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Kapitalanlage

Stresstests

Beratung: Ein Stresstest hilft | © Getty
Stresstests gehören auch in Anlagevorschlägen mittlerweile zum Standard. Das zeigen die langjährigen Markttests der Private Banking Prüfinstanz.
Bankberater und Vermögensverwalter sprechen nicht so gern über das Risiko in der Vermögensverwaltung. Dennoch gehören Stresstests in Anlagevorschlägen mittlerweile zum Standard, wie die langjährigen Markttests der Private Banking Prüfinstanz – Dr. Richter | IQF & Verlag Fuchsbriefe – aufzeigen. Doch nicht immer sind diese verständlich (genug).

Ein Fall aus der Praxis

Die Eheleute Mundroth suchten im November 2014 einen neuen Vermögensverwalter. Vier Millionen Euro waren anzulegen. Die ausgewählte Privatbank präsentierte ihren Vorschlag. Aktien(fonds) machen gute 40% aus, der Rest ist in Anleihen, Rohstoffen und sog. „Absolute-Return-Fonds“ angelegt. Auf Seite 10 des Vorschlags druckt die Bank dann diese Daten ab:
Rendite seit 1.1.20094,6%
Risiko seit 1.1.20095,4%
Sharpe Ratio0,8%
Das seien sehr gute Werte, meinte der Private Banker. Also entschied sich das Unternehmerehepaar für diesen Vorschlag. Doch die letzten Wochen machen Mundroths nervös: 4,8% Minus sind im Depot zu verzeichnen, also ein Wert nahe dem kommunizierten „Risiko“-Wert – und das, obwohl es aus ihrer Sicht an den Börsen nur „ein bisschen“ turbulent zugeht. Das Problem: Die von der Bank präsentierten Kennzahlen drücken zwar finanzmathematisch korrekte Werte aus. Was sie aber konkret für die Vermögensanlage bedeuten, kann „Otto Normalanleger“ daraus nicht ableiten. Mit „Risiko“ bezeichnet die Bank die – in Fachkreisen beliebte – Kennzahl „Volatilität“. Sie beschreibt die Schwankungsbreite um die Rendite und wird auch „Standardabweichung“ genannt. Dieser statistische Wert bildet aber nur ca. 68% der Fälle ab – und sagt kaum etwas über das Verlustrisiko aus. Der historische Wert, den die Bank präsentiert, hat zudem Tücken. Denn es könnte sein, dass die Bank bislang einen anderen Managementstil gefahren hat. Das würde bedeuten, dass künftig andere Schwankungsbreiten möglich sind. Historische Zahlen sind nicht selten Rückrechnungen mit Indexdaten, sog. „Backtests“. Diese sollten Vermögende mit Vorsicht genießen, denn hier können die Zahlen schnell geschönt werden, um überzeugend zu wirken. Bewährt haben sich Kennzahlen, die für den mehr oder weniger erfahrenen Vermögenden verständlich sind: Der maximale Verlust. Dieser sollte vom jeweiligen letzten Höchststand und zeitunabhängig berechnet sein. Denn es interessiert einen Anleger wenig, dass der Verlust maximal 10% pro Jahr betragen kann, wenn dieses Ereignis dreimal hintereinander eintritt. Hilfreich ist auch die Angabe der Verlustdauer. Dies ist der Zeitraum vom letzten Höchststand bis zum wahrscheinlichen Wiedererreichen des „Vermögensgipfels“. Alternativ wird auch die Wertaufholungszeit („Recovery Time“) angegeben. Sie gibt an, wie lange es in einer Krisenphase vom Tiefpunkt bis zum alten Vermögenshöchststand dauern könnte. Die Kennzahl „Sharpe Ratio“ drückt aus, ob der „Stress“, dem der Anleger ausgesetzt war, durch Gewinne ordentlich bezahlt wurde. Je höher der Wert, desto besser ist dies gelungen. Daher ist der Wert geeignet, um verschiedene Vermögensverwalter zu vergleichen – bei identischen Berechnungsmethoden. Isoliert ausgewiesen (wie bei Mundroths) hat er keine Aussagekraft. Gerne wird auch die Kennzahl „Value at Risk“ genutzt. Doch sie macht Anlegern Verständlichkeitsprobleme. Sie gibt den möglichen Verlust eines Portfolios an. Damit ist sie näher am „maximalen Verlust“. Allerdings müssen Anleger auf das sog. „Konfidenzintervall“ (Vertrauensintervall) achten. Dies wird meist mit 95% angegeben. Folglich bezieht sich der Wert auf den höchsten Verlust, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% eintritt. Bei 5% der Fälle gibt es also höhere Verluste. Selbst bei einer Konfidenz von 99% sind Extremfälle wie die Finanzkrise nicht mit berücksichtigt.

Fazit: Mundroths sind nicht gut beraten worden. Doch jeder Anleger kann mit einem simplen „Stresstest“ gut das Risiko eines Portfolios einschätzen. Faustformel: Aktienquote (ggfs. einschließlich Rohstoffe) dividiert durch 2 = Verlustrisiko. Bei einer Aktienquote von 40% entspricht dies 20% maximalen Verlust. Wer im Crashfall auch Kursverluste bei Anleihen berücksichtigen will, kann zusätzlich 10% Verlust auf den restlichen Teil berücksichtigen. Mundroths haben also gut 26% Verlustpotenzial im Portfolio. Weit entfernt von den 5,4% „Risiko“, die die Bank ihnen genannt hat.

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