Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
3069
Arbeitnehmer bezahlen Jobhilfen selbst

Clever gemacht

Das war ein grandioser Coup, was die Bundesregierung da am Freitag veranstaltet hat. Unter den lauten Protesten der „Klimaschützer" und daher mit allen moralischen Weihen versehen, hat sie ein Konjunkturpaket verabschiedet. Ohne viel Aufsehen leitet sie dabei auch noch der ungeliebten, aber überaus wichtigen Autoindustrie den dicksten Batzen zu. FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Ralf Vielhaber zieht vor so viel Chuzpe den Hut.

Das muss ich der Regierung lassen: Was sie in der Klimapolitik am Freitag verabschiedet hat, ist schlau. So viel Chuzpe hätte ich der Merkel Mann- und Frauschaft nicht zugetraut. Denn das Klimaschutzpaket der Bundesregierung ist bei genauerem Hinsehen ein Konjunktur- und Umverteilungspaket. FUCHSBRIEFE hatten dies bereits am 26.8. angekündigt („Neue Förderprogramme in Sicht"). Während Verbände und Nichtregierungsorganisationen über die mehr oder minder große Lenkungswirkung der CO2-Verteuerung streiten – 10 EUR pro t CO2 ab 2021 und dann steigend bis 35 EUR in 2025 –, freut sich die Wirtschaft insgeheim über zusätzliche Staatsgelder von 54 Mrd. Euro bis 2023. Nicht zu Unrecht spricht die FDP (Vize Michael Theurer) von einer „Subventionsorgie".

Pikant: Belastet werden vor allem die Verbraucher. Sie müssen den Konjunkturimpuls – vorwiegend über steigende Heiz- und Spritpreise –bezahlen. Und sie löhnen auch die verbilligten Bahntickets am Ende zu einem wesentlich Teil selbst. Denn die Regierung will für die Subventionsmilliarden keine frischen Kredite aufnehmen und die „schwarze Haushaltsnull" retten bzw. die Schuldenbremse nicht gefährden, die ab 2020 greift. Das passt zumindest zu den zuletzt deutlich gestiegenen Löhnen.

Die Profiteure sind vornehmlich Konzerne im Verkehrs- und (bereits boomende) Bausektor. Die schwächelnde und mitten im strukturellen Umbruch steckende Autoindustrie (Kaufprämien für E-Autos) bekommt wie die Bahn (Ticketsubventionen) Milliarden. Aber auch Heizungshersteller, Installateure und die Windparkbetreiber gehen nicht leer aus. In 2. Reihe profitieren natürlich die jeweiligen Zulieferunternehmen.
Die Regierung hofft, damit der lahmenden Konjunktur einen Anschub zu geben. Denn Deutschland wird nach dem 3. Quartal mit größter Wahrscheinlichkeit eine Rezession vermelden (FB vom 15.8.).. Und die ist nicht nur technischer Art: Der für Deutschlands Wirtschaft enorm wichtige Verkehrssektor steckt im Umbruch. Es droht deutlicher Arbeitsplatzabbau. Der wird jetzt zumindest abgemildert.

Die Arbeitnehmer bezahlen ihre „Jobhilfen" somit selbst. Und die überkochende Volksseele (Klimastreiks) bekommt scheinbar auch ihren Willen. Die NGOs sind zumindest teilweise befriedigt. Und die Wirtschaftsexperten beruhigt, dass sich der CO2-Preis am Emissionshandel ausrichtet. Nicht zuletzt kann die Regierung die vielen Kritiker im Ausland zurückweisen, die Deutschland seit langem zu einer staatlichen Konjunkturankurbelung drängen.

Fazit

Ob das dem Klima viel bringt, sei dahingestellt. Aber ich muss sagen: Clever gemacht!

Herzlich grüßt Sie, Ihr

Unterschrift Ralf Vielhaber

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Stiftungsvermögen 2024: Die Capitell Vermögens-Management AG in der Ausschreibung

Capitell geht nicht den letzten Meter

Thumb zu Stiftungsvermögen 2024. © Verlag Fuchsbriefe mit envato elements
Capitell ist ohne Zweifel ein erfahrener Stiftungsmanager, der von sich behauptet, die Besonderheiten von Stiftungen zu verstehen. Man begleite sie nicht nur seit der Gründung des Vermögensverwalters im Jahr 2000, sondern habe etliche Mitarbeiter, die sich ehrenamtlich in Stiftungen engagieren. Dieser Blick von zwei Seiten kann ein Plus für die Stiftung Fliege sein, die einen neuen Vermögensverwalter für ihr Stiftungsvermögen sucht. Hält dieser Bonus der Realität stand?
  • Trusted Wealth Manager 2024 – Vertrauenswürdige Vermögensverwalter

Die meisten Vermögensverwalter in Deutschland verdienen Vertrauen

Trusted Wealth Manager 2024. © Verlag FUCHSBRIEFE
Wer ist als Vermögensmanager vertrauenswürdig? Die FUCHS | RICHTER Prüfinstanz wertet wie im immer zum Jahresbeginn ihr laufendes Monitoring «Trusted Wealth Manager» aus. Und da gibt es 2024 viel Positives zu berichten!
  • Der Digital Services Act gilt ab 17. Februar

Mehr Bürokratie, weniger Meinungsfreiheit, geringere Rechtssicherheit

FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber. © Foto: Verlag FUCHSBRIEFE
Haben Sie einen Webshop? Dann dürfen Sie sich auf den nächsten Schritt in Richtung Bürokratieaufbau, erweiterte Rechtsunsicherheit und Rückbau der Meinungsfreiheit „freuen“. Am 17. Februar gilt in Deutschland der Digital Services Act (DSA), den die EU-Kommission schon 2022 initiiert hat. Doch so mancher kleine Seitenbetreiber wird jetzt erst merken, was da auf ihn zurollt. FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber sieht in dem Gesetz mehr Schaden als Nutzen – nicht nur für die Unternehmen.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Digitalisierung im Betrieb

Gefährdungsbeurteilung bei Einführung einer IT-App

Handscanner sind in der Wirtschaft weit verbreitet und sind ein cleverer Logistikhelfer. Unternehmen, die solche Geräte einführen wollen, müssen zuvor unter Umständen eine Gefährdungsbeurteilung mit Beteiligung des Betriebsrates durchführen. Das hat das Landesarbeitsgericht Berlin entschieden.
  • Fuchs plus
  • Überspringen auf Bankensektor nicht nur in den USA

Gewerbeimmo-Krise: Der Dollar dürfte profitieren

Der Letzte macht das Licht aus. © Foto: envato elements
In den USA brennt mal wieder die Hütte. Der dortige Gewerbeimmobilienmarkt weist gefährliche Krisenzeichen auf. Der Brand kann schnell auf den Bankensektor überspringen. Stärkt oder schwächt das den Dollar? Eine Szenario-Analyse.
  • Fuchs plus
  • Engel helfen beim Generationenwechsel im Unternehmen

Business Angel finanzieren Nachfolgen an Betriebsfremde

Unternehmer sollten bei der Suche nach geeigneten Nachfolgern auch an Business Angel denken. Gerade wenn die eigene Firma an betriebsfremde Nachfolger übergeben werden soll, können die Engel helfen. Sie bringen vielfach wichtige Netzwerke und oft auch Finanzierungen mit.
Zum Seitenanfang