Yen: Carry-Trades vor Neubewertung
Unternehmen mit Japan-Geschäft sollten eine neue Yen-Bewertung in Erwägung ziehen. Denn am 18. Dezember wird die Notenank in Japan (BoJ) die Leitzinsen bewegen. Entgegen der US-Fed (Senkung) und der Europäischen Zentralbank (EZB, konstant) wird die BoJ die Zinsen anheben. Wir kalkulieren einen Schritt um 25 Basispunkte.
Die notorisch vorsichtige BoJ kann nicht mehr länger reglos an der Seitenlinie stehen. Die Inflation liegt stabil über dem Ziel von 2%. Hinzu kommen erste Hinweise auf erneut höhere Löhne im kommenden Jahr. Die Konjunktur bleibt zwar fragil, aber der Konsum zieht langsam und kontinuierlich an.
Vorsicht vor Yen-Schulden
Die Zeiten, in denen die BoJ aus Prinzip „ewig locker“ blieb, sind zu Ende. Für die Finanzmärkte wäre der Zinsschritt der BoJ genau dafür ein wichtiges Signal. Der Yen dürfte dann strukturell Rückenwind bekommen, insbesondere gegenüber dem US-Dollar. Denn die Fed dürfte im kommenden Jahr die Leitzinsen weiter nach unten schleusen. Gegenüber dem Euro könnte der Yen seinen Abwertungstrend ebenfalls drehen. Allerdings ist das Potenzial für Aufwertungen nicht ganz so hoch.
Die Folge: Carry-Trades müssen neu bewertet werden. Die beliebte Verschuldungswährung Yen (geringe Zinsen, Abwertungsperspektive) könnte deutlich stärker werden im nächsten Jahr. Wer Schulden im Yen gemacht und das Geld in Europa oder den USA angelegt hat, sollte das berücksichtigen. Denn solche Carry-Trades kommen von zwei Seiten unter Druck. Die Zinsdifferenz zwischen Verschuldungs- und Anlagewährung wird geringer. Die Verschuldungswährung könnte gegenüber der Anlagewährung aufwerten. Das kann die Rendite-Rechnung für einen solchen Trade schnell kippen.