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Wie Deutschlands Ämter (heute) funktionieren

Ich habe einen Traum

Wenn man nur alle Jubeljahre aufs Amt geht, weil man muss, ist man zumindest gespannt darauf, ob und was sich verändert hat. Das letzte Mal ist bei mir inzwischen bestimmt 15 Jahre her. Und ich muss feststellen: Die Angestellten sind freundlicher. Aber sonst?

Eins meide ich, wie der Teufel das Weihwasser: einen Gang aufs Amt. Doch jetzt brauchte ich einen neuen Personalausweis und einen neuen Führerschein. Das hieß: Als erstes zum Fotografen. Der hat sich längst (wie sicher fast jeder Fotograf) auf gesichtserkennungskonforme Passfotos eingeschossen. Ging also flott.
In der Stadt, in der ich wohne, am Rande Berlins, gibt es ein Bürgeramt. Großer Parkplatz, kleiner Warteraum, aber auch wenig Andrang an diesem Vormittag, den ich mir extra freigenommen hatte. Immerhin dachte ich: Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zeit gespart.

Keiner im Raum, 20 Minuten warten

Ich war der einzige im Stuhlkreis, zog die Nummer 15. Irgendwo mussten also weitere Menschen auf Stühlen sitzen und warten. Nach 20 Minuten war ich dran. Formular ausfüllen, Foto abliefern und dann eine kurze, freundliche Belehrung. Zwei Wochen müsste ich etwa warten, dann gäbe es einen Bescheid und ich könne den neuen Ausweis abholen. Wie bitte? Noch mal freinehmen? Nicht zusenden? Nein.
Gut, dann brauche ich jetzt noch einen Antrag für einen neuen Führerschein. Ja, da müssen Sie zum Bürgerservice. Erst mal fiel mir gar nichts ein, außer ungläubig über den Tisch zu starren. Zwei Dokumente, Bürgeramt, Bürgerservice, zwei Häuser, zwei Anträge, zweimal Nummer ziehen, zweimal warten ... ernsthaft jetzt? Tatsächlich hätten Stadt (Personalausweis) und Landkreis (Führerschien) schon mal überlegt, ihre Service (haha)-Stellen zusammenzulegen. Aber der Landkreis wollte nicht. Ich vermute: da wären Stellen weggefallen. Das wäre nicht schön, aber für wen ist die öffentliche Verwaltung eigentlich da?

Führerschein auf extra Amt

Im Bürgerservice des Landkreises, eine Unterführung und 300 m weiter, hocke ich genauso lange. Antrag ausfüllen und sechs Wochen warten. Persönlich abholen. Also in der Summe drei Vormittage Amt für zwei Dokumente, die vor allem der Staat haben will. Um fast 60 Euro und drei halbe Tage Urlaub leichter. Ob Beamte dafür freigestellt werden?
Ich habe einen Traum: Ein Deutschland, in dem der Staat sich als Dienstleister versteht. Und „Bürgerservice" kein Euphemismus ist. In dem man digitale Formulare an seinem Schreibtisch ausfüllt. Und Dokumente mit der Post zugeschickt werden.

 

Fazit

Man sagt heutzutage ja nicht mehr, etwas funktioniere schlecht. Also sage ich es so: Dieses Land hat viel Potenzial.

Herzlich grüßt Ihr

Unterschrift Ralf Vielhaber

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