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Schoellerbank Salzburg | TOPs 2017 – Beratungsgespräch

Beratung auch für kleineres Geld

Qualifikationsmarke knapp verpasst
Die Schoellerbank Salzburg ist eine Tochter der italienischen Unicredit und gleichzeitig ein österreichisches Traditionshaus. Wer bei ihr Kunde werden will, kann auch schon mit geringeren Summen kommen. Der auf der Internetseite vorgestellte Beratungsprozess wirkt durchdacht. Und nicht zuletzt haben wir die Bank schon mit einer guten Leistung in der Beratung erlebt. Ob sie das wiederholen kann?
 „Wir sind auf das aktive Management von Vermögenswerten spezialisiert und gehen nach dem Prinzip der ganzheitlichen Beratung vor. Dieses Konzept geht in seinem Umfang über sonst übliche Beratungsleistungen im Private Banking weit hinaus.“ Nun ja, das können wir aus unserer Markterfahrung aus zigtausend Tests im deutschsprachigen Raum so nicht bestätigen. Aber wer gehört werden will, muss gerade heute laut trommeln. Dann aber sollte das Leistungsversprechen stimmen: „Zu Beginn steht die systematische Analyse Ihrer Ziele und Bedürfnisse, danach erarbeiten wir Ihr maßgeschneidertes Anlagekonzept, das Ihrer individuellen Lebenssituation laufend angepasst wird.“ So lesen wir es auf der Internetseite im Bereich Private Banking der Schoellerbank. Die Schoellerbank bezeichnet sich zudem als die einzige Traditionsbank in Österreich, die alle wesentlichen Kompetenzen vor Ort vereint und gleichzeitig auf ein Netzwerk internationaler Experten zurückgreifen kann. Flexibilität und kurze Entscheidungswege seien ein weiteres Kennzeichen des Hauses. Die Zielkunden der Bank beginnen mit einem Vermögen von 400.000 EUR. Es ist aber bereits eine Erstanlage ab 150.000 EUR möglich. Kunden aus Deutschland, so die Bank, kämen zu ihr wegen hoher Servicequalität, guten Performancezahlen, langfristigen Kunden-Beraterbeziehungen – und ihrem guten Ruf im In-und Ausland. Dies werde unterstrichen durch die Ergebnisse ihrer jährlichen Kundenzufriedenheitsbefragungen und diverse Auszeichnungen. Neukunden kämen oft auf Empfehlung langjährig zufriedener Kunden. Deutsche Kunden schätzten außerdem den Steuerservice der Bank, die Aufstellung der steuerlich relevanten Erträge, mit der sie ihren steuerlichen Verpflichtungen in Deutschland sehr einfach nachkommen könnten.

Die Schoellerbank stellt sich in zwei Runden im Performanceprojekt dem Wettbewerb im deutschsprachigen Raum. Damit zeigt sie Sportsgeist und die Bereitschaft zu Transparenz. Gut!

Weniger schätzen dürften viele Kunden allerdings folgenden Passus im Kontoführungsvertrag: „Die Schoellerbank erhält die im Fondsgeschäft üblichen Bestandsprovisionen – das sind Zuwendungen, die der Schoellerbank dafür gewährt werden, dass sie Kunden Produkte verkauft. Aus Sicht der Bank sind diese Mittel dazu geeignet, ihr „die notwendigen Mittel zu geben, sich intensiv mit den im Bestand befindlichen Fonds und ihrem Management auseinander zu setzen“. Die jeweiligen Fondsgesellschaften zahlen der Bank derartige Provisionen in einer Höhe von bis zu 1,3% jährlich vom jeweiligen Fondsbestand.“ Der Kunde soll sich standardmäßig damit einverstanden erklären, dass diese Bestandsprovisionen nicht an ihn weitergegeben werden, sondern bei der Schoellerbank verbleiben.“ Hauseigene Produkte können 0-65% der Wertpapiere in den Kundendepots betragen – je nach Struktur und Kundenprofil. Darunter seien auch Anlagethemen, für die es kein oder bis vor kurzem kein entsprechendes alternatives Direktinvestment am Markt gegeben habe. Fonds würden berücksichtigt, wenn sie aus Streuungsgründen vorteilhafter sind als Einzelanlagen.

Ein regelmäßiges Monitoring in Sachen fairer Umgang mit den Kunden (Vertrauensampel) durch die Private Banking Prüfinstanz findet derzeit nur für Banken mit Sitz in Deutschland statt. Die österreichische Schoellerbank gibt aber Auskunft, dass sie „in den letzten Jahren einige wenige Gerichtsverfahren mit Anlegern wegen vermeintlicher falscher Anlageberatung“ hatte. Fairerweise muss man sagen, dass der Kunde nicht immer im Recht ist.

Der Kunde und sein Anliegen

Die Testkunden der Private Banking Prüfinstanz sind vermögend und Multimillionäre. Sie suchen einen neuen Vermögensverwalter für Ihr bestehendes Depot über 2,5 Mio. Euro. Ihr persönlicher Hintergrund ist sehr unterschiedlich. Sie sind in verschiedenen Branchen unternehmerisch oder als leitende Angestellte tätig oder bereits im Ruhestand. Hier geht es zur ausführlichen Schilderung des Testfalls.

Das Beratungserlebnis

Unser Erstkontakt erfolgt über das Telefon. Nach kurzer Erläuterung unseres Anliegens leitet uns die Vermittlung umgehend an einen Berater weiter. Der fragt konkreter nach und möchte auch den Depotstand wissen. Dann kündigt er eine Wertpapierstrukturanalyse an. Bei unserem Treffen in Salzburg werde ein zweiter Berater mit anwesend sein. Den vereinbarten Termin bestätigt er anschließend nochmals per E-Mail. Er weist dabei darauf hin, dass wir einen Depotauszug mitbringen und Reisedokumente wegen laufender Grenzkontrollen nicht vergessen sollten. Zudem gibt es den Hinweis auf einen Pkw-Stellplatz vor Ort. Wir fühlen uns gut gerüstet.

Das Gespräch vor Ort

Die Schoellerbank residiert in zentraler Lage mit bankeigenen Parkplätzen. Das Gebäude macht einen sehr repräsentativen Eindruck. Wir müssen zunächst eine Weile im Foyer warten. Ganz wohl fühlen wir uns dabei nicht, stehen herum wie nicht abgeholt. Die Empfangsdame verbreitet zudem eine gewisse Hektik. Bei uns macht sich das Gefühl breit, ungelegen gekommen zu sein. Dabei steht nur noch eine weitere Person im Raum, die darauf wartet, abgeholt zu werden. Dann werden wir ins Besprechungszimmer geleitet. In einer Ecke blinkt ein elektronisches Kästchen. Nein, da werden sicher keine Aufnahmen gemacht – oder? So groß das Foyer ist, so unscheinbar ist der Beratungsraum. Auf dem Fensterbrett zwei abgestellte Tischlampen, auf dem Tisch ein PC, ein Telefon. Wir nehmen an dem runden Tisch mit 4 Stühlen Platz. Die Berater lassen nicht lange auf sich warten. Einer setzt sich uns gegenüber, der andere zu unserer Linken. Beide stellen sich kurz vor – auf die Bank und ihre Besonderheiten kommen sie am Ende des Gesprächs flüchtig zu sprechen – und gehen dann sogleich auf unser Anliegen ein. Sie machen dabei auf uns einen sehr kommunikativen Eindruck und verstehen es, das Gespräch immer wieder aufzulockern, unsere Überlegungen im Gespräch aufzugreifen und zu beantworten. Sie möchten gerne wissen, warum wir die Schoellerbank ausgewählt haben und woher das angelegte Geld stammt. Übrigens seien beide für uns nahezu jederzeit ansprechbar. Bald kommen wir auf die Marktsituation zu sprechen – kurz, ohne sonderlich viel zu erfahren. Wir hören ein wenig über Inflationsmessung und trügerische Zahlen: Wegen der gesunkenen Rohstoffpreise würde die tatsächliche Inflation nicht so deutlich erkennbar. Sie sei eigentlich höher als ausgewiesen. Marktrisiken erwähnen sie ebenfalls eher beiläufig. Renten, so heißt es, würden auch künftig keinen Ertrag erwarten lassen. Aktien brächten deutlich mehr. Um Risiken zu reduzieren empfehlen die Berater die breite Streuung der Anlagen. Dann stellen sie uns verschiedene Anlagekonzepte gestaffelt nach steigendem Verlustrisiko vor. Die Schoellerbank setze auf den Value-Ansatz. Das heißt, nur gute Substanztitel kämen ins Portfolio. Die Berater glauben mit einer Portfolio-Aufteilung von 25% Aktien und 75% Renten die von uns gewünschte Nettorendite von 2% (brutto 4-5%) zu erreichen und das Risiko zu begrenzen. Über die zurückliegenden 20 Jahre habe ein solches Portfolio eine Durchschnitts-Bruttorendite von 4,74 % p.a. ausgewiesen. Aufgrund unserer Rendite- und Verlusterwartung sieht man das „Global Portfolio“ der Bank für uns im ersten Ansatz als empfehlenswert an. Das klingt nun doch ein wenig nach Anlage von der Stange. Während des Gespräch müssen wiederholt diverse Unterlagen aus dem Haus besorgt werden. Die Berater orientieren sich vornehmlich an vorhandenen Standard-Präsentationen. In einem gesonderten Infoblatt werden für das infrage kommende Globale Portfolio die Renditen und Verluste p.a. seit 1993 und in 1-, 3- und 5 Jahreszeiträumen erläutert. Allerdings sind jeweils nur die Jahresverluste dargestellt. In der Diskussion wird zwar der Drawdown-Ansatz diskutiert und auch erläutert, aber nicht anhand von konkreten Zahlen über die genannten Zeiträume veranschaulicht. Doch was ist in Zukunft? So richtig befriedigen können uns die Antworten nicht. Die Berater werden in ihren Erläuterungen nicht konkreter, man wolle sich vertieft erst im späteren Anlagevorschlag äußern. Die Umsetzung der Vermögensverwaltung erfolgt zentral. Aktieninvestments würde man über diverse Branchen und Währungen gestreut vornehmen. Fremdfonds kaufe man nur in speziellen Märkten wie Asien. Die Kommunikation der Performance und sonstige Beratungsleistungen erfolgen durch den Kundenberater. Die Anzahl der Kunden pro Berater ist abhängig von der Anlagesumme, heißt es, und den Bedürfnissen der Kunden. Die Zahl variiert und liegt im Schnitt bei 75 pro Berater. Nach Aussage der Berater gibt es verschiedene Gebührenmodelle bei der Schoellerbank. Man arbeite vornehmlich mit Fondstrukturen – auch wegen der Kostenreduzierung. Das erstaunt, denn normalerweise sind zumindest aktiv gemanagte Fonds eher teurer als Einzelanlagen. Konkrete Gebühren erfahren wir an dieser Stelle nicht. Man wolle die Gebührenangaben mit dem Gesprächsprotokoll versenden – was dann später auch so erfolgt. Zu den Wertpapieren im vorgelegten Depot gibt es im Gespräch keine detaillierteren Aussagen. Man vergewissert sich zum Ende der Unterredung, dass keine weiteren Fragen offen sind und verabschiedet uns freundlich an der Hauspforte, nicht ohne uns zwei Tafeln Schokolade als Reiseproviant ausgehändigt zu haben.

Die Nachbetreuung

Das Gesprächsprotokoll kommt umgehend im Anschluss an das Beratungsgespräch via Securemail. Es gibt das Protokoll im Wesentlichen unsere im Gespräch gemachten Aussagen wieder. Als Gesprächsdokument taugt es weniger. Der zugesandte Anlagevorschlag ist übersichtlich und für den Laien durchaus verständlich. Nicht plausibel erscheint uns allerdings auf den ersten Blick das angegebene maximale Verlustrisiko von 5,92%. Positiv empfinden wir das Angebot zur kostenlosen Depotübertragung.

Fazit:
Bei der Schoellerbank erfahren wir eine ganz ordentliche Beratung, ohne dass diese jedoch voll überzeugt. Die Diskussion, die wir über Märkte und Strategien führen, geht nirgends in die Tiefe und hangelt sich erkennbar an den vorgelegten, durchaus anschaulichen Unterlagen entlang. Ein Gespräch ohne echte Höhen und Tiefen – da haben wir im letzten Jahr bei Schoeller mehr Tiefgang erlebt. Individualität in der Beratung und Maßschneiderei im Angebot ebenfalls. Bei Diskretion und Organisation hinterlässt die Bank allerdings Fragezeichen, zumindest aber ein Unwohlsein. Auch die Nicht-Reaktion auf unsere Absage hin ist im Private Banking heute eher ungewöhnlich. Diese Randaspekte sind im Wettbewerbsvergleich das berühmte Quäntchen, was am Ende zur Qualifikation fehlt. So schrammt die Schoellerbank am Ende – wenn auch knapp – an der Qualifikationsmarke vorbei.

Hinweis: Die erreichte Gesamtpunktezahl sowie den Vergleich mit rund 100 weiteren Anbietern lesen Sie im November in „TOPs 2017“.

Fakten

Angaben des Hauses, Stand: 31.12.2015

Schoellerbank AG Salzburg
Schwarzstraße 32, A-5024 Salzburg
www.schoellerbank.at

Gesellschafter: 100% UniCredit Bank Austria Aktiengesellschaft

Zentrale Geschäftsfelder: Ganzheitliche Vermögensverwaltung, Financial Planning & Family Office

Dienstleistungsangebot: (ganzheitliche) Vermögensberatung, Vermögens-/wertpapierverwaltung (Depotmanagement) mit eigener Strategie, Stiftungsmanagement/Stiftungsservices, Family Office, Nachfolgeplanung, Immobilienberatung

Alleinstellungsmerkmal/Versprechen an den Kunden: Schoellerbank unterscheidet sich nach eigenem Ermessen in folgenden Punkten von anderen Banken: Spezialisierung, Investieren statt Spekulieren, Objektivität, ganzheitliche Beratung, kein Abschluss im Erstgespräch, innovative Produkte

Verwaltete Kundenvermögen: 10,472 Mrd.
Kundenzahl: ca. 10.000

Einstiegsuntergrenze für Private Banking: 400.000 EUR; Zielkunden beginnen mit EUR 400.000. Bei einer Erstanlage sind aber auch EUR 150.000 bei einer Fondsvermögensverwaltung möglich.

Einstiegsuntergrenze für Private Wealth Management: 500.000

Produkte in der Vermögensverwaltung: Aktien, Renten, Zertifikate, Geldmarkt-, Rohstoff-, Aktien- und Rentenfonds

Hauseigene Produkte: Die Anlagestrategie ist nach Angaben der Schoellerbank eine Besonderheit im österreichischen Bankensektor. Es besteht das Angebot an die Kunden, ihre Vermögensverwaltung u. a. auch nach strengen ethischen Kriterien managen zu lassen.
Die Schoellerbank ist in Österreich ein Pionier bei der Entwicklung und dem Vertrieb von strukturierten Produkten (vor allem kapitalgeschützten Produkten). Die Schoellerbank strukturiert dabei ihre Produkte nicht selbst, sondern wendet sich mit ihren Ideen und Wünschen an geeignete Partner. Entscheidend dabei ist, den besten Preis bzw. die beste Ausgestaltung für die Kunden zu sichern und ein hohes Maß an Sicherheit durch hohe Bonität der Emittenten zu gewährleisten. Seit 2013 werden alle Produkte zu 100% beim Emittenten gesichert und an die Kunden weitergegeben. Dabei gibt es keine versteckten Provisionen (kein Disagio) oder Provisionen. Für diese Produkte wird ein Ausgabeaufschlag verlangt. Die Gebühr wird dem Kunden gegenüber komplett transparent dargestellt. Auch im Fondsbereich zeige sich die besondere Innovationskraft der Schoellerbank.

Research: Fremdresearch
Fremd-Research wird ergänzend zur eigenen Meinungsbildung verwendet. Informationen werden u. a. mittels folgender Quellen gesammelt: Bloomberg, Reuters, Morningstar, Tageszeitungen, Fachpublikationen, Internet. Eigenresearch
Die Schoellerbank betreibt eigenes Research für alle im Anlageportfolio der Schoellerbank geführten Assetklassen (siehe Schoellerbank Ratings).

Standardkonditionen: Bei einer ausgewogenen Risikostruktur und einem Anlagevolumen von
  • 1,1 Mio. Euro: 0,65% + MWSt. = 0,78 + fremde Spesen (zzgl MWSt.). Mindestgebühr EUR 13.000 pro Jahr
  • 3,1 Mio. Euro: 0,60% + MWSt. = 0,72 + fremde Spesen (zzgl MWSt.)
  • 5,1 Mio. Euro: 0,55% + MWSt. = 0,66 + fremde Spesen (zzgl MWSt.)

Hinweis: Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die Private Banking Prüfinstanz erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die Private Banking Prüfinstanz, Dr. Richter | IQF und Ralf Vielhaber | Verlag FUCHSBRIEFE.

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