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Die Marke stirbt zuletzt

Das langsame Sterben der Traditionsmarken am deutschen Bankenmarkt

Fassade und Namensschild von Bethmann / ABN Amro. © Verlag FUCHSBRIEFE
Am deutschen Bankenmarkt werden die Karten neu gemischt. Der Konsolidierungsprozess unter den Privatbanken geht mit großen Schritten voran. Jüngster Fall: Die niederländische Großbank ABN Amro übernimmt Hauck Aufhäuser Lampe vom bisherigen Eigentümer, der chinesischen Fosun-Gruppe. Immer mehr Traditionsmarken im Private Banking verlieren so ihre relative Eigenständig. Zuletzt stirbt dann der Markenname.

In den kommenden Jahren droht das Sterben klangvoller Brands im Private Banking. Die Übernahme von Hauck Aufhäuser Lampe ist gerade erst erfolgt, da wird am Markt bereits diskutiert, wie lange wohl noch der Name am Markt existiert. Schon länger war über Verkaufsabsichten des bisherigen Eigentümers, der chinesischen Fosun-Gruppe mit Sitz in Shanghai, spekuliert worden, nachdem diese bereits vor einigen Jahren die BHF-Bank an ODDO verkauft hatte und offenbar keine aktive Rolle mehr am deutschen Markt spielen wollte. Die französische, eigentümergeführte ODDO schreibt bisher mit ODDO BHF, die schon mehrfach unter wechselnden Eigentümern „durchgereicht“ worden war, offenbar eine Erfolgsgeschichte. Die Bank hat in den vergangenen Jahren viel Top-Personal aus der deutschen Privatbankenlandschaft anziehen können.

Das vormals zum Oetker-Konzern zählende Bankhaus Lampe war gerade erst unter die Fittiche von Hauck & Aufhäuser geschlüpft und wird nun in diesem Verbund erneut den Besitzer wechseln. Der Name Lampe lebt noch als Fragment weiter, denn Hauck Aufhäuser Lampe ist bereits dazu übergegangen, als HAL am Markt aufzutreten. Bethmann ist vor etlichen Monaten als eigenständige Bank im ABN Konzern aufgegangen, darf aber vorerst noch den eigenen Brand in Deutschland behalten. Nun werden Wetten darauf abgeschlossen, wie lange es dauert, bis sich auch ABN Amro dazu entschließt, den deutschen Acker unter eigener Flagge zu bestellen und die Namen Bethmann und HAL vom Markt zu nehmen.

Wenn ein Brand geht, ist das ein langsamer Prozess

Das ist das übliche Vorgehen von übernehmenden Häusern: Sie gehen mit Bedacht vor. Die Bestandskunden sollen nicht verprellt werden und dürfen sich weiter als zur alten Bank gehörig fühlen. Langsam lässt man den eigenen Brand einsickern. Er dringt durch die Poren des übernommenen Hauses bis sich die Kunden daran gewöhnt zu haben scheinen. Dann werden Nägel mit Köpfen gemacht. Das kann durchaus lange dauern: ABN Amro hatte die damalige Fusionsbank Delbrück Bethmann Maffei bereits vor mehr als 20 Jahren erworben, war als Brand und Eigentümerin jedoch im Hintergrund geblieben. 2014 reduzierte die niederländische Mutter zunächst die Marke des Dreigestirns auf den Namen Bethmann. Mit der Rückgabe der deutschen Banklizenz durch Bethmann erfolgte vor Kurzem dann der nächste Schritt.

Beispiele für ähnliches Vorgehen gibt es reichlich. Trinkaus & Burkhardt wurde inzwischen samt und sonders von der internationalen Großbank HSBC „geschluckt“. Erst ging die Eigenständigkeit als Tochterbank verloren, nach einer gewissen Schonzeit auch der Markenname. Damit verfährt die HSBC nur konsequent und nicht anders, als dies schon in der Vergangenheit von großen Adressen immer wieder praktiziert wurde.

Kleine Regionalbanken verschwinden ohne öffentliche Aufmerksamkeit

Die Deutsche Bank – da war sie unfreiwillig noch mal aktiv im Konsolidierungsprozess – übernahm im Jahr 2009 das einstige Sahnestück Sal. Oppenheim. 2017 kündigte die Deutsche Bank an, Sal. Oppenheim aufzugeben und die verbliebenen Kunden sowie Teile des Geschäfts in die Deutsche Bank zu integrieren. Bereits 2009 hatte die Commerzbank die Dresdner Bank übernommen und den Traditionsnamen aus dem Verkehr gezogen.

M.M. Warburg hatte in den letzten beiden Jahrzehnten viele kleine Regionalbanken übernommen – darunter das Bankhaus Löbbecke in Berlin, das Bankhaus Hallbaum in Hannover, Carl F. Plump in Bremen und die Schwäbische Bank in Stuttgart – deren Brands nach und nach von der Mutter „aufgesaugt“ werden. Inzwischen wird auch Warburg immer wieder als Übernahmekandidat genannt. Verhandlungen sollen mit der niederländischen ABN Amro geführt worden sein, die selbst noch 2009 mit staatlichem Geld aus der Bankenkrise gerettet werden musste.

Deutsche Banken spielen eine passive Rolle

Merck Finck Privatbankiers gehören schon 1999 zur luxemburgischen Quintet Gruppe, die bis 2020 als KBL European Private Bankers (epb) firmierte. Die eigene Banklizenz hat das Haus ebenfalls bereits abgeben müssen. Doch Quintet ist als Marke in Deutschland noch zu unbekannt, als dass man es wagen könnte, in naher Zukunft bereits den Brand Merck Finck vom Markt zu nehmen und durch den eigenen zu ersetzen. Die HypoVereinsbank ist schon lange Teil der italienischen Unicredit. Immerhin hat sie noch ihre Banklizenz in Deutschland. Auch hier steht der Markenname nicht zur debatte.

Auffällig ist, dass weder Deutsche Bank noch Commerzbank Ambitionen zu haben scheinen, bei der Konsolidierung des Privatbank-Marktes in Deutschland mitzumischen. Dabei könnten beide Häuser noch Assets under Management gebrauchen. Denn im Vermögensverwaltungsgeschäft können sie an Volumen nicht annähernd mit den schweizerischen Adressen wie Julius Bär, Pictet, UBS und auch kaum mit den großen Liechtensteinischen Adressen wie LGT und LLB mithalten, die sich mit einem langen Atem auf dem deutschen Privatbankmarkt festsetzen. Auch die französische BNP Paribas versucht sich im Wealth Management allein am deutschen Markt, wenn auch bislang mit mäßigem Erfolg.

Die "Happen" für Übernahmen werden immer kleiner – oder sehr groß

Viele große Happen sind nun nicht mehr zu haben – es sei denn, sie würden von ihren aktuellen Eigentümern wieder "ausgespuckt". Die Hamburger Berenberg Bank hat eine für deutsche Verhältnisse achtbare Größe, dürfte auf Dauer aber ebenfalls zu klein sein, um sich eigenständig zu halten. Zudem schlägt das Herz des Vorstands für das margenträchtigere Investmentbanking. Das Bankhaus Metzler ist zwar nach wie vor in Händen der Eigentümerfamilie, hat aber erstmalig Mitarbeiter freigestellt. Die Fürstlich Castell'sche Bank als größere regionale Privatbank versucht es ebenfalls noch auf eigene Faust. Donner & Reuschel gehören bereits der Signal Iduna Versicherungsgruppe, Haupteigentümerin der Fürst Fugger Privatbank ist die Nürnberger Versicherungsgruppe.

Für die Kunden übernommener Häuser ändert sich auf den ersten Blick meist nichts, solange sie ihren Berater behalten. Doch jede Übernahme birgt auch einen kulturellen Wechsel, der meist mit dem Austausch des Führungspersonals und oft auch mit dem Weggang ganzer Teams einhergeht. Das Risiko bei einem Wechsel des Vermögensverwalters ist es, vom Regen in die Traufe zu gelangen. Denn beendet ist die Konsolidierung noch nicht. Es gibt noch zahllose kleine Regionalbanken und Vermögensverwalter, die die laufende Dekade nicht selbständig überleben werden – auch, weil ihnen das Personal ausgeht.

Fazit: Tradition und Kultur, mit denen sich viele relativ bekannte Namen auf dem deutschen Privatbanken-Markt noch schmücken, sind Artefakte, aber kein Ausweis für Stabilität und Sicherheit. Kunden sollten sich ihren Vermögensverwalter daher genau ansehen.

Hinweis: Über Qualität im Private Banking, Wealth Management und dem Vermögensmanagement für Stiftungen sowie Vertrauenswürdigkeit und den Leistungen in der aktiven Vermögensverwaltung berichten wir laufend im Rahmen der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz auf www.fuchsrichter.de

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