Bitte registrieren Sie sich neu, um alle nicht kostenpflichtigen Inhalte auf fuchsrichter.de einsehen zu können.
030-288 817-20
0,00 €
4341
Bankhaus Bauer | TOPs 2016 - Beratungsgespräch

Viel Luft nach oben

Die Qualifizierungsampel schaltet auf Rot.
Das Bankhaus Bauer betont seine Unabhängigkeit und seine Kundenorientierung. Doch beim Umgang mit den Kunden treten einige Ungereimtheiten auf.
„Vertrauen statt Verkaufen“. Das Bankhaus Bauer möchte ein seriöser Partner sein. Die Werte, die das Bankhaus bestimmen, sind nach eigenem Empfinden "Kompetenz, Kundenorientierung, Leistungsbewusstsein und Unabhängigkeit". Leider lässt das Bankhaus Bauer nur wenig Transparenz zu. Unser redaktioneller Fragebogen wird nicht beantwortet – und so erfahren wir nicht, wie viele Kunden das Haus betreut und welche Vermögensvolumina verwaltet werden. Das Haus wurde 1931 von dem Stuttgarter Bankier Richard Bauer gegründet. 2001 wurde Bauer von der Wiesbadener Schuppli-Gruppe übernommen, zu der auch die Düsseldorfer Hypothekenbank sowie die DEURAG Deutsche Rechtsschutz-Versicherung gehört. Mit Wirkung vom 25. März 2015 übernahm die BB Beteiligungs GmbH Essen sämtliche Anteile der Bankhaus Bauer AG von der österreichischen Raiffeisenbank Reutte. Kernkompetenz des Bankhaus Bauer ist das private Vermögensmanagement. Dabei hängt es jeweils vom Kundenwunsch ab, ob man sich zur Pflege des Depots von der Bank beraten lassen möchte und danach die Anlageentscheidungen selbst trifft oder ob man sich im Rahmen einer Vermögensverwaltung diese Entscheidung von der Bank abnehmen lassen möchte.

Der Kunde und sein Anliegen

Die Testkunden der Private Banking Prüfinstanz sind vermögend und Multimillionäre. Aber sie bringen zunächst nur eine halbe Million zur Anlage mit. Ihr persönlicher Hintergrund ist sehr unterschiedlich. Gemein ist ihnen jedoch, dass sie für ein jüngeres Familienmitglied in der nächsten Generation mal Sohn oder Tochter, mal Nichte oder Neffe die Zukunft finanziell absichern wollen. Hier geht es zur ausführlichen Schilderung des Testfalls.

Das Beratungserlebnis

Die Geschäftsanbahnung mit der Bank läuft völlig unproblematisch. Wir werden sofort an den zuständigen Kundenberater weitergeleitet und sehr schnell wird ein Gesprächstermin anberaumt. Wir schildern nur kurz unseren Anlagewunsch, den der Berater kommentarlos entgegennimmt. Details werden am Telefon nicht ausgetauscht, das Gespräch ist nach knapp 5 Minuten beendet. Zum vereinbarten Termin erscheinen wir zum persönlichen Gespräch in den Geschäftsräumen des Bankhaus Bauer. Es ist unschwer zu finden: ein dunkler Funktionsbau in der Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Wir betreten eine völlig leere, fast überdimensioniert wirkende große Schalterhalle und werden dann von einer Mitarbeiterin des Hauses in ein Besprechungszimmer, ebenfalls im Erdgeschoss, geleitet. Das Besprechungszimmer macht einen spartanischen Eindruck, irgendwie gehört das gesamte Ensemble dringend renoviert. Das Licht ist etwas schummrig, was nicht unbedingt zu einem guten ersten Eindruck führt und die Stimmung aufhellt. Es werden Getränke gereicht und sehr schnell finden sich auch die beiden Berater ein. Beide Berater sind sehr freundlich und aufgeräumt. Deswegen stellt sich schnell eine problemlose und ungezwungene Gesprächsatmosphäre ein. Wir passen offensichtlich gut ins Kundenkonzept des Bankhauses Bauer. Es betreut Kunden bereits ab einem Mindestvolumen von 250.000 Euro. Allerdings fällt uns schon relativ schnell auf, dass die beiden Berater nicht unbedingt ein eingespieltes Team bilden; zuweilen fallen sie sich sogar gegenseitig ins Wort. Im Laufe des Beratungsprozesses dürfte daraus aber kein allzu großes Problem werden, da die Beratung dann eigentlich nur noch über einen der Ansprechpartner laufen soll.

Positiv zu erwähnen ist, dass einer der persönlich haftenden Gesellschafter ebenfalls für zehn Minuten zu uns stößt, sich vorstellt, uns begrüßt und nochmals kurz die kundenorientierte Werteskala des Hauses erläutert. Dies macht einen persönlichen Eindruck und unterstreicht das Bestreben, in engen Austausch mit den Kunden zu treten.

