Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1737
Arbeitnehmer bezahlen Jobhilfen selbst

Clever gemacht

Das war ein grandioser Coup, was die Bundesregierung da am Freitag veranstaltet hat. Unter den lauten Protesten der „Klimaschützer" und daher mit allen moralischen Weihen versehen, hat sie ein Konjunkturpaket verabschiedet. Ohne viel Aufsehen leitet sie dabei auch noch der ungeliebten, aber überaus wichtigen Autoindustrie den dicksten Batzen zu. FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Ralf Vielhaber zieht vor so viel Chuzpe den Hut.

Das muss ich der Regierung lassen: Was sie in der Klimapolitik am Freitag verabschiedet hat, ist schlau. So viel Chuzpe hätte ich der Merkel Mann- und Frauschaft nicht zugetraut. Denn das Klimaschutzpaket der Bundesregierung ist bei genauerem Hinsehen ein Konjunktur- und Umverteilungspaket. FUCHSBRIEFE hatten dies bereits am 26.8. angekündigt („Neue Förderprogramme in Sicht"). Während Verbände und Nichtregierungsorganisationen über die mehr oder minder große Lenkungswirkung der CO2-Verteuerung streiten – 10 EUR pro t CO2 ab 2021 und dann steigend bis 35 EUR in 2025 –, freut sich die Wirtschaft insgeheim über zusätzliche Staatsgelder von 54 Mrd. Euro bis 2023. Nicht zu Unrecht spricht die FDP (Vize Michael Theurer) von einer „Subventionsorgie".

Pikant: Belastet werden vor allem die Verbraucher. Sie müssen den Konjunkturimpuls – vorwiegend über steigende Heiz- und Spritpreise –bezahlen. Und sie löhnen auch die verbilligten Bahntickets am Ende zu einem wesentlich Teil selbst. Denn die Regierung will für die Subventionsmilliarden keine frischen Kredite aufnehmen und die „schwarze Haushaltsnull" retten bzw. die Schuldenbremse nicht gefährden, die ab 2020 greift. Das passt zumindest zu den zuletzt deutlich gestiegenen Löhnen.

Die Profiteure sind vornehmlich Konzerne im Verkehrs- und (bereits boomende) Bausektor. Die schwächelnde und mitten im strukturellen Umbruch steckende Autoindustrie (Kaufprämien für E-Autos) bekommt wie die Bahn (Ticketsubventionen) Milliarden. Aber auch Heizungshersteller, Installateure und die Windparkbetreiber gehen nicht leer aus. In 2. Reihe profitieren natürlich die jeweiligen Zulieferunternehmen.
Die Regierung hofft, damit der lahmenden Konjunktur einen Anschub zu geben. Denn Deutschland wird nach dem 3. Quartal mit größter Wahrscheinlichkeit eine Rezession vermelden (FB vom 15.8.).. Und die ist nicht nur technischer Art: Der für Deutschlands Wirtschaft enorm wichtige Verkehrssektor steckt im Umbruch. Es droht deutlicher Arbeitsplatzabbau. Der wird jetzt zumindest abgemildert.

Die Arbeitnehmer bezahlen ihre „Jobhilfen" somit selbst. Und die überkochende Volksseele (Klimastreiks) bekommt scheinbar auch ihren Willen. Die NGOs sind zumindest teilweise befriedigt. Und die Wirtschaftsexperten beruhigt, dass sich der CO2-Preis am Emissionshandel ausrichtet. Nicht zuletzt kann die Regierung die vielen Kritiker im Ausland zurückweisen, die Deutschland seit langem zu einer staatlichen Konjunkturankurbelung drängen.

Fazit

Ob das dem Klima viel bringt, sei dahingestellt. Aber ich muss sagen: Clever gemacht!

Herzlich grüßt Sie, Ihr

Unterschrift Ralf Vielhaber

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Open Data-Strategie ist Rohrkrepierer

Ohne Daten kein Geschäft

Open Data-Strategie ist Rohrkrepierer. Copyright: Pexels
Die Bundesregierung hat ihre Open-Data-Strategie vorgestellt. Sie sieht darin einen wichtigen Erfolgsfaktor für die Innovationskraft Deutschlands. Das Ziel ist, Daten von staatlichen Behörden und Instituten nutzbar zu machen. Die sollen Unternehmen dann kommerziell verwerten können. Was ist von der Strategie zu erwarten?
  • Fuchs plus
  • Entscheidend ist, wie viele Mitarbeiter feiern

Lohnsteuerfreiheit hängt von Beteiligung ab

Entscheidend ist, wie viele Mitarbeiter feiern. Copyright: Pexels
Allmählich kehren immer mehr Mitarbeiter in die Fabrikhallen und Büros zurück. So mancher Arbeitgeber plant auch wieder größere Veranstaltungen (z. B. Weihnachtsfeiern). Dazu sollten Unternehmer ein aktuelles Lohnsteuer-Urteil des BFH kennen, damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer steuerlichen Ärger nach einer Veranstaltung vermeiden können.
  • Fuchs plus
  • Anzeichen steigender Inflation in Japan

Der Yen erreicht ein 7-Wochen-Hoch

Der Yen erreicht ein 7-Wochen-Hoch. Copyright: Pexels
Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus Japan. Nach Wochen mit eher durchgängig trüben Nachrichten aus dem Land der aufgehenden Sonne überzeugen die jüngsten Handelsdaten. Das schickte den Yen direkt auf ein frisches 7-Wochen-Hoch.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Steuervorteil nur in Reinform

Gemischte Immobilien-Nutzung ist steuer-schädlich

Gemischte Immobilien-Nutzung ist steuer-schädlich. Copyright: Pexels
Gewerbliche Grundstücksunternehmen haben einen Vorteil bei der Gewerbesteuer. Tricky wird es aber, wenn die Immobilien gemischt sind, also eine Kombination aus Gewerbe- und Wohnimmobilien sind. Dazu hat der Bundesfinanzhof gerade ein Urteil gefällt.
  • Fuchs plus
  • Anzeichen steigender Inflation in Japan

Der Yen erreicht ein 7-Wochen-Hoch

Der Yen erreicht ein 7-Wochen-Hoch. Copyright: Pexels
Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus Japan. Nach Wochen mit eher durchgängig trüben Nachrichten aus dem Land der aufgehenden Sonne überzeugen die jüngsten Handelsdaten. Das schickte den Yen direkt auf ein frisches 7-Wochen-Hoch.
  • Fuchs plus
  • USA werden zum Kapitalmagneten

Chancen im Cable

USA werden zum Kapitalmagneten. Copyright: Pexels
Die US-Konjunktur läuft und schiebt den Dollar an. Dahinter stehen vor allem zunehmende Spekulationen, dass die Fed sich doch eher als offiziell angedeutet wird bewegen müssen. Daraus ergeben sich Chancen im Cable und in einer weiteren kleinen Währung.
Zum Seitenanfang