Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
1171
Wenn der Sonne über die Wald scheint

Entschuldigung, wir schreiben politisch nicht korrekt

Ralf Vielhaber, Chefredakteur FUCHSBRIEFE
Wie schreibt man einen politisch korrekten Fuchsbrief, ohne seine LeserInnen zu verletzen. Und 58 weitere Geschlechter noch dazu. Fuchsbriefe-Chefredakteur Ralf Vielhaber hat sich mit seinem Team dazu Gedanken gemacht. Und sie kommen zu einem überraschenden Ergebnis.

Es gab mal eine Zeit, da hieß ein Hoch Horst und ein Tief Tina. Das gab mir Orientierung. Aber warum einfach, wenn's auch kompliziert geht? Wie soll man multitaskingfähig werden, wenn die tägliche Kommunikation so simpel gestrickt ist?

So dachte man in den besonders fortschrittlichen Gesellschaftskreisen, den Universitäten, in den Behörden und mittlerweile auch den Redaktionsstuben, nachdem die Genderwelle aus den USA nach Deutschland geschwappt war. Seitdem erfasst sie das öffentliche Leben und – unsere Sprache. Die tagtägliche Sprachverschwurbelung ist grenzenlos geworden und wir alle wollen doch Grenzen überwinden.

Uns Fuchsbriefe-Redakteure stellt das vor ein schweres Dilemma. Wir sind angetreten, Informationen zu verdichten. Wir wollen, dass Sie die zentrale Botschaft und die Fakten zu einem Thema in möglichst kurzer Zeit erfassen können. Wir setzen auf möglichst wenig Text. Wir schreiben das Notwendige.

Sind Sie Leser oder Lesender?

Doch ich traue mich kaum noch, Sie mit „werte Leser" anzusprechen, ohne die Leserin hinzuzufügen. Das ist zweifelsohne mehr Text, aber ist es auch mehr relevanter Inhalt? Dürfen wir zum „Leser" ohne „in" verdichten oder ist das unzulässig, gar verletzend? Müssen wir einen Artikel pro Brief weglassen, damit die übrigen politisch korrekt erscheinen?


Schwierig, schwierig. Seitdem der Flüchtling ein Geflüchteter ist, die Studenten Studierende sind (was in seiner Bedeutung unglücklicherweise etwas Anderes ist), weiß ich gar nicht, ob ich noch vom Unternehmer sprechen darf, ohne die Unternehmerin anzufügen (und was kommt zuerst?). Oder muss ich Sie nun Unternehmende nennen? Sind Sie Leser oder Lesender?

"Die Sonne" ist unfair

Andererseits fand ich es noch nie richtig, dass es nicht „der Sonne" ist und „die Wind". Das eine wärmt, das andere erkältet. Die Franzosen sprechen schließlich auch von le soleil, dem Sonne. Das ist nicht nur unfair, wir bemerken: „die Sonne" zu sagen, ist geradezu nationalistisch, zumindest ein Stück weit. Und welche gesellschaftlich positiven Veränderungen könnte das hervorrufen, wenn wir hier etwas achtsamer formulierten? Hat das schon jemand untersucht?

Es sollte doch zumindest gestattet sein, im Sprachgebrauch die freie Auswahl bei der Wahl des Geschlechts zu haben. Haben wir sonst ja schließlich auch. Die Genderwissenschaft hat herausgefunden, dass es 60 Geschlechter gibt - mindestens. Nur mein altertümliches Rechtschreibprogramm hat das noch nicht mitbekommen. Das will mich andauernd korrigieren, wenn ich Ihnen schreiben will, dass der Preise für Holz stark anziehen, weil das Wald knapp wird. Das ist einfach ärgerlich, schließlich sind es doch gerade die Softwarekonzerne, die im Genderstrom vorneweg schwimmen.

Entschluss gefasst

In einer langen Redaktionskonferenz sind wir nun zu einem Entschluss gekommen. Wir rufen einen internen Arbeitskreis ins Leben, der die Angelegenheit noch einmal gründlich durchdenkt, bevor wir uns festlegen, wie wir künftig verfahren. Für den Übergangszeitraum gilt bei Fuchsbriefe weiterhin: Weniger ist meistens mehr – auch in der Sprache. Ich hoffe, Sie sehen uns das nach, bittet Ihr

 

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Start einer neuen Artikelserie in FUCHS-DEVISEN

Kryptowährungen fahrlässig vernachlässigt

Kryptowährungen stehen in Deutschland nicht hoch im Kurs. Zu Unrecht wie wir meinen. Copyright: Picture Alliance
Kryptowährungen stehen in Deutschland bisher nicht hoch im Kurs. Selbst hinter europäischem Durchschnitt bleiben die Deutschen bei der Bitcoin-Nutzung weit zurück. Doch sich mit den Anwendungsmöglichkeiten im betrieblichen Zahlungsverkehr sollten sich Unternehmer unbedingt beschäftigen. Die Redaktion FUCHS-DEVISEN startet eine neue Serie und macht die Möglichkeiten von Kryptowährungen transparent.
  • Fuchs plus
  • Bankhaus Ellwanger & Geiger KG, Vermögensmanagement TOPS 2019: Qualifikation

Ein Besuch beim Maßschneider

Das Bankhaus Ellwanger & Geiger KG hat die grüne Ampel verdient.
Vielleicht sind wir auch wegen vorhergehender Enttäuschungen so begeistert. Vielleicht aber ist die Erfahrung Ellwanger & Geiger auch nüchtern betrachtet etwas Besonderes. Wie auch immer: Selbst bei längerem Nachdenken findet sich nichts Negatives an dem, was uns das Bankhaus geboten hat.
  • Fuchs plus
  • Bankhaus Jungholz AG - Private Banking Schweiz, Vermögensmanagement TOPS 2019: Qualifikation

Hausaufgaben für den Kunden, nicht für den Berater

Die Ampel des Bankhaus Jungholz steht auf rot.
Wir haben es bei der Beratung durch das Bankhaus Jungholz mit einer Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu tun. Wenn man die verschiedenen Ankündigungen und Verlautbarungen liest, glaubt man sicher in den allerbesten Händen zu sein. Das trifft - zumindest was unsere diesjährige Erfahrung angeht – leider nicht zu. Weder ist die Beratung hilfreich noch gibt es einen Anlagevorschlag.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Bei Spenden an Kirchen in der EU

Finanzamt muss Zuwendungen überprüfen

Zuwendungen an Kirchen (früher Spenden) in der EU sind steuerlich begünstigt. Das deutsche Finanzamt muss aber prüfen, ob dies so vorgegeben sei wie Spenden an deutsche Kirchen
  • In aller Kürze

Erbschaftsteuer auf geteiltes Grundstück

Der Bundesfinanzhof muss jetzt die Besteuerung für ein geerbtes Grundstück untersuchen. Das Grundstück besteht aus zwei Teilstücken mit separat geführten Grundbuchblättern. Das eine Grundstück ist einheitlich eingefriedet und wird zu eigenen Wohnzwecken genutzt. Das genügte den Richtern vom FG Düsseldorf aber nicht für die Erbschaftssteuerbefreiung. Aus ihrer Sicht handelt es sich um zwei separate Einheiten: ein bebautes und ein unbebautes Grundstück. (Finanzgericht-Mitteilung am 5. Juni 2018).
Zum Seitenanfang