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Neue Bank AG | TOPs 2017 - Vermögensstrategie & Portfolioqualität

Neue Bank: Zu viel Formalismus

Die Neue Bank ist präzise in ihren Angaben, aber sie spricht am Kunden vorbei. Ein Ampelsystem hilft bei der Orientierung, aber es bleiben Lücken in der Darstellung. Wo Schatten ist, da ist auch Licht.

Neue Bank AG Marktgass 20, FL-9490 Vaduz
www.neuebankag.li

Das Gesprächsprotokoll wirkt formalistisch, eher wie eine Aktennotiz. Und so wird die Beratung wiedergegeben: “XY (Initialen des Beraters) sendet Terminbestätigung an AB (Initialen des Kunden) inklusive Angabe.” Inhaltlich ist das Protokoll präzise, aber es geht auch kundenorientierter. Netter liest es sich dann im Anlagevorschlag: “Sie sind verheiratet ... Sie haben 4 Söhne...” Auf den 27 Seiten des Vorschlags lesen wir dann, dass wir 4,2 % Rendite vor Kosten und Steuern benötigen, um unser Renditeziel zu erreichen. Auch unsere maximale Verlustbereitschaft von 15 % sind klar formuliert. Es folgen zwei Tabellen mit vielen Zahlen. Es handelt sich um die historischen Rendite- und Risikokennzahlen und die der Zukunft. 4,4 % bei einem ausgewogenen Mandat – historisch waren es 6,7 %, lesen wir. Die Bank schreibt also nicht einfach die historischen Zahlen fort: sehr gut! Wir erhalten in einem gesonderten Kapitel eine Rückmeldung zu unserem bestehenden Depot. Die Aussagen sind eindeutig: Es fehlt an Diversifikation und es gibt Klumpenrisiken. Das Managerrisiko sei hoch zu bewerten und 86 % seien Staatsanleihen von Industrieländern. 18 % seien alleine in Italien investiert. Die bestehenden Währungsrisiken sollten wir lieber absichern, denn dieses Risiko werde langfristig nicht entlohnt.
Wertungsübersicht
Beratungs­gesprächVermögens­strategiePortfolio­qualitätTransparenzGesamt
34,7
18,0
5,8
13,1
71,6

max. 45 Punkte

max. 30 Punktemax. 9 Punktemax. 16 Punktevon 100

Anlage nach traditionellen wissenschaftlichen Erkenntnissen

Klare Ansage der Bank: Mit diesem Depot erreichen wir unser Anlageziel nicht! Unser Geld soll stattdessen in den „Primus-Aktiv“ wandern. Das Vermögen wird nach “Traditionellen Erkenntnissen bekannter Portfoliotheorien” angelegt. Welche das sind, erfahren wir nicht. Dafür aber, dass die Bank einen selbstentwickelten Filter ansetzt. Konjunkturdaten, Unternehmensbewertungen, Trendindikatoren und Erkenntnisse aus der Verhaltensökonomie fließen in den Filter und so werden Ampelsignale – grün, gelb und rot – erzeugt. Rot bedeutet dabei, dass defensive Anlagen dran sind. Grün heißt, dass mehr risikoreichere Anlagen hineindürfen. In der Vergangenheit (seit 1993) gab es viel Grün. Zu sehen sind aber auch die roten Phasen wie die Finanzkrise. Wir sehen auch, wie sich die Depots in schwierigen Phasen entwickelt hätten. Konkret sollen wir so anlegen: 5,06% Liquidität, 62,0% Obligationen, 22,94% Aktien, 10,0% Alternative Anlagen. Die einzelnen Aktienwerte erläutert die Neue Bank. Bei den alternativen Anlagen finden wir auch Catbonds. Immobilienaktien und Hedgefonds sind ebenso beigefügt. In den Erläuterungen wird der Kunde mit etlichen Fachbegriffen konfrontiert. “Time to break-even”, “Value at risk” oder “Sharpe-Ratio” helfen ihm nicht weiter. Eine Fülle an Tabellen, Grafiken, enggeschriebenen Erläuterungen irritieren den Leser mehr als dass er überzeugt wird. So bleibt unklar, ob wir ein Standardprodukt „ausgewogen“ oder doch die Strategie „individuell“ wählen sollen. Unseren Vorgaben scheint nur die letzte zu entsprechen, ein Votum der Bank fehlt aber. Die Strategie „Einkommen“ wird zudem auch noch erläutert. Zuviel an Informationen. Weniger wäre hier mehr gewesen. Als Honorar bietet die Neue Bank eine Pauschalgebühr an: 1,00% All-in-fee. Was mit den Kickbacks passiert, lesen wir nicht. Allerdings sind im Depot nur wenige aktiv gemanagte Fonds zu sehen. In der Hauptsache sind es Einzeltitel und ETFs. Daher fallen Kickbacks kaum ins Gewicht. Wir finden noch einige Ausführungen zum Thema Vorsorge und Stiftungen. Das zeigt, dass die Bank sich auch um wichtige Themen links und rechts unseres Kernanliegens kümmern kann und möchte.

Fazit Vermögensstrategie: Ein Vorschlag, der insbesondere bei der Analyse des Bestands-Depots überzeugt. Der Anlagevorschlag kann dagegen im Wettbewerbsvergleich nicht übermäßig punkten. Es fehlt an Individualität und einer eindeutigen Empfehlung. Es verwundert, warum die Bank sich nicht klar positioniert, hat sie doch einen Vorschlag, der offensichtlich passen könnte. Viel Text und Fachsprache lenken vom Kern ab.

Fazit Portfolioqualität: Hier kann man nicht meckern. Der maximale Verlust des Depots fällt gering aus, die erwartbare Rendite ist passabel und auf einen Zinsschock würde das Depot nicht überreagieren und manches abfedern.

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