Nur vereinzelt glanzvolle Leistungen
Auch im „weiten Feld“, auf den mittleren Rängen, ist manche glanzvolle Leistung in einzelnen Bewertungsbausteinen auszumachen. So hat es die Commerzbank in diesem Jahr bis in die Endrunde geschafft. Sie überzeugte vor allem im Beratungsgespräch und zunächst auch mit ihrem Anlagevorschlag. Schwächen wurden dann in der Verteidigung des Anlagekonzepts vor der Jury und bei der Vorstellung des Investmentprozesses offenbar. Auch war die Großbank nicht bereit, der Redaktion einen aktuellen Blick „in den Maschinenraum“ zu gewähren, so dass auch keine Transparenzpunkte anfallen. Schade. Hier wäre diesmal deutlich mehr drin gewesen. So schneidet die Co-Bank noch mit einem befriedigend in der Gesamtwertung ab oder aus Sicht der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz: bedingt empfehlenswert.
Es gab weitere Kandidaten, die es zu einer deutlichen Empfehlung hätten bringen können: Die Bank Gutmann gehört dazu, die wie gewohnt ein substanzielles Beratungsgespräch und einen ebensolchen Anlagevorschlag ablieferte. Doch wie die Commerzbank hielt auch sie sich mit Transparenzangaben bedeckt. Eine Teilnahme am Beauty Contest wäre mit etwas mehr Einsatz möglich gewesen.
Vor dem Beauty Contest zurückgeschreckt
Gleiches gilt für DZ Privatbank. Sie hinterließ einen befriedigenden Eindruck im Beratungsgespräch und überzeugte mit ihrem Anlagevorschlag, der mit einer ganzheitlichen Ausrichtung beim Kunden einen sehr guten Eindruck hinterließ. Doch folgte sie nicht der Einladung zum Beauty Contest , um sich den Fragen der Jurymitglieder zu stellen.
Die Einladung „verschwitzt“
Chancenreich war diesmal auch M.M. Warburg. Das Hamburger Privatbankhaus, gebeutelt durch den Cum-Ex-Skandal, der die Bank ins öffentliche Blickfeld gerückt hat (obwohl zahlreiche andere Bankhäuser mit demselben „Trick“ nicht gezahlte Steuern vom Fiskus zurückgefordert hatten), zeigte sich geläutert und legte viel Energie in die Beratung, die den Kunden ebenso überzeugte wie der Anlagevorschlag. Die Einladung zum Beauty Contest allerdings „verschwitzten“ die Berater und konnten somit nicht die erforderlichen Punkte für einen Platz im vorderen Wettbewerbsfeld sammeln.
Die Leistung der fürstlichen LGT Bank – eigentlich ein ständiger Kandidat für eine Top-Platzierung – hat es diesmal nicht ganz so weit gebracht. Obwohl Beratungsgespräch und Anlagevorschlag ihre Qualität haben, blieben sie doch hinter dem zurück, was Kunden bei vorangehenden Beratungen schon erfahren hatten, und so reichte es nicht ganz für die Qualifikation zur Endauswahl und zum Beauty Contest.
Erhobenen Hauptes das Feld verlassen
Auch die Hamburger Sparkasse konnte ihre gute Leistung aus dem Vorjahr, die insbesondere von der Empathie und Kompetenz einer einzelnen Beraterin gelebt hatte, so nicht wiederholen. Sehr professionell und auf den Kunden zugehend die Rückmeldung auf die Absage. Die HASPA lädt den Kunden dazu ein, noch einmal ins Gespräch zu kommen und sich mit dem Mitbewerber, der den Vorzug bekommen hat, zu vergleichen.
Ähnlich agiert die Rothschild Bank, die nach einem passablen Kundengespräch einen eher rudimentären Anlagevorschlag an den Kunden sendet, sich aber bei der Absage anbietet, dem Kunden jederzeit für eine Zweitmeinung zur Verfügung zu stehen. Das hat Stil und gefällt.
Den Kunden überfordert
Deutlich mehr war für die Hamburger Privatbank Berenberg drin. Das Bankhaus überzeugte den Kunden im Beratungsgespräch, war aber nicht bereit, auf dieser Basis einen Anlagevorschlag zu erstellen. Weitere Gespräche sollten zunächst folgen. Das zeugt einerseits von Gründlichkeit und Tiefe; andererseits nimmt es keine Rücksicht auf die Belange eines Kunden, der sich zwischen mehreren Anbietern entscheiden möchte und muss und in einem ersten Anlauf zur Vorauswahl nicht überall einen so hohen Zeitaufwand investieren kann und will.
Merck Finck, die mittlerweile nur noch eine deutsche Niederlassung der Luxemburger Quintet Bank sind, beraten zunächst auf ordentlichem Niveau, legen dann aber einen Anlagevorschlag vor, der wichtige Aspekte nicht hinreichend ausführt: Nachhaltigkeit ist beispielsweise kaum ausgearbeitet, obwohl der Kunde betont hatte, dass das Thema für ihn eine hohe Bedeutung hat.
Chance vergeben
Auch die Privatbank Maerki Baumann aus der Schweiz war durchaus „zu Höherem berufen“. Eine Einladung zum Beauty Contest schlug sie aber aus. Auf ein vom Kunden als gut bewertetes Beratungsgespräch folgte ein Anlagevorschlag, der zwar nicht an das Niveau im Gespräch anknüpfte; insgesamt jedoch ergab sich ein Bild, das „Lust auf mehr“ gemacht hatte. Nur mauerte die Bank schließlich wieder bei den Transparenzangaben. Insgesamt muss sie sich somit mit einem Platz im Mittelfeld zufrieden geben.
Allein nach dem Beratungsgespräch zu urteilen, hatten auch die dänische Sydbank, Lombard Odier in der Schweiz, BNP Paribas (Suisse), die Bank für Tirol und Vorarlberg sowie die Raiffeisen Landesbank Tirol Chancen auf einen Platz im vorderen Mittelfeld. Sydbank und Lombard lieferten zwar keinen überragenden, aber zumindest einen Anlagevorschlag, mit dem der Kunde schon etwas anfangen konnte. Spätestens bei der Transparenz blieben dann aber die Punkte aus, um sich noch einen „Platz an der Sonne“ zu erobern. Auch Gutzwiller & Cie., die Raiffeisen Landesbank Tirol, die Neue Bank aus Liechtenstein und die Deutsche Bank Wealth Management sowie die Volksbank Vorarlberg sammelten in den Beratungsgesprächen hinreichend Punkte, um sich beim Beratungsgespräch im Mittelfeld des Wettbewerbs zu platzieren.
Nicht auf einer Linie
Kommunikations- und gegenseitige Verständnisschwierigkeiten auf fachlicher und emotionaler Ebene führten entweder zu wenig erbaulichen Eindrücken bei den Kunden oder der Besuch musste ganz abgebrochen werden. Ersteres war beispielsweise bei der Goldman Sachs Bank der Fall. Die Berater wirkten auf den Kunden überheblich und geradezu desinteressiert. Pictet & Cie. in der Schweiz bemühten sich um ein Anlagekonzept für den Kunden, schafften es aber nicht, ihre Überlegungen dem Kunden verständlich zu machen.
Die Liechtensteinische Landesbank wiederum wünschte sich vom Kunden einen schriftlichen Nachweis der Rechtsform – doch eine GbR muss nicht ins Handelsregister eingetragen werden. Der Kunde fühlte sich überfordert und brach ab. Bedauerlich, denn bis dahin hatte die Beratung auf jeden Fall „Lust auf mehr“ gemacht.
Fazit: Im Mittelfeld tummeln sich viele durchschnittliche Leistungen. Nur in wenige Fällen sind Ansätze zu erkennen, die die Chance eröffnen, im Top-Segment des Wettbewerbs mitzuspielen. Einige Beratungen blieben im Ansatz stecken und waren insofern nicht bewertbar.
Einen vollständigen, detaillierten Überblick zu allen Teilnehmern und Wertungen geben wir in den Private Banking Rating News, die im FUCHS-Professional-Abonnement enthalten sind.