Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
1516
Fachanwälte berichten aus der Praxis zu MiFID

Wirkung mit Zweifeln

Seit eineinhalb Jahren ist in Europa die Anlegerschutzrichtlinie MiFID II in Kraft. Sie fordert telefonische Gesprächsmitschnitte bei Beratungsgesprächen und verpflichtet die Institute zu ausufernder Dokumentation. Doch was hat es den Kunden gebracht? Fachanwälte berichten aus der Praxis.

Die Anlegerschutzrichtlinie MiFID II wirkt. Zumindest was die Anzahl der Auseinandersetzungen zwischen Banken und ihren Private Banking Kunden betrifft. Zu dieser Einschätzung kommen Fachanwälte, mit denen wir im Rahmen unseres laufenden Marktmonitorings gesprochen haben. Es ist Teil der Initiative der FUCHS | RICHTER PRÜFINSTANZ vertrauenswürdige Vermögensmanager (Trusted Wealth Manager) am Markt herauszufiltern.

Verstöße gegen Anlagerichtlinie sind laut Rechtsanwalt Matthias Schröder kaum noch zu sehen. Der Einsatz moderner EDV und die Digitalisierung hätten dazu geführt, dass prozentuale Grenzen leichter eingehalten werden können. Im Übrigen würden die alten Anlagegrenzen heute geschickter und weiter gefasst, so Schröder. Die Zahl der Beschwerden beim Ombudsmann der privaten Banken ist allerdings schon seit 2016 stetig gesunken.

Die Qualität der Beratung ist laut Fachanwalt Jens Graf nicht unbedingt besser geworden

Rechtsanwalt Jens Graf ist skeptischer. Er ist nicht davon überzeugt, dass Banken und sonstige Berater wegen der MiFID II-Regelungen ihre Kunden besser beraten. Für ihn liegt der Ursprung allen Übels in den Provisionszahlungen, die nach wie vor in Milliardenhöhe fließen. Immerhin müssen die Banken nun angeben, ob sie (provisions)abhängig oder unabhängig beraten. Danach sollten Kunden fragen.

Verwirrende Informationsflut

Die vielen Informationen, die Kunden erhielten, würden mehr verwirren als nützen. Zwar müssen Fondsgesellschaften und Depotbanken seit diesem Jahr u. a. angeben, welche Bestandsprovisionen sie im vergangenen Jahr eingestrichen haben. Aber laut Graf höre man allenthalben, dass mehr als die Hälfte der Kunden sich diese Informationen nicht genau anschauten. Solche Angaben würden gar nicht selten hinter anderen Informationen versteckt und so verklausuliert präsentiert, dass die Kunden nicht begreifen könnten, in welchen Größenordnungen sich ihr investiertes Vermögen allein durch die Prämien reduziert. Graf plädiert daher für ein vollständiges Provisionsverbot.

Anleger fühlen sich bevormundet

Anlegerschutzanwalt Klaus Nieding erkennt eine Überforderung der Anleger. Schuld sei der „höhere bürokratische Aufwand und die vielen Informationen". Zudem kritisierten nach seiner Erfahrung viele Anleger auch die strengen Regeln hinsichtlich der Geeignetheitsprüfung von Anlageprodukten. Die Anleger fühlten sich in ihren Anlageentscheidungen eingeschränkt und nähmen dies als Bevormundung wahr. Hier wünschten sich viele Anleger Opt-out-Möglichkeiten. Der Vorwurf aber, dass zu viele Informationen über die jeweiligen Anlageprodukte bereitgestellt werden, gehe „in die falsche Richtung". Schließlich bleibe es jedem Einzelnen selbst überlassen, ob und wie er diese Informationen letztlich nutzt.

Fazit

Die Richtlinie hinterlässt in der Praxis ein gespaltenes Bild. Offenbar diszipliniert sie die Anbieter. Aber zum Preis, dass Individualität in der Beratung durch Bürokratie erschlagen wird.

Hinweis: Die vollständigen Interviews lesen Sie auf https://www.pruefinstanz.de/de/trusted-wealth-manager/beirat/

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Stiftungsvermögen 2024: Die Bayerische Vermögen GmbH in der Ausschreibung

Die Bayerische Vermögen lässt zu viele Fragen offen

Thumb Stiftungsvermögen 2024. © Collage: verlag FUCHSBRIEFE, Bild: envator elements
Die Bayerische Vermögen gibt sich selbstbewusst. „Gibt es eine Formel für erfolgreiche Geldanlage?" Nicht alle Daten seien einfach abzurufen und müssten erst einmal ins rechte Verhältnis zueinander gesetzt werden. "Diesen Mehrwert bietet unsere Premium-Vermögensverwaltung und kann daher für jeden Privatanleger geeignet sein.“ Nun ist die Stiftung Fliege kein Privatanleger und hat besondere Anfordrungen. Wir sind also gespannt, was der Vorschlag zu bieten hat.
  • Fuchs trifft Pferdchen, Der Geldtipp-Podcast, Teil 34

Unsere internationalen Aktien fürs Leben

Geldtipp-Podcast. ©SpringerNature
Nach den deutschen Dauerläufern stellen Pferdchen und Fuchs in der 34. Folge des Geldtipp-Podcasts die internationalen Aktien vor, die langfristig in ein ausgewogenes Depot gehören. Sie diskutieren, wie sich die Auswahlkriterien für ausländische und für heimische Titel unterscheiden.
  • Was sind die Fuchsbriefe? - In 2 Minuten erklärt

Fuchsbriefe Scribblevideo mehr als 213.000 Mal gesehen

© Verlag FUCHSBRIEFE
Hammer: Unser Scribble-Erklärvideo zum Fuchsbrief wurde inzwischen mehr als 200.000-mal angeschaut – genau waren es am 29. Februar 213.318 Abrufe. Hochgeladen hatten wir den gezeichneten Film vor 8 Monaten. Somit ergeben sich 26665 Abrufe pro Monat oder 889 pro Tag. Darauf sind wir stolz! Der Film wurde gezeichnet vom Team um Carsten Müller und dauert 02:21 Minuten. Worum geht es?
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Siemens Energy

Starke Zahlen und Rekord-Aufträge

Siemens Energy ist auf gutem Wege. Das zeigen die jüngsten Zahlen an. Viele Unternehmensteile machen gute Umsätze und stattliche Gewinne. Das schlägt sich auch an der Börse nieder.
  • Fuchs plus
  • Plug Power

Kostensenkungsprogramm und Wasserstoff-Verkauf

Plug Power hat sich verhoben. Die Zahl der Projekte und Investitionen war zu hoch. Nun tritt das Unternehmen an verschiedenen Stellen auf die Kostenbremse. Gut ist in dem Umfeld, dass Plug mit der Produktion und dem Verkauf von Wasserstoff für seine Partner begonnen hat.
  • Fuchs plus
  • Editorial

BMW fährt auf Wasserstoff ab

BMW und Airbus verstärken ihre Bemühungen, Antriebslösungen mit Wasserstoff zu entwickeln. Der Autobauer aus Bayern setzt jetzt voll auf Wasserstoff, hat mit dem iX5 einen Pkw am Start, sieht dafür aber die aussichtsreichsten Märkte nicht in Deutschland oder Europa. Dennoch ist die Marschroute klar.
Zum Seitenanfang