Zunächst versuchen die Berater intensiv die Risikotragfähigkeit des potenziellen neuen Kunden auszuloten. Wir werden konkret gefragt, welche Volatilitäten wir denn wirklich aushalten können. Danach versuchen die Berater, alle Angaben über die Vermögensverhältnisse auszuloten. Hier geben wir der Bank nur eine ungefähre Vorstellung und betonen, dass es uns ausschließlich um die Vermögensanlage für unsere Tochter geht. Schließlich wird dies etwas widerwillig akzeptiert. Die Bankberater betonen, dass sie unser Anliegen, die Einstiegssumme von 500.000 Euro mit Zuzahlungen innerhalb eines Zeitraums von 8 Jahren auf eine Million zu bringen, für realistisch halten. Man präsentiert sich als konservativ anlegende Bank, was durch den späteren Anlagevorschlag auch durchaus eingehalten wird.

Wie gut allerdings ein Private Banking Depot im direkten Vergleich zum Wettbewerb tatsächlich geführt wird, können wir nicht detaillierter nachvollziehen. Denn am FUCHS Performance-Projekt von Dr. Jörg Richter und Verlag Fuchsbriefe nimmt das Bankhaus Bauer nicht teil.

Wiederholt weisen die Berater auf die Unabhängigkeit Ihrer Bank hin und dass sie völlig frei von irgendwelchen Produktzwängen handeln können. Sie unterstreichen, dass sie uns einen ausgearbeiteten Anlagevorschlag zukommen lassen wollen und diesen dann bei uns zu Hause präsentieren wollen. Unser Vorschlag, dass man den endgültigen Anlagevorschlag dann vielleicht telefonisch besprechen könnte, wird – so empfinden wir es – brüsk zurückgewiesen. Sie seien es gewohnt, ihre Kunden persönlich aufzusuchen, um diesen eine problemlose Zusammenarbeit zu ermöglichen. Bei den Kosten geben sich die schwäbischen Bankberater relativ genügsam. Jährlich soll eine All-in-fee von 1,2 % zzgl. Mehrwertsteuer anfallen, die halbjährlich mit jeweils 0,6% berechnet wird. Sehr schnell geben die Berater auf 1,1% nach und wir haben den Eindruck, dass wir bei einer endgültigen Diskussion auch noch auf 1,0 % kommen könnten.

Fazit: Das Bankhaus Bauer bleibt deutlich unter seinen Möglichkeiten. Das fängt bei den doch etwas spartanisch wirkenden Besprechungsräumen an und setzt sich mit dem unausgereiften Procedere im Umgang mit dem Kunden fort. Es ist einfach nicht professionell, kein Gesprächsprotokoll zu senden und den Anlagevorschlag erst nach wiederholter Anfrage vorzulegen. Wir geben gerne zu, dass die Expertise und die Kompetenz des Hauses, je länger man sich kennt, durchaus besser wird; aber das reicht nicht aus, um den eigenen Anspruch erfüllen zu können, den Kunden von Anfang an kompetent zu betreuen. Hinzu kommt, dass das Bankhaus Bauer allenfalls ein Nischendasein führt und kaum überregional bekannt ist. Der Bank fehlt ein Alleinstellungsmerkmal. Bankhaus Bauer – da muss man nicht hin. Unsere Qualifizierungsampel steht auf Rot.

Hinweis: Die erreichte Gesamtpunktezahl sowie den Vergleich mit rund 100 weiteren Anbietern  lesen Sie im November im FUCHS-Report „TOPs 2016“.

Fakten: keine Angaben

Bankhaus Bauer AG
Lautenschlagerstr. 2, 70173 Stuttgart
www.bankhausbauer.de

Hinweis: Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die Private Banking Prüfinstanz erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die Private Banking Prüfinstanz, Dr. Richter | IQF und Ralf Vielhaber | Verlag FUCHSBRIEFE.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • DGK & Co. Im Beauty Contest Stiftungsvermögen 2024

Wie ein 3 Millionen Euro Portfolio nachhaltig Rendite erzielen soll

Kollage Verlag Fuchsbriefe ©Bild: envato elements
Die DGK & Co. Präsentiert ihr Anlagekonzept für ein 3 Millionen Euro schweres Stiftungsportfolio. Das Ziel: eine nachhaltige und risikobewusste Anlagestrategie, die ordentliche Erträge generiert. Doch wie schneidet der Vorschlag bei einer kritischen Prüfung ab? Ein tiefgehender Blick hinter die Kulissen der Vermögensverwaltung offenbart Licht und Schatten.
  • Fuchs plus
  • Stiftungsmanager 2024: Die Top 10

Auf dem Siegertreppchen wird es eng

Thumb Stiftungsvermögen 2024, © Grafik Redaktion Fuchsbriefe mit Envato Elements
Fünf Anbieter von insgesamt 35 Ausschreibungsteilnehmern schaffen es in diesem Jahr auf das Siegertreppchen und sichern sich eine „Goldmedaille“ für eine sehr gute Gesamtleistung. Zwei weitere Häuser holen Silber für gute Leistungen und drei dürfen sich mit Bronze für ein Befriedigendes Gesamturteil schmücken. Sie alle hatten es aufgrund der Güte ihrer Anlagekonzepte in die Endrunde der Ausschreibung für die Stiftung Fliege geschafft.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Zweigeteiltes Bild in Norwegen

Norwegens Zinsen bleiben hoch

Für Norwegen gibt es vorerst keine Perspektive für Zinssenkungen. Das hat die Notenbank klargemacht. Für Anleger entsteht daraus eine gute Perspektive für NOK-Investments.
Zum Seitenanfang