Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
396
Uni-Leitungen ohne Rückgrat

Professoren-Pranger und Repression

An den Unis grassiert ein Klima der geistigen Repression. Studenten führen sich auf wie Jakobiner, Universitätsleitungen geben klein bei. Die Tempel der geistigen Freiheit verkümmern zu Höhlen des eingeschränkten Diskurses mit einem virtuellen Pranger im Zentrum. Fuchsbriefe-Chefredakteur Ralf Vielhaber über eine traurige Entwicklung, die an der US-Elite-Uni Harvard gerade wieder „Schule" macht.

Sie reden von Toleranz und Werten, doch ihre Werte sind jakobinisch. Ich rede von einem wachsenden Teil der Studentenschaft. Vornehmlich in den USA, aber inzwischen auch bei uns. Für sie ist Meinungsfreiheit die Freiheit, ihre eigene Meinung lärmend zu verkünden und mit Gewalt durchzusetzen.
Das jüngste Beispiel liefert die Elite-Uni Harvard. Dort unterrichtet Ronald S. Sullivan, Professor für Strafrecht an der Harvard Law School. Er ist im Januar 2019 dem Verteidigerteam von Harvey Weinstein beigetreten. Dieser steht wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung in New York vor Gericht. Sein Fall hob #metoo aus der Taufe, die als Frauenrechtsbewegung antrat und inzwischen zu einer Art virtueller Selbstjustiz mutiert ist.
Wie Die Welt berichtet hat, steht Sullivan in Harvard am Pranger. Ein Pranger, der dank Internet eine ganz andere Pein entfaltet als jener im Mittelalter, als Menschen angebunden oder in Käfige gesteckt dem öffentlichen Hohn preisgegeben wurden.
Jurastudenten missachten die Unschuldsvermutung und machen den Anwalt zum Mittäter. „Wollt ihr wirklich eines Tages euer Diplom von jemandem entgegennehmen, der es ... okay findet, so eine prominente Figur im Zentrum der #MeToo-Bewegung zu verteidigen?"
Die Unileitung hat es geschafft, die Perversion zu toppen. Harvards Dekan Rakesh Khurana entband Ronald S. Sullivan und seine Frau Stephanie R. Robinson von der Leitung des Winthrop House auf dem Campus. Sie seien „unhaltbar" geworden. Beide waren die ersten schwarzen Deans in Harvard.
Der Harvard-Historiker Niall Ferguson spricht vom „Sich-Verschließen des amerikanischen Campus." Ferguson: „Nicht nur die Geister einzelner Individuen machen dicht, nein, die Institutionen selbst beginnen sich abzuschotten."
In Deutschland feiert diese „Haltung" fröhliche Urständ. Unis in Berlin, Bremen, Frankfurt, Köln, Siegen können sich nicht mehr vorstellen, Redner zu Veranstaltungen einzuladen, mit deren politischen Sichtweisen sie nicht konform gehen.
Es ist mehr als traurig: Ausgerechnet Studenten – nicht „die" Studenten – legen die Axt an die Meinungsfreiheit. Sie unterbinden den Diskurs. Und die Tempel des freien Wortes und Gedankens, die Unis, lassen sich zu Handlangern machen. Da hilft nur eins: keine Toleranz der Intoleranz. Diesmal von außerhalb der Unis.

Herzlich grüßt Sie

Unterschrift Ralf Vielhaber

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Sigma Bank (Volksbank Liechtenstein Private Banking), TOPS 2020: Beratungsgespräch

Eine Bank, die ihre Hausaufgaben macht

Die Berliner Sparkasse konnte sich im Beratungsgespräch für die 2. Auswertungsrunde qualifizieren. Copyright: Verlag FUCHSBRIEFE
Bei der Sigma Bank, vormals Volksbank Liechtenstein, erleben wir (nach einem Reinfall im letzten Jahr) diesmal Private Banking auf hohem Niveau. Unsere Wünsche werden im Vorfeld genau erfasst und konsequent für die Vorbereitung eines sehr strukturierten, effizienten und über weite Strecken sehr interessanten Gesprächs herangezogen. Hier fühlen wir uns ernst genommen, und die Aussage, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, scheint nicht nur ein Lippenbekenntnis aus der Marketingabteilung zu sein.
  • Fuchs plus
  • LGT Bank AG, TOPS 2020: Beratungsgespräch

Glanz mit ein paar matten Stellen

Die LGT Bank AG konnte sich im Beratungsgespräch für die 2. Auswertungsrunde qualifizieren. Copyright: Verlag FUCHSBRIEFE
Von der LGT haben wir schon viel Gutes gehört. Dementsprechend hoch sind unsere Erwartungen. Teilweise finden wir diese erfüllt: Auf der Haben-Seite kann die LGT ihre Tradition, ihre solide Aufstellung als inhabergeführtes Family Office der Fürstenfamilie und interessante Anlagestrategien wie die Teilhabe am fürstlichen Portfolio oder im Rahmen des noch recht neuen „impact investing" verbuchen – und nicht zuletzt auch ihre ansprechenden Räumlichkeiten. Im Soll steht die Bank, weil wir unseren Nachhaltigkeitswunsch hauptsächlich in einem einzigen, sehr neuen Produkt wiederfinden, dafür aber in der Vielfalt der hauseigenen Anlagefonds fast den Überblick verlieren.
  • Fuchs plus
  • Einbauten des Vormieters beim Mietzins anrechenbar

Mieterhöhung trotz hoher Ablöse möglich

Eine für Vermieter und Mieter gleichermaßen wichtige Frage musste jetzt das Landgericht (LG) Berlin beantworten: Darf der Vermieter den Mietzins anheben, weil sich der Komfort der Wohnung verbessert hat, obwohl der Mieter für die Renovierung des Vormieters eine Ablösezahlung geleistet hat?
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Neuer Tech-Standard für Auktionen im Web

Online-Auktionen mit Innovations-Impuls

Online-Kunstauktionen könnten neuen Schwung bekommen. Ein Berliner Tech-Startup, das auf Online-Auktionen spezialisiert ist, hat eine Kooperation mit einem großen Auktionshaus geschlossen. Daraus könnten für Auktionshäuser und Sammler interessante Synergien entstehen.
  • Fuchs plus
  • Oldtimer

Pebble Beach schwächelt

Die Preise für historische Autos setzen ihre Talfahrt fort. Das zeigt sich auf Auktionen und wirkt sich inzwischen auch spürbar auf das Angebot an Fahrzeugen aus. Die Auktionatoren verschieben ihren Fokus deutlich nach unten.
  • Fuchs plus
  • Es geht immer billiger – auch bei Diamanten

Zollkonflikt belastet enorm

Diamanten werden allmählich unverkäuflich – zumindest die echten Steine. Denn die Nachfrage der jungen Vermögenden bleibt aus und wird noch zusätzlich durch den Zollkonflikt zwischen den USA und China belastet. Am Diamantmarkt verstärken sich deflationäre Tendenzen.
Zum Seitenanfang