pluspunkte: Russland hat in den letzten Jahren eine sehr solide Konjunkturpolitik gemacht. Die Inflation ist im Griff. Die im Verhältnis zum Etat unverändert hohen, potenziell destabilisierenden Einnahmen aus dem Geschäft mit Öl und Gas sind durch eine klare Regelung in einen stabilen Rahmen überführt worden. Die Staatsfinanzen sind somit in sehr ordentlicher Verfassung.

Geringes Potenzial zu erkennen

Sorge bereitet die Perspektive. 2,1% Wachstum sollen es 2023 noch werden und je 1,8% für die drei darauf folgenden Jahre. Diese Abflachung geht einher mit einer gegen null schrumpfenden (negativen) Outputlücke. Das Potenzial selbst wächst also noch langsamer als das ohnehin schon schwach wachsende realisierte BIP. Trotz des dürftigen Wachstums von 1,8% entspricht das im weiteren Verlauf realisierte BIP in etwa dem Potenzial. Heißt: Mehr ist ohne Überhitzung nicht drin.

Wirtschaftliche Misere schafft politische Unruhe

Jenseits dieser Stabilität ist die wirtschaftliche Erosion aber nicht zu übersehen. Der Lebensstandard sank gemessen am inflationsbereinigten verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte in den letzten Jahren kontinuierlich. Seit 2013 waren es etwas mehr als 10%. Dahinter stehen schwache Investitionen, ein stockender Strukturwandel und daraus resultierend ein wachsender technologischer Rückstand in weiten Bereichen der Wirtschaft.

Das letzte Jahr brachte zudem einen tiefen Einbruch der Direktinvestitionen des Auslands. Allein deutsche Unternehmen zogen zwischen März und Juni 2020 Investitionen in Höhe von 1,1 Mrd. Euro aus Russland ab. Auch der Handel zwischen Deutschland und Russland brach im ersten Halbjahr um 24% auf 22 Mrd. Euro ein. Russland liegt damit nach Polen, Tschechien und Ungarn nur noch an vierter Stelle im deutschen Osteuropahandel.

Betrug mit Staatshilfe

Das Minus bei den ausländischen Direktinvestitionen kann nicht allein durch die Corona-Krise erklärt werden. Hier spielt offenbar der Fall der Investmentgesellschaft Baring-Vostok und deren Chef Michael Calvey eine Rolle. Die dreiste Erpressung der westlichen Geschäftspartner blockiert im Endeffekt einen wichtigen Investitionskanal. Dies lief zugunsten des Putin-Amigos Artem Avetisyan und dessen Gesellschaft Finvision und geschah während eines im Ausland laufenden Schiedsgerichtsverfahrens mithilfe russischer Staatsanwälte und Richter. Es handelte sich also letztlich um eine Art Geiselnahme in staatlicher Regie.

Das Misstrauen der Bürger gegenüber ihrer Regierung

Etwa 60% der nach Russland fließenden ausländischen Direktinvestitionen (so eine Schätzung des IWF) stammen von Holdings und Trusts mit Sitz in Steueroasen von London bis Dubai. Diese Adressen halten im wesentlichen die von russischen Bürgern außerhalb der Reichweite der russischen Behörden gebunkerten Vermögen. Diese Mittel kehren bislang unter dem Schutz der internationalen Investitionsabkommen als ausländische Direktinvestition zumindest teilweise nach Russland zurück. Mit dem Übergriff auf Baring-Vostok wird dieses Modell infrage gestellt. Das trifft die russische Wirtschaft an ihrem wohl empfindlichsten Punkt.

Fazit: Ohne tiefgreifende Reformen wird es in Russland kein nachhaltig stärkeres Wachstum geben. Damit ist ausgeschlossen, dass Russland den Rückstand auf das Einkommensniveau der westlichen Staaten nennenswert verringern kann. Da Russland auch langfristig nicht aufholt, ist kein entsprechender Aufwertungstrend des Rubel zu erwarten. Lediglich kurzfristige Anstiege, die im Wesentlichen die Schwankungen der Ölpreise reflektieren.

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Empfehlung: Mutige spekulieren auf die kurzfristige Erholung des Rubel mit einem Dollar/Rubel-Put (Endlos-) Zertifikat (Bsp. ISIN: CH 031 380 821 1), Der Basispreis (gleich Knockout) liegt bei 91,83 Rubel/Dollar. Ein Käufer sollte aber schnell reagieren und das Risiko tragen können.

